Stadtbahntrasse Nord: Heilbronner Firmenprotest wird lauter

Heilbronn - Keine Stadtbahn vor die Werkstore! So lautet die Forderung von Firmen an der Heilbronner Au-, Salz- und Hans-Rießer-Straße. Bei einem Forum der Betroffenen in der IHK Heilbronn brachten Unternehmenslenker jetzt ihre „erheblichen Bedenken“ gegen die gegenwärtige Planung der Stadtbahntrasse Nord im Industriegebiet zum Ausdruck. Die weitgehend Lkw-intensiven Betriebe erwarten „signifikante Beeinträchtigungen“ in den betrieblichen Abläufen. Aber auch der Wertverlust von Immobilien und Grundstücken machte die Runde.

Von Joachim Friedl

Stadtbahn Heilbronn Paulinenstraße
Heilbronn - Keine Stadtbahn vor die Werkstore! So lautet die Forderung von Firmen an der Heilbronner Au-, Salz- und Hans-Rießer-Straße. Bei einem Forum der Betroffenen in der IHK Heilbronn brachten Unternehmenslenker jetzt ihre „erheblichen Bedenken“ gegen die gegenwärtige Planung der Stadtbahntrasse Nord im Industriegebiet zum Ausdruck.

Die weitgehend Lkw-intensiven Betriebe erwarten „signifikante Beeinträchtigungen“ in den betrieblichen Abläufen. Aber auch der Wertverlust von Immobilien und Grundstücken machte die Runde. Heftig kritisiert wurde außerdem die „mangelhafte Informationspolitik“ der Verwaltung gegenüber Gemeinderat und Unternehmen, das Abwiegeln von Bedenken („…sie sind belanglos“, „…nicht so schlimm“) und die „Geheimhaltung bis auf den letzten Drücker“.

„Wir halten die Trassenführung durch die schon heute stark strapazierte Au- und Hans-Rießer-Straße in hohem Maße schädlich für die reibungslose Weiterführung unserer Betriebe“, stellte nüchtern Wolffkran-Geschäftsführer Ulrich Dörzbach fest. Er befürchtet zudem teure Umbauarbeiten auf das Unternehmen zukommen. So sieht Dörzbach gegenwärtig keine Lösung für die Querverkehre zwischen Wolffkran und der Spedition Wüst. Außerdem hat er die Sorge, dass aufgrund nicht immer geöffneter Werkstore Lkw auf den Gleisen stehen und die Bahn nicht fahren kann: „Ich sehe kein friedliches Nebeneinander von Stadtbahn und Lkw-Verkehr.“

Handyruf

„Mit der Stadtbahn kommt das Verkehrschaos in das Industriegebiet“, ist sich Michael Knauth sicher. Auch deshalb, wie der Geschäftsführer der Carl Knoblauch Schrott und Metallgroßhandlung sowie der Knoblauch Brenn-Schneide-Technik weiß, weil in der Austraße alle Parkplätze wegfallen. „Wo sollen dann die Lkw parken?“, fragt er ratlos. Parken in der Gaswerkstraße, wie von der Verwaltung vorgesehen, sei unrealistisch, da diese Straße schon heute zugeparkt sei. Zweifel befallen ihn zudem ob planerischer Gedankenspiele, die „Firmen könnten ja die Lkw von Parkplätzen per Handy abrufen“.

Hin und her

„Was hier geschehen soll, ist undenkbar“, zeigte sich Harald Zeller, Chef der Spedition Wüst, fassungslos. Für ihn steht fest: „Die Austraße verträgt keine Stadtbahn.“

Wie „unsensibel“ die Bauverwaltung mit den Firmen umgegangen ist, schilderte Kurt Trunk, Kopf der gleichnamigen Bäckerei an der Salzstraße: „Am 19. Februar 2009 erfuhr ich, dass die Kundenparkplätze an der Salzstraße wegfallen sollen und die Zufahrt verlegt werden soll. Am 26. Februar lenkte die Verwaltung ein und sagte eine Ampelreglung über die Gleise zu. Am 6. März war dieser Vorschlag Makulatur. Meine Zufahrt soll erneut verlegt werden.“ In diesem Vorschlag sieht der Bäckermeister die „existenzielle Bedrohung des Unternehmens mit 70 Arbeitsplätzen“. Die Zufahrt von der Salzstraße und die 20 Parkplätze waren für Kurt Trunk 2002 „die unverzichtbare Voraussetzung“ für seine Vier-Millionen-Euro-Investition.

Probleme mit der Oberleitung erwartet Thomas Heyd von der gleichnamigen Zimmerei in der Hans-Rießer-Straße: „Viele Lkw, die zu uns kommen, transportieren Ware mit Überhöhe. Schon da setzen doch schon die nächsten Probleme ein.“


Vorschläge der Unternehmer

"Wir sind nicht gegen die Stadtbahn.“ Dies machen die Unternehmer aus dem Industriegebiet übereinstimmend deutlich. Als Alternativen zur Trasse durch die Austraße schlagen sie vor:
  • Weipertstraße, Industrieplatz, Goppeltstraße, Kreuzenstraße.
  • Sülmertor – Kreuzenstraße.
Bei beiden genannten Lösungen sei die Erreichbarkeit der Betriebe von den jeweiligen Haltstellen genauso weit wie von den Haltepunkten in der Austraße.


Politik: Nichts übereilen

 „Bei diesem Jahrhundertprojekt muss nichts über das Knie gebrochen werden“, sagt der CDU-Fraktionschef Alexander Throm. Die Fraktion werde weitere Gespräche mit Firmen führen und dann entscheiden. Sibylle Mösse-Hagen (SPD) ist wichtig, dass die Verwaltung mit den Unternehmen „tragbare Lösungen“ findet. Die SPD erwartet von der Verwaltung zudem eine Aussage darüber, ob die Trasse durch die Weipertstraße aufgrund neuer Voraussetzungen mit fahrgastrelevanten Einrichtungen förderfähig ist.

„Die Wünsche der Firmen müssen erfüllt werden“, erklärt der FDP/FWV-Sprecher Nico Weinmann. „Keine Alternative“ zur Austraße sieht Karl-Heinz Kimmerle (Grüne). Er sagt aber auch: „Den Betrieben muss stark entgegengekommen werden.“ Für eine Trasse durch die Kreuzenstraße plädiert Rep-Stadtrat Alfred Dagenbach.  

Info: Am 24. März bespricht der Bauausschuss des Heilbronner Gemeinderats noch einmal die Planung.



Hintergrund: Verkehrsführung

Die Planung der Stadtbahntrasse ab dem Industrieplatz sieht wie folgt aus: Austraße, Hans-Rießer-Straße und entlang der Bahnlinie nach Norden. Für den Verkehr, insbesondere Lkw, bedeutet dies: Fahrzeuge, die von der Autobahn kommen, können nicht mehr zu den Firmen nach links abbiegen. Sie müssen bis zum Industrieplatz-Kreisel fahren und umdrehen.

Aus Betrieben, die auf der Ostseite der Austraße angesiedelt sind, ist nur ein Ausfahren nach rechts möglich. Richtung Zentrum müssen sie durch den neuen Kreisel Au-/Hans-Rießer-Straße fahren. Die August-Läpple-Straße soll zur Werksstraße werden. Lkw, die Betriebe in der Rießer-Straße verlassen, fahren rechts weg und durch den Kreisel an der Achse Läpple-/Rießer-Straße zurück zur Austraße. Täglich gibt es auf dem Abschnitt Austraße/Karl-Wüst-Straße mehrere hundert Lkw-Bewegungen.

Stadtbahntrasse Nord
Kommentar hinzufügen