Fast schon wieder im Alltag angekommen

Keine zwei Wochen nach dem Polizistenmord gehört die Fußstreife zum normalen Straßenbild

Von Andreas Gugau

Fast schon wieder im Alltag angekommen
Die Hand an der Waffe, das Funkgerät dabei bei der Fußstreife in der Heilbronner Innenstadt: „Man blickt sich schon öfter um als früher.“Foto: Andreas Veigel

Heilbronn - Noch immer sucht die Sonderkommission „Parkplatz“ fieberhaft nach Hinweisen auf die Unbekannten, die am 25. April eine 22-jährige Polizistin erschossen und ihren zwei Jahre älteren Kollegen lebensgefährlich verletzt haben. Eine heiße Spur gibt es auch nach diesem Wochenende nicht und so langsam kehrt auch in der Stadt wieder Alltag ein. Kaum ein Passant interessiert sich für die Fußstreife am Samstagnachmittag in der Heilbronner Fußgängerzone.

Ein Mädchen kräht die Polizisten an „die Polizei!“, eine Jugendliche winkt vom Spielgerät herunter, die beiden Beamten winken zurück. Heftiges Gekicher aus der Clique des Mädchens begleitet die Polizisten einige Meter weit. Fast sieht es so aus, als wäre nichts geschehen. Als wäre die schreckliche Tat, die noch keine zwei Wochen zurückliegt, schon wieder im Rauschen des Alltags untergegangen.

Hand an der Waffe Wer genau hinschaut, sieht, dass der 33-jährige Polizeiobermeister während des ganzen Streifengangs die rechte Hand nicht von der Waffe nimmt. Eine Waffe des Typs, wie sie seit dem Überfall auf die beiden jungen Bereitschaftspolizisten auf der Theresienwiese fehlen: Fabrikat Heckler & Koch, Modell P 2000. Sein Kollege hat das Funkgerät in der Hand. Der Empfang sei gut in der Innenstadt. Die Polizei wartet seit Jahren auf digitale Funktechnik.

Verdrängt haben die beiden Polizisten die Geschehnisse keineswegs. Der 25-jährige Polizeimeister, seit fünf Jahren im Dienst, schaut sich öfter um als früher. Beide tragen schusssichere Westen unter dem Hemd. Auf den ersten Blick nicht zu sehen, im Ernstfall sollen sie das Leben der Polizisten retten. Eine Stunde lang gehen die beiden die Fußgängerzone auf und ab, schauen in Geschäfte, an jeder Seitenstraße, an jeder Einfahrt wenden sie ihren Blick zur Seite, beobachten, was dort vor sich geht. Am Ende der Fußgängerzone gehen sie ins K 3, blicken sich dort um, und machen dann wieder kehrt.

Die übliche Kundschaft lässt sich heute nicht blicken: „Trinker und normale Bürger“. Die Trinker werden von der Polizei aufgesucht, erzählen die Beamten, die Bürger suchen die Polizei auf. Hauptsächliches Anliegen der „normalen Bürger“: Auskünfte. Fragen nach dem Weg, wo was zu finden ist. In der Sülmer City liegt der Geldautomat einer Bank halb herausgerissen auf dem Boden im Foyer. Ein Blick im Vorbeigehen: der Vorfall ist bekannt.

Wie die Stimmung im Revier ist? Dazu wollen die beiden gegenüber der Presse nichts sagen. Für sich selbst sprechen sie: An ihrem Beruf zweifeln sie nicht.