Geteilte Meinungen zum geplanten Wollhaus-Abriss

Heilbronn - Von "endlich" bis "schade" reichen die Reaktionen auf den geplanten Abriss des Wollhauses. Genauso unterschiedlich sind die Wünsche, was an der Stelle des Einkaufszentrums entstehen soll. Viele Ladenbetreiber im Wollhaus wurden von der Nachricht überrascht.

Von unserer Redakteurin Bärbel Kistner

Heilbronn - Die Reaktionen im Internet auf die Nachricht, dass das Wollhaus in Heilbronn abgerissen werden soll, sind ziemlich eindeutig: "Das einzige Vernünftige für dieses hässliche Gebäude", "Das sind sehr gute Nachrichten für Heilbronn", heißt es auf der Facebook-Seite der Heilbronner Stimme. Ganz oft ist zu lesen: "Endlich weg mit dem hässlichen Ding."

Die Mehrheit der Facebook-User scheint froh zu sein, dass das Einkaufszentrum in der Heilbronner Innenstadt, das 1975 eröffnet wurde, dem Erdboden gleichgemacht werden soll. Doch es gibt auch andere Reaktionen wie die von Thorsten Wegmann: "Ein Stück Kult von HN sagt da ade....."

Facebook-User Baran Aydin fragt: "Abreißen schön und gut, aber was passiert mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern?" Dieser Frage ist Stimme.tv nachgegangen und hat die Reaktionen der Ladenbetreiber eingefangen - und bei den Passanten in Heilbronn nachgefragt: Was wünschen sie sich anstelle des Wollhauses?

Spekulationen ein Ende bereitet

Mit der Nachricht zum geplanten Abriss hatte der Heilbronner Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach am Dienstagabend im Gemeinderat allen weiteren Spekulationen zur Zukunft des Wollhaus ein Ende bereitet: Das Gebäude soll abgerissen werden und einem Neubau weichen. Investor ist die Strabag Real Estate GmbH, die Immobiliensparte des Kölner Baukonzerns.

Bereits im April 2012 sei die Strabag an die Stadt Heilbronn herangetreten, um ihr Interesse an einer Neuentwicklung des Standorts zu bekunden, erklärte Himmelsbach am Ende der gestrigen Gemeinderatssitzung.

In enger Abstimmung mit der Stadt wolle die Strabag ein neues Handels- und Dienstleistungszentrum auf dem Wollhaus-Areal errichten. Dazu habe man im Oktober 2012 eine Entwicklungsvereinbarung geschlossen. Spätestens für Mitte 2018 sei die Eröffnung des Neubaus geplant. Zu der Größe gibt es noch keine näheren Angaben.

Kaufverträge

Die Strabag hat nach Angaben Himmelsbachs bereits erste Kaufverträge mit Gebäudeeigentümern abschließen können. Die Kaufhof-Fläche gehört einer dänischen Investorengruppen, die Ladenpassage dem Frankfurter Unternehmen Lisker, Lisker & Weiss. Dem Verkauf der städtischen Anteile am Turm und an der Passage hat der Wirtschaftsausschuss der Stadt bereits zugestimmt. „Die Strabag ist zuversichtlich, auch für die übrigen Miteigentumsanteile die Kaufverhandlungen zügig abschließen zu können“, erklärte der OB.

Strabag gilt in der Branche als erfahrener gewerblicher Entwickler. Das Unternehmen ist Investor bei vielen aktuellen Einkaufscenter-Projekten, etwa beim derzeit entstehenden Milaneo in Stuttgart oder beim 2012 eröffneten Mittelrhein-Forum in Koblenz. Diese und weitere Center hat die Strabag gemeinsam mit dem Hamburger Projektentwickler ECE realisiert. Ob Stadtgalerie-Betreiber ECE auch beim Wollhaus mit im Boot ist, wurde noch nicht bekanntgegeben.

Himmelsbach äußerte sich zuversichtlich, dass der Zeitplan der Strabag funktioniert: „Die Planung wird in enger Abstimmung mit der Stadt vorangetrieben.“ Die seit Jahren anhaltende Entwicklung des „innerstädtisch bedeutsamen Handels- und Dienstleistungsstandorts“ sei nicht nur aus städtebaulicher Sicht unbefriedigend. Eine impulsgebende Funktion für den Einzelhandel habe das Wollhaus nur noch eingeschränkt wahrnehmen können. Auf die Sanierung der Tiefgarage hat ein Abriss keine Auswirkungen.

 

Hintergrund: Strabag Real Estate

1965 gegründet, firmiert die Immobiliensparte der Strabag seit 2008 als Real Estate GmbH. Bisher wurden 450 Projekte mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro entwickelt, darunter 370 000 Quadratmeter Handelsflächen. kis