Kaufland reißt gelbe Villa an der Badstraße ab

Heilbronn - Die sogenannte gelbe Villa an der Heilbronner Badstraße wird abgerissen. Sie steht der Anlieferung zum benachbarten Kaufland-Areal im Wege. Die Bürgerbewegung Lokale Agenda 21 ist erschüttert. Sie hat sich vergeblich für den Erhalt des historischen Gebäudes stark gemacht.

Von Kilian Krauth


Heilbronn - Die alpenländisch anmutende gelbe Villa an der Heilbronner Badstraße wird abgerissen – weil sie der Anlieferung zum benachbarten Kaufland-Areal im Wege steht. Die Denkmalbehörde stufte das Haus nach einem Vororttermin nicht als schützenswert ein. Die letzte Mieterin, eine Künstlerin, ist bereits Ende 2009 ausgezogen.

Die Lokale Agenda 21 ist erschüttert. Eine als Abschreckung gemeinte Fotomontage auf einer Internet-Seite ist Wirklichkeit geworden. Unter dem Titel „Requiem für die Badstraße 64“ zeigt eine Fotomontage zwei Abrissbagger. Gleichzeitig enthält die Seite den Aufruf an „alle, die Geschichte lieben und achten“, dieses „Symbol für die Zeit der schönen Architektur des 19. Jahrhunderts zu erhalten“.

Das Haus war 1925 von Architekt Hermann Steus für Berta Angele gebaut wurde, deren Familie hier eine Wäscherei betrieb. Architekt und Agenda-Aktivist Claus Kohout spricht von einem neobarocken Stil, wie er im Allgäu und in Oberschwaben zu finden ist und lobt Stuck, Treppenhaus, Kamin, Holzvertäfelungen und andere handwerklich hochwertigen Details.

Denkmalschutzbehörde: Kein Kulturdenkmal

Im Rahmen einer allgemeinen Erfassung habe man bereits vor Jahren festgestellt, dass es sich „nicht um ein Kulturdenkmal nach baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz handelt“, erklärt Angelika Reif von der Denkmalschutzbehörde im Regierungspräsidium Stuttgart. Die Erkenntnisse des jüngsten Ortstermins „erlauben es nicht, diese Einschätzung aus fachlicher Sicht zu revidieren“. Das Haus sei „landesweit betrachtet nichts Besonderes, innen wurde zu viel verändert, auch der Architekt ist nur zweite Garnitur“, erläutert der Heilbronner Denkmalpfleger Joachim Hennze. Deshalb sah auch die städtische Baurechtsbehörde keinen Grund, den Abrissantrag abzulehnen.


Neue Gebäude

Man habe das Haus „im Rahmen der Arrondierung der gesamten Kaufland-Anlage zum Jahreswechsel gekauft“, erklärt Kaufland-Sprecherin Andrea Kübler. „Um einen störungsfreien Ablauf der Belieferung sowie der Entsorgung sicherzustellen“ sei es notwendig, das Gebäude abzubrechen. Es stehe unmittelbar vor der Warenanlieferung des Handelshofes sowie vor dem internationalen Bemusterungszentrum der Kaufland Dienstleistung GmbH & Co. KG. Diese hat in den zurückliegenden 18 Monaten die internationale Zentrale mit den Bereichen Einkauf, Vertrieb, Verwaltung und Immobilien an die Heilbronner Olgastraße verlegt. Dadurch seien über 200 Arbeitsplätze in Heilbronn zusammengeführt worden.

Im Zuge der Konzentrierung entstand ein fünfstöckiger Büroturm, ein Parkhaus sowie ein Bürogebäude. Auch das ehemalige Zeag-Domizil wurde gekauft – und komplett renoviert.