Heilbronn: Private Hochschule will mehr Aufmerksamkeit (16.06.2009)

Interview  Neuer Name, neue Strategie, neue Führung – unter diesem Motto stand die Pressekonferenz der "Heilbronn Business School" (HBS), die jetzt den neuen Namen "German Graduate School of Management and Law Heilbronn" (GGS) trägt.

Neuer Name, neue Strategie, neue Führung – unter diesem Motto stand die Pressekonferenz der Heilbronn Business School (HBS), die jetzt den neuen Namen German Graduate School of Management and Law Heilbronn (GGS) trägt. Nicole Amolsch und Iris Baars-Werner sprachen mit Dirk Zupancic (Chief Executive Officer) und Tomás Bayón (Dekan) über die Namensänderung und die Zukunft der privaten, von der Dieter-Schwarz-Stiftung finanzierten Hochschule.



Herr Zupancic, Herr Bayón, schildern Sie uns kurz, weshalb Heilbronn eine private Hochschule wie die GGS braucht und mit welchen Zielen sie als HBS vor vier Jahren an den Start gegangen ist.

Dirk Zupancic: Ausgangspunkt war, dass Dieter Schwarz einen Mangel an qualifizierten Führungskräften in der Region im Bereich des Managements festgestellt hat und es keine entsprechende akademische Ausbildung gab. Man hat sich dann auf berufsbegleitende Studiengänge mit den Schwerpunkten Leadership, International Business und Unternehmensrecht festgelegt. Das ist unser Kerngeschäft. Das zweite Standbein ist die eigene Forschung und das dritte sind Weiterbildungen in kürzeren Seminaren und Lehrgängen.

Tomás Bayón: Bei allem was wir tun, ist es klare Anforderung des Stifters Dieter Schwarz, dass es einen Transfer zurück in die regionale Wirtschaft gibt.

Zupancic: Unsere Pflicht ist der regionale Mehrwert. Aber wir streben auch eine nationale Sichtbarkeit und Anerkennung an sowie die Präsenz in der internationalen Forschung. Sei es bei Konferenzen oder in entsprechenden Fachmedien. Diesen Dreiklang müssen wir leisten, damit das Geschäftsmodell funktioniert.

 

Was haben Sie denn mit diesem Dreiklang bislang erreicht?

Zupancic: Es sieht eigentlich ganz gut aus, wenn man oben anfängt und die internationale Präsenz anschaut. Für die kleine Fakultät, die wir haben, sind wir hier sehr stark im Output. Davon ist aber bislang hier in der Region für die Unternehmen noch nicht viel sichtbar geworden.


Weshalb nicht?

Zupancic: Weil wir das zu wenig gut kommuniziert haben. Inhaltlich haben wir gute Ergebnisse erzielt. Aber ich glaube, wir müssen uns mehr Mühe geben, den regionalen Mehrwert herauszuarbeiten und unsere Leistungen für die Unternehmen nutzbar machen. In diesem Bereich wollen wir mehr Gas geben. Erste Schritte sind verschiedene Vortragsreihen, die wir anbieten. Ich denke, wir sind da auf einem guten Weg.


Und der neue Name? Erhöht der die regionale oder die nationale und internationale Wahrnehmung? Heilbronn Business School war doch in der Region eingängiger als der neue Name.

Zupancic: Was den für uns relevanten Markt angeht, stellen wir fest, dass das Potenzial an Studierenden, die aus der Region kommen, begrenzt ist. Daher müssen wir uns breiter aufstellen, um verstärkt Studierende aber auch Mitarbeiter von außerhalb zu akquirieren. Im Rahmen unserer Vorwärtsstrategie haben wir daher nach einem Namen gesucht, der attraktiver ist und uns von anderen Business Schools abhebt. Denn gerade bei den Newcomern gibt es einen ziemlichen Wildwuchs. Graduate School ist nach allem, was wir heute wissen, der schärfere Begriff. Auch wenn er noch nicht so geläufig ist. Last but not least gab es rechtliche Probleme mit dem Kürzel HBS wie beispielsweise ältere Namensrechte.

Bayón: Einerseits wollen wir natürlich die regionale Orientierung. Andererseits wollen aber von der Außenwahrnehmung her kein rein regional begrenzter Anbieter sein. Wir sind überzeugt, dass es mit diesem Namen etwas einfacher bei den Studierenden aber auch in der Forschungscommunity werden wird.


Wie genau sieht denn Ihre neue Strategie aus? Warum geben Sie jetzt plötzlich Gas und womit?

Bayón: Unsere Strategie entscheidet sich nicht fundamental von dem, was wir bislang gemacht haben. Wir waren inhaltlich gut unterwegs und wollen das weiter schärfen und ausbauen.

Zupancic: Gas geben möchte ich daran messen, wie stark wir jetzt nach einigen Wochen intensiver Arbeit in diese Richtung in der Region präsent sind und versuchen, Kooperationen zu knüpfen.


Welche Rolle spielt dabei die neue Führungsmannschaft aus Ihnen beiden und Peter Hochlehnert als Chief Financial Officer? Und weshalb sollte die GGS unter neuer Führung besser wahrgenommen werden?

Bayón: Ich würde nicht sagen, dass wir bislang nicht wahrgenommen wurden. Wir haben in den vergangenen vier Jahren ein Wahnsinnstempo an den Tag gelegt mit dem Start und der Akkreditierung der Hochschule. In der Tat hat die Vernetzung in die Region unter dem Tempo etwas gelitten insbesondere die Verbindungen in die Unternehmerschaft.


Aber bei drei Chefs in vier Jahren, da stellt sich natürlich die Frage, was ist schief gelaufen? Ein Dreigestirn statt einem Präsidenten, was sollte dadurch besser klappen?

Zupancic: Die einzelnen Phasen, die wir hatten, stimmten durchaus gut mit den Persönlichkeiten der einzelnen Präsidenten überein. Eine Hochschule aufzubauen ist nicht trivial und wir haben viel gemacht. Die Anforderungen sind inzwischen so, dass es unterschiedliche Kompetenzen braucht. Wir und auch die Stiftung sind der Meinung, dass man das am besten mit drei unterschiedlichen Leuten macht. Peter Hochlehnert ist derjenige, der die Kompetenz in Sachen Finanzen mitbringt. Ich gehe auf die Unternehmen zu, treibe die Vermarktung voran. Und Tomás Bayón hat klar den Schwerpunkt in der akademischen Welt, kümmert sich um Inhalte der Studiengänge und Forschung. Außerdem haben wir ja in dieser Konstellation bereits seit etwas mehr als einem halben Jahr zusammengearbeitet.


Was ist von der Studie, welche die Unternehmensberatung McKinsey im vergangenen Jahr für sie erarbeitet hat, übrig geblieben?

Zupancic: Eine Erkenntnis war, dass das Wachstumspotenzial in den vorhandenen Studiengängen relativ begrenzt ist. Wir müssen also weitere Studiengänge anbieten, die wir bereits entwickeln und ein breiteres Spektrum des Marktes abgreifen. Auf dem Programm stehen ein neuer Studiengang im Bereich Recht und mittelfristig ein weiterer im Bereich Management. Außerdem bieten wir in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen ein Vertriebsdiplom an. Die zweite Erkenntnis war: Wir brauchen Profilschärfe. Allerdings hatte sich McKinsey das so vorgestellt, dass wir wesentlich mehr Geld investieren müssen. Das war aber nicht im Sinne des Stifters. Wir wollen mit den bestehenden Mitteln das Optimum herausholen. Und das dritte Thema war der Name.


Welchen zeitlichen Horizont hat die Stiftung, die Jahr für Jahr das Geld gibt – und nicht wenig – aufgestellt?

Bayón: Der Horizont ist nicht fest bestimmt. Es ist ganz klar, Dieter Schwarz möchte sehen, dass wir erfolgreich unterwegs sind. Die Frage ist, woran wird der Erfolg gemessen? Sicherlich an den Studierendenzahlen, aber auch an der Vernetzung in die Region: Kommt das an, was wir tun, sowohl bei den Unternehmen wie in der sogenannten Academic Community. Das müssen wir belegen beispielsweise durch Imagebefragungen oder Beteiligungen an Rankings. Der Stifter muss das Gefühl haben, dass das Geld gut eingesetzt wird.


Mit wem messen Sie sich?

Bayón: Wir sind noch relativ jung am Markt, aber wir messen uns bundesweit und wollen bis in fünf Jahren zu den führenden und etablierten Spielern auf dem Markt der berufsbegleitenden, akademischen Weiterbildung von Führungskräften aufschließen. Dazu zählen die Mannheim Business School, die Technische Universität München oder die Handelshochschule Leipzig. An die wollen wir ran, auch in der Wahrnehmung unserer Kunden.


Was erhoffen Sie sich von dem neuen Bildungscampus, der bis 2011 entstehen wird?

Zupancic: Immer wenn man unterschiedliche Bildungsträger zusammenbringt, beflügelt das die Ambitionen. Und es gibt ganz klare Verbindungen, wenn man an die Außenstelle der Dualen Hochschule Mosbach denkt, die auf dem Campus Studiengänge anbietet, die die Leute qualifizieren, bei uns den Master machen zu können. Das sind potenzielle Kunden für uns und wir wollen ihnen mit unterschiedlichen Angeboten die Möglichkeiten anbieten, bei uns weiterzumachen.

Bayón: Wir freuen uns auch darauf, Ressourcen zusammenzufügen und beispielsweise eine gemeinsame, sehr gut ausgestattete Bibliothek aufzubauen.


Wie gelingt es Ihnen, die gut ausgebildeten Leute in der Region zu halten?

Zupancic: Am liebsten wäre es mir, wenn es uns gelänge, bei den Unternehmen das Bewusstsein zu stärken, dass sie ihre Führungskräfte zu uns schicken, weil wir in der Region sind und ein hohes Qualitätsniveau anbieten, das gut vereinbar ist mit dem Job. Und wir versuchen, mit den Unternehmen gezielt ins Gespräch zu kommen, wie man beispielsweise ein Studium an der GGS frühzeitig in die Karriereplanung einbauen kann. Wenn man High Potentials halten will, muss man ihnen solche Angebote machen, sonst gehen sie früher oder später.



Hintergrund: Business School

Künftig leiten Dirk Zupancic (Chief Executive Officer), Tomás Bayón (Dekan) und Peter Hochlehnert (Chief financial Officer) die Geschicke der GGS. Derzeit hat die private Hochschule rund 150 Studierende, 30 Mitarbeiter und acht Professoren. Mit neuen Studiengängen und zeitlich kürzeren Weiterbildungsangeboten will die Führungsspitze bis 2010 auf rund 250 Studierende kommen.

Weitere Infos im Internet: www.ggs.de