Kunden erobern Klosterhof-Kaufhaus am Kiliansplatz

Heilbronn - "Hier hat sich ein hässliches Entlein wirklich in einen stolzen Schwan verwandelt“, charakterisiert Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach das Klosterhof-Gebäude am Donnerstagabend bei der Eröffnungsfeier. Bereits am Morgen wurde das Kaufhaus von Heilbronns Erster Bürgermeisterin Margarete Krug, Horst Jütte und Werner Schödel vom Klosterhof-Projektentwickler ITG offiziell eröffnet.

Von Bärbel Kistner





Heilbronn - "Hier hat sich ein hässliches Entlein wirklich in einen stolzen Schwan verwandelt“, charakterisiert Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach das Klosterhof-Gebäude am Donnerstagabend bei der Eröffnungsfeier. „Helle, übersichtliche Verkaufsebenen und ein großzügiges, freundliches Entree“ gefallen dem Stadtoberhaupt – besser als die Außenwerbung an der Sandsteinfassade und der Mieterbesatz.

Die Zeremonie zum Verkaufsstart am Morgen zeigt es überdeutlich: Beim neuen Geschäftshaus am Kiliansplatz ist der einzige gemeinsame Nenner das Gebäude. Jeder der vier Filialisten macht seine eigene Eröffnung. Bei C&A fällt ein paar Minuten vor der vollen Stunde ein dünnes rotes Bändchen. New Yorker stellt die Lautsprecher an. Bei Müller agiert ein Clown am Glücksrad. Madison macht einfach so die Türen auf.

Der offizielle Part für den Betrieb des 50-Millionen-Projekts beginnt Punkt acht und ist ein paar Minuten später vorbei: Heilbronns Erste Bürgermeisterin Margarete Krug durchschneidet mit Horst Jütte und Werner Schödel vom Klosterhof-Projektentwickler ITG ein breites Schleifenband unter einem Pavillon auf dem Kiliansplatz, es gibt ein paar Worte und Jazzakkorde, das war’s.

Unterdessen sind die ersten Kunden unterwegs. In der ersten Stunde ist der Andrang spärlich, mehr Verkäufer als Käufer sind zu sehen. Doch gegen Mittag ist es überall proppenvoll. Gabriele Eggert gehört zu den ersten bei C & A, sie ist angetan vom Neubau: „Wir werden künftig eher hierher kommen als ins alte Haus.“ Auch Regine Lerch aus Leingarten hat auf dem Kiliansplatz „alles schön beisammen“, für sie als Stadtbahnfahrerin ist die Lage ideal.

„Das macht was her in der Stadt“, urteilt Sarah Fischer. Die 18-Jährige Kolping-Schülerin wird künftig den neuen Müller ansteuern, als „immer da runter“ in die Sülmerstraße zu laufen. Auch für den jungen Vater Marcello Palermo scheint es klar. Er wird eher hierher kommen als in die älteren Läden: „Das ist zentraler.“

Gute Erfahrungen

Der Tenor vieler Kunden am Eröffnungstag, in Zukunft eher in den neuen Geschäften einkaufen zu wollen, ist für die drei Filialisten mit Doppelstandort nicht maßgeblich. Sie erwarten, dass die Zweierstrategie funktioniert. „Wir haben in anderen Städten gute Erfahrungen gemacht“, sagt Matthias Christoffel, Bezirksleiter für den Südwesten bei C & A. „Wir sind sicher, dass hier andere Kunden kommen als an den alten Standort.“ Bis 2011 bleibe man verbindlich in der Kaiserstraße, danach sei es ein Rechenexempel, erklärt Distriktmanager Svend Lehnert. Auch Müller und New Yorker bekräftigen ihr Bekenntnis, in Heilbronn zwei Geschäfte halten zu wollen.

Verdreifacht durch den Umzug hat sich Modefilialist Madison, und für Inhaberin Ulrike Ulmer wird sich zeigen müssen, wie die Stadt das erweiterte Textilangebot verträgt. Den Klosterhof sieht sie in jedem Fall als eine Aufwertung für Heilbronn. Liegenschaftsamtsleiter Helmut Semenass ist froh, das Kapitel gut abgeschlossen zu haben. Mit dem viel gescholtenen Besatz ist er zufrieden: „Alle bringen Frequenz.“




Stadtgalerie feiert mit Geburtstagstorte

Stadtgalerie feiert mit Geburtstagstorte
Anne Klausmann (links) und Margarete Krug schneiden die Torte an.Foto: Veigel
„Durch die Eröffnung des Klosterhofs sind noch mehr Leute in die Stadt gekommen als sonst.“ Und viele pendeln vom Kaufhaus am Kiliansplatz zur Geburtstagsfeier in die Stadtgalerie, wie Einkaufstaschen und Luftballons zeigen. Centermanagerin Anne Klausmann sieht keinen Anlass, sich darüber zu ärgern, dass der Klosterhof-Komplex am ersten Geburtstag ihrer Stadtgalerie startet. In Summe wertet sie den Zuwachs in 200 Meter Entfernung positiv: „Wir werden uns gegenseitig befruchten.“

Über den Verlauf der 365 Stadtgalerie-Tage ist am Festtag nur Lob zu hören. „Heilbronn hat mit dem Center an Attraktivität gewonnen“, bilanziert Erste Bürgermeisterin Margarete Krug in ihrer Ansprache. Neue Arbeitsplätze und weitere Investitionen im Einzelhandel gehören zu ihrer Positiv-Liste. Die Aufgeregtheit sieht sie nach einem Jahr abgeklungen. Das Center sei Teil der Stadt und zentrales Instrument der Stadtentwicklung. „Das Areal ist ohne die Stadtgalerie überhaupt nicht mehr vorstellbar“, sagte Margarete Krug vor geladenen Gästen und Stadtgalerie-Kunden. Gemeinsam wurde eine Riesentorte angeschnitten. Der Erlös von 1200 Euro für ebenso viele Kuchenstücke geht an das Kinderhilfswerk Plan.


Klosterhof-Parkhaus: zentral und teuer

Damit Einkaufen bequem auf kurzen Wegen möglich ist, stehen den Besuchern 230 Pkw-Stellplätze auf zwei Parkdecks zur Verfügung. Auch für die Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs ist das Geschäftshaus gut erreichbar. Die Stadtbahn hält ebenso wie die Busse aus der Region unmittelbar an der Kaiserstraße, fast direkt vor dem neuen Geschäftshaus.

Problemlosparken
Die Einfahrt zum Parkhaus der Apcoa, das 230 Plätze bietet.Foto: Isabell Voigt
„Es dürfte alles geregelt ablaufen.“ Karl-Heinz Frenzel vom Amt für Straßenwesen erwartet kein Chaos zur Eröffnung des Klosterhof-Geschäftshauses. „Verkehrsmäßig sind wir gut gerüstet.“ Am heutigen Donnerstag geht auch die neue Parkgarage in Betrieb und damit auch die Anzeigetafeln auf der Allee für Parkplatzsuchende. Es dürfte dort öfter die Zahl Null aufleuchten. „Das Parkhaus könnte das am meisten frequentierte der Innenstadt werden“, schätzt Citymanager Jörg Plieschke. Größter Pluspunkt: der zentrale Standort.

Die Lage hat ihren Preis. Mit 1,30 Euro pro Stunde parkt man direkt am Klosterhof auch mit am teuersten. In den fünf anderen großen Parkhäusern liegt der Stundentarif zwischen 80 Cent und 1,20 Euro.

Neu geregelt wurde die Zufahrt zum Klosterhof mit einer Linksabbiegespur von der Allee. Ebenfalls links abbiegen kann man künftig bei der Ausfahrt von der Kilianstraße auf die Allee. Insgesamt fünf Ampeln regeln den Autoverkehr. Neu sind auch vier Fußgängerübergänge auf Allee und Kilianstraße. Als vierter und letzter ist am Samstag der Überweg bei der Klarastraße fertig.

Aufgrund der veränderten Gegebenheiten macht sich die Stadtinitiative dafür stark, den Fußgängerzonenstatus im Viertel teils wieder aufzuheben. Autofahrer sollen über die untere Kilianstraße und Klarastraße aus dem Quartier ausfahren und auch parken können, ähnlich der Lohtorstraße. „Das Umfeld ist nicht mehr das einer Fußgängerzone“, begründet der Citymanager den Plan. Für den Verkehr sieht Straßenexperte Frenzel keine Auswirkungen. Man müsse das vielmehr städtebaulich bewerten und entscheiden.

Startlöcher

Nach wie vor deutlich weniger ausgelastet als vor dem Umbau ist die frühere Deutschhof-Tiefgarage unter der Stadtgalerie. Karl-Heinz Frenzel vermutet, dass die Autofahrer verstärkt andere Heilbronner Parkhäuser nutzen: „Sie haben sich während der Bauzeit verteilt und sind dort geblieben.“ Der Weg vom Bollwerkparkhaus in die Innenstadt sei attraktiver als früher.

Bei der Stadtgalerie steht man in den Startlöchern für erweiterte Öffnungszeiten der Parkplätze von 8 bis 2 Uhr nachts. Die jetzige Schließung um 21 Uhr hatte für Unmut gesorgt. Zum ersten Geburtstag hat es nicht gereicht: „An uns hat das nicht gelegen“, sagt Centermanagerin Anne Klausmann. Die Stadt sei am Zug.