Heilbronn braucht mehr Lehrer

Region  Den Schulen in Heilbronn mangelt es seit Jahren an qualifizierten Lehrkräften. Eine weitere Aufgabe ist seit langem ungelöst: Heilbronn sehen viele Jung-Lehrer offensichtlich nur als „Durchgangs-Schulamt“.

Von Iris Baars-Werner

Heilbronn fehlen die Lehrer
In manchen Schulen trifft es den Geschichtsunterricht, in anderen fehlt der Mathelehrer gleich fünf Wochen, ohne dass Ersatz in Sicht wäre. Das mag manchen Schüler freuen, aber es bringt ihn für seine Zukunft nicht voran.Foto: Archiv/Sawatzki

Es muss sich etwas ändern – aber, es wird nicht von heute auf morgen gehen: „Heilbronn braucht mehr Lehrer“, darin waren sich die Lehrer-Gewerkschaft GEW, die regionalen Abgeordneten des Landtags, die Schulverwaltung und die Eltern einig, als sie sich am Mittwochabend im Heilbronner Gewerkschaftshaus zu einer engagierten, zum Teil hitzigen, auf jeden Fall mehr als zweistündigen Diskussion trafen.

So schilderte etwa ein Heilbronner Vater, seine Tochter habe am Mönchsee-Gymnasium seit fünf Wochen keinen Mathematik-Unterricht gehabt, weil der Lehrer krank war und die Schule keinen Ersatz hatte – aber anscheinend auch keine Notlösung aus dem Kreis der Eltern akzeptierte: Ein DHBW-Professor bot seine Hilfe an, der Schulleiter lehnte ab, so die Schilderung des Vaters.

Für die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz war der Weg klar: Mehr Lehrkräfte braucht das Land, auch um Krankheiten und Elternzeiten bei den Lehrerinnen zu überbrücken, für die Inklusion behinderter Kinder, für einen nachhaltigen Unterricht, der nicht ständig ausfällt. Und für die sonstigen Aufgaben, die die Gesellschaft der Schule zugedacht hat – etwa die Flüchtlings-Integration. Und wenn das Land kein Geld umschichten kann für die Bildung, dann muss eben die Vermögenssteuer (wieder) her. Dann gebe es ausreichende Finanzen für diese Aufgabe zur Sicherung der Zukunft.

Ganz so freizügig mit dem knappen Landesgeld waren die Landespolitiker nicht – egal ob Susanne Bay (Grüne), Bernhard Lasotta (CDU), Rainer Hinderer (SPD) oder Nico Weinmann (FDP). Aber eines haben auch sie auf ihrem Handlungsprogramm: Man wolle die in der letzten Legislaturperiode abgesenkte Eingangsbesoldung der Lehrkräfte wieder anheben. Und man sieht ein, dass man zumindest teilweise die sogenannte „Sommer-Arbeitslosigkeit“ der Lehr-Anfänger in begründeten Fällen abschafft.

Bisher wird so mancher Referendar oder Lehrer mit Zeitvertrag nach dem Schuljahr zwangsweise aus dem Schuldienst entlassen – um ihn sodann nach den Ferien wieder einzustellen. Die Rechnung tragen die jungen Lehrer, wie ein Betroffener aus Neckarsulm anschaulich schilderte, den die Sommer-Arbeitslosigkeit mit der Sorge alleinließ, wie er denn seine junge Familie über die Ferienmonate bringen kann.

Eine weitere Aufgabe ist seit langem ungelöst: Heilbronn sehen viele Jung-Lehrer offensichtlich als „Durchgangs-Schulamt“ – sie nehmen eine Stelle mal an, schauen dann aber so schnell wie möglich, irgendwo anders unterzukommen, in Mannheim etwa oder in Heidelberg. Andrea Krieg fordert Anreize für jene Bewerber, die sich für Heilbronn entscheiden.