GGS-Präsident Dirk Zupancic wirft hin

Heilbronn  Der Präsident der German Graduate School auf dem Heilbronner Bildungscampus, Professor Dirk Zupancic, trennt sich von der Dieter-Schwarz-Stiftung. Grund sind "Differenzen über die strategische Ausrichtung" der GGS.

Von Iris Baars-Werner

German Graduate School
Das Gebäude der German Graduate School am Heilbronner Bildungscampus. Foto: GGS  

Die Dieter-Schwarz-Stiftung und Dirk Zupancic trennen sich, so die gemeinsame Erklärung am Nachmittag gegenüber der Heilbronner Stimme, „im gegenseitigen Einvernehmen mit sofortiger Wirkung“. Als Grund werden „Differenzen über die strategische Ausrichtung“ der German Graduate School of Management und Law (GGS) genannt. Die GGS wird seit zehn Jahren von der Stiftung finanziert. 

Der Grund für die Trennung: Nach Informationen der Stimme führen die Mannheim Business School (MBS) und die Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Universität Mannheim Gespräche mit der Dieter-Schwarz-Stiftung über den Aufbau eines Campus in Heilbronn.

In den Verhandlungen, die nach Auskunft der Beteiligten „ganz am Anfang stehen“, geht es darum, dass die Mannheimer Teil des Heilbronner Bildungscampus der Stiftung werden wollen. Für den Campus würde das bedeuten: Die dort bestehende GGS würde zwangsläufig in den nächsten Jahren in der Mannheim Business School aufgehen.

Zupancic war bisher "Galionsfigur" der GGS

GGS-Präsident Dirk Zupancic. Foto: Dennis Mugler
GGS-Präsident Dirk Zupancic. Foto: Dennis Mugler  

Ganz ohne Friktionen würde die Fusion der beiden Business Schools nicht über die Bühne gehen, darüber waren sich die Verhandler von Anfang an klar: Die GGS, 2006 als Heilbronn Business School gegründet, ist bisher selbstständig und wurde seit 2011 von Dirk Zupancic und Tomas Bayon geleitet.

Vor allem  Zupancic trat als GGS-Präsident in Stadt und Region auf  und wurde bisher als „Galionsfigur“ der GGS wahrgenommen. Ganz so, wie die Dieter-Schwarz-Stiftung als Finanzier der GGS den selbstbewussten Professor, der von der renommierten Universität St. Gallen kam, zu seinem Start ankündigte. Die GGS macht zudem  immer wieder mit Veranstaltungen auf dem Campus auf sich aufmerksam. Aktuell zählt die GGS in ihrem zehnten Jubiläumsjahr 300 Studierende.

Weltweites Spitzenniveau in Heilbronn

Die Mannheim Business School gehört in den weltweiten Rankings der 10.000 Business Schools in den meisten Kategorien zu den Top 50. Damit wäre es in Heilbronn „auf Dauer möglich, wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Lehre auf weltweitem Spitzenniveau“ anzubieten, heißt es auf Anfrage der Heilbronner Stimme in einer gemeinsamen Erklärung von MBS und Schwarz-Stiftung. Die Universität Mannheim könne zudem „eine international wettbewerbsfähige Doktorandenausbildung“ bieten.

 

Die German Graduate School

Bei der GGS, die auf dem Bildungscampus der Dieter-Schwarz-Stiftung an der Mannheimer Straße in Heilbronn ein eigenes Gebäude mit 2500 Quadratmetern Nutzfläche hat, sind aktuell 300 Studenten eingeschrieben, die GGS hat 67 Mitarbeiter. Seit der Gründung gab es 527 Absolventen. Ein zweijähriges MBA-Studium an der GGS kostet 29.500 Euro, als Zuschuss der Schwarz-Stiftung gibt es 11.800 Euro. Bei der Mannheim Business School sind 640 Studenten eingeschrieben, es gibt etwa 45 Mitarbeiter. Nach Auskunft der Pressestelle trägt sich die MBS aus dem operativen Geschäft selbst. iba

 


Kommentar unserer stellvertretenden Chefredakteurin Iris Baars-Werner

Für sich genommen, wäre es eine Nachricht, die Applaus verdiente: Kommt tatsächlich die traditionsreiche und angesehene Universität Mannheim mit ihrer erfolgreichen Mannheim Business School auf den Heilbronner Bildungscampus, wäre das ein gewaltiger Schritt nach vorn: für die künftigen Studenten und die Hochschulstadt. Dem Bildungscampus, der von der Dieter-Schwarz-Stiftung von Anfang an und auf Jahrzehnte hinaus formidabel ausgestattet wurde und wird, fehlte bisher das universitäre I-Tüpfelchen. Mit ihm hätte nicht nur dieser Studienstandort einen Wettbewerbsvorteil im Ringen um Studenten, sondern auch die Firmen der Region beim Werben um die Fach- und Führungskräfte.

Diesen Level der Hochschulhierarchie erstrebt die Stiftung schon lange. Das Promotionsrecht aber hätte die private GGS wohl nie erhalten. Schon zu viele staatliche (Fach-) Hochschulen wollen es haben. Für sie macht die Wissenschaftsministerin schon mal Zugeständnisse, aber ein allgemeines Promotionsrecht gewährt sie auch ihnen nicht. Insider verweisen zudem darauf, dass es der GGS Heilbronn (noch) an der breiten wissenschaftlichen Aufstellung fehlt.

Die drohenden Kollateralschäden waren den Unterhändlern klar, zu denen auch Ex-Wissenschaftsminister Peter Frankenberg als Stiftungsgesellschafter und früherer Rektor der Uni Mannheim gehört: Kommt die MBS, verdrängt sie die GGS. Das sorgt für Verunsicherung bei den derzeitigen Studenten und Mitarbeitern. Aber auch dies war klar: Kommt die Mannheimer Uni-Tochter MBS, geht mit der bisher selbstständigen GGS auch Dirk Zupancic.