Stadtbahntrasse Nord: Gemeinderat vertagt Entscheidung wegen Bedenken zweier Firmen (06.03.2009)

Heilbronn - Eigentlich sollte der Heilbronner Gemeinderat am Donnerstag grünes Licht für die Linienführung der Stadtbahntrasse nach Norden geben. Doch völlig überraschend wurde der Tagesordnungspunkt vertagt: mit 24 zu 16 Stimmen. Kurz vor der Sitzung hatten vier Vertreter der Spedition Wüst und der Firma Wolffkran dem Oberbürgermeister einen dreiseitigen Brief überreicht, in dem sie den Trassenverlauf durchs Industriegebiet kritisieren.

Von Kilian Krauth

Heilbronn - Eigentlich sollte der Heilbronner Gemeinderat am Donnerstag grünes Licht für die Linienführung der Stadtbahntrasse nach Norden geben. Doch völlig überraschend wurde der Tagesordnungspunkt vertagt: mit 24 zu 16 Stimmen.

Kurz vor der Sitzung hatten vier Vertreter der Spedition Wüst und der Firma Wolffkran dem Oberbürgermeister einen dreiseitigen Brief überreicht, in dem sie den Trassenverlauf durchs Industriegebiet kritisieren. Wie Firmensprecher Ulrich Dörzbach am Rande der Sitzung gegenüber der Heilbronner Stimme sagte, fürchte man eine weitere Verschärfung der Parkplatznot, Lkw-Verladeprobleme und in Stoßzeiten noch größere Staus. Gleichzeitig schlägt er eine Alternative entlang der DB-Trasse unterhalb der Heilbronner Straße vor.

„Ungeheuerlich“

Bei CDU, FDP/FWV, Rep und OB Helmut Himmelsbach fanden die Kritiker offene Ohren. Sie plädierten dafür, sich noch einmal mit den Firmen im Bereich Austraße und Hans-Rießer-Straße zusammen zu setzen. „Wir sollten die Bedenken seriös abarbeiten, das sind wir einem Jahrhundertprojekt mit dieser Tragweite schuldig“, meinte Helga Drauz-Oertel (CDU). Ähnlich argumentierten Alfred Dagenbach (Rep) und vor allem Nico Weinmann (FDP/FWV), dessen Fraktion nach wie vor eine Linienführung über den Europaplatz fordert, also nicht wie im Grundsatz beschlossen durch die Paulinenstraße.

„Ungeheuerlich und unkollegial“ nannte es Marianne Kugler-Wendt (SPD), dass ihre Fraktion von den Vertagungsanträgen erst im Ratssaal erfahren habe. „Die Bedenken sind doch nicht neu und soweit möglich ja schon berücksichtigt“, betonte sie. Weitere Gespräche würden an den Grundsatzplänen nichts ändern. Die vorgeschlagene Alternative ist bereits verworfen worden, erinnerte Wolf Theilacker (Grüne). Sie habe weniger Fahrgastpotenzial und gefährde die Finanzierung.

„Schwarzer Peter“

Den von Kugler-Wendt ins Spiel gebrachten „schwarzen Peter“ schob der OB an die CDU weiter - worauf Fraktionschef Alexander Throm zu verstehen gab, dass Vertagungen „oft zu besseren Ergebnissen führen: siehe Kiliansplatz und Polizistenstellen“.

Um mit dem Ausbau-Fahrplan nicht in Verzug zu geraten, muss der Punkt bereits in der nächsten Sitzung am 2. April abgehakt werden. Wegen der sowieso schon dicken Tagesordnung beginnt diese bereits um 13 Uhr. Eine von FDP/FWV geforderte Sondersitzung wurde wegen Terminnot verworfen.

Ausbau der Stadtbahn

Die Stadtbahn soll ab Dezember 2012 von der bestehenden Trasse an der Heilbronner Kaiserstraße in die Allee abzweigen. Nach rund 3,6 Kilometern erreicht sie Neckarsulm. Von dort aus werden die Stadtbahnen dann auf der DB-Trasse über Bad Friedrichshall-Jagstfeld zum einen Bad Rappenau und Sinsheim erreichen, zum anderen, entlang des Neckars, Mosbach. Die Kosten für die Nordstrecke liegen bei insgesamt rund 136 Millionen Euro, auf den Heilbronner Abschnitt entfallen 77 Millionen Euro. Die weitere Verlängerung nach Süden ist zwar angedacht, konkrete Planungen laufen aber noch nicht.

Stadtbahntrasse Nord