Firma Heilbronn in Schieflage

Traditionsreicher Maschinenbauer ist überschuldet - 70 Beschäftigte

Von Manfred Stockburger

Firma Heilbronn in Schieflage
Heute baut die Heilbronn Maschinenbau GmbH Pressen, früher Dampfmaschinen - auch fahrbare Modelle wie diese, die das Unternehmen auf einer Landwirtschaftsausstellung noch vor dem Ersten Weltkrieg ausstellte.Foto: Firmenarchiv

Insolvenzantrag - Seit 150 Jahren trägt die Firma Heilbronn Maschinenbau GmbH & Co den Namen ihrer Heimatstadt stolz in alle Welt. Der Gang, den die Geschäftsführer gestern angetreten haben, war weniger weit, aber umso schwerer. Beim Heilbronner Amtsgericht müssen die Pressenbauer das Insolvenzverfahren beantragen. Der Grund: Überschuldung. Wer vorläufiger Insolvenzverwalter wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung wurden die knapp 70 Beschäftigten gestern früh über die Lage des Traditionsunternehmens informiert. Überrascht war die Belegschaft von dieser Nachricht aber nicht mehr, seit am Mittwochabend Zeichnungen aus dem Konstruktionsbüro in einen leeren Raum in der Produktion gebracht worden waren. Wie sich nach der Intervention der IG Metall herausstellte, waren diese Unterlagen vor einem Dreivierteljahr an einen Investor verkauft worden. Schon damals war das Unternehmen, das einst in der Bahnhofsvorstadt lag und 1981 ins Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe übersiedelte, knapp bei Kasse gewesen.

Verzicht „Die Belegschaft hat schon in den vergangenen zwei Jahren auf Urlaub verzichtet und länger gearbeitet“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Klaus Senghaas. Mehrere hundert Überstunden hätten die Leute auf ihren Zeitkonten angesammelt. Die Mai-Löhne stehen aus. Auch die Entlassung von 13 Kollegen im vergangenen Herbst hat die Belegschaft geschluckt - für sie wurde eine Beschäftigungsgesellschaft gegründet. „Es hat trotzdem alles nichts genützt“, sagt Klaus Senghaas. Dass seit dem Einstieg des Investors der Name und das Logo nicht mehr der Firma gehörten, ist für ihn „eine Sauerei“.

Nach Informationen der Heilbronner Stimme gibt es mehrere Interessenten, die unter bestimmten Bedingungen an einer Fortführung des Traditionsunternehmens interessiert sind. Zumal, wie Werner Schrott von der Neckarsulmer IG Metall berichtet, Arbeit und Aufträge durchaus vorhanden sind. Auch die Fusion zweier wichtiger Konkurrenten hat der Wettbewerbssituation der Heilbronner Firma durchaus nicht geschadet.

Die Geschäftsführung der Heilbronn Maschinenbau GmbH & Co bestätigte den angekündigten Gang zum Insolvenzgericht, wollte sich aber nicht zu den Vorgängen äußern.

Kommentar „Seltener Schatz“

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Heute ist das Olga ein Jugendzentrum. Bis in die 70er Jahre saß in diesem Gebäude die Firma Heilbronn.Foto: Dirks