Fast lauter schöne Überraschungen

Villa Dittmar nach Verkauf saniert

Von Kilian Krauth

Fast lauter schöne Überraschungen
„TD“: Theodor Dittmar hat die Fassade zur Stadt hin prunkvoll ausstatten lassen. Die Sandsteinfassade wurde von Grund auf gereinigt.Fotos: Dittmar Dirks

Heilbronn - Wer ein altes Haus renoviert, erlebt mitunter böse Überraschungen. Manfred Rieger (47) und Joachim Remmlinger (54) haben die Villa Dittmar am Heilbronner Lerchenberg saniert - und erlebten fast lauter schöne Überraschungen. So kam etwa unter abgehängten Decken schmucker Stuck zum Vorschein.

Fast lauter schöne Überraschungen
Mosaikfußböden und Parkett waren teilweise unter Teppichen verborgen.
Im Hausflur tauchte unter mehreren Lagen Raufasertapeten sogar ein alle vier Wände umfassendes Gemälde auf. Es zeigt Szenen einer historischen Weltreise: vom Schwarzwald übers Meer bis ins alte Rom. Kleiner Wermutstropfen: Ein Kunstbanause hat das Werk eines unbekannten Meisters einst beim Verlegen von Stromleitungen zum Großteil zerstört. Dafür strahlt an der Decke des Wintergartens ein mit kleinen Wattebäuschchen frei gelegter Pfau mit der Sommersonne um die Wette.

Historisches Gebäude voller schöner Überraschungen
Vom Wohnturm können Manfred Rieger und Joachim Remmlinger (rechts) bis in die Innenstadt blicken. Nachts wollen sie das Turmzimmer blau ausleuchten.
Schnäppchen? Wer in die aus gewaltigen Sandsteinquadern gebauten Keller an der Dittmarstraße 16 eintaucht, wähnt sich in einem anderen Jahrhundert. Und wer über drei Stockwerke hinaus die Wendeltreppe zum Wohnturm bewältigt, den grüßt aus der Ferne das Kiliansmännle.

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Dieser stolze Pfau tauchte unverhofft im Wintergarten auf.
Bauherr und Messerfabrikant Theodor Dittmar liebte offensichtlich Details. Das zeigen nicht nur Mosaikfußböden, Holzschnitzereien, Wandpaneele oder die vielen gut erhaltenen Türbeschläge. Für seinen Feinsinn spricht auch die Zahl der Sandsteinstufen seiner Wendeltreppe. Es sind 81 - 1881 wurde das Haus gebaut. Das Baurechtsamt konnte dem separaten Treppenhaus sogar etwas pragmatisches abgewinnen. „Es dient uns nun als Feuertreppe“, gibt Rieger lächelnd zu verstehen.

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Hans Maute hat die Villa im Stil der Neorenaissance 1881 gebaut.
Die Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Remmlinger und Rieger haben die Villa Dittmar der Stadt für rund eine Million Euro abgekauft und für die Sanierung 300 000 Euro investiert. Ob es sich um ein Schnäppchen handelt? „Das wissen wir erst, wenn wir das Haus verkaufen würden“, sagt Remmlinger. „Aber das wollen wir ja nicht.“ Das Liegenschaftsamt hatte über ein Jahr lang vergeblich nach einem Käufer gesucht.

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Hinter Raufasertapeten versteckt waren die Szenen einer Weltreise.
Kreis schließt sich Zuletzt saßen die neuen Hausbesitzer an der Lerchenstraße und firmierten dort noch als „Frey und Partner“. Der Kreis schließt sich: Die Witwe des 1998 gestorbenen Theophil Frey, Renate Mottau (77), kennt das Gebäude noch von Familienfesten aus Kindertagen. Ihre Mutter war eine geborene Dittmar. Bauherr Theodor Dittmar betrieb einst ein erfolgreiches Messerschmiedewerk. Seine Familie war 1789 über Verbindungen zur Silberwaren-Dynastie Bruckmann von Berlin nach Heilbronn gekommen.

Beste Adresse Bei der Einweihung anno 1881 stand das Haus „praktisch im Grünen“, weiß Architekturhistoriker Dr. Joachim Hennze. Nach dem Fall der Stadtmauern zu Beginn des 19. Jahrhunderts plante Stadtbaumeister Louis de Millas 1849 vier neue Vorstadtquartiere, konkretisiert hat sie 1873 Reinhard Baumeister. Gleichzeitig siedelten sich vor allem am Lerchenberg reiche Kaufleute und Fabrikanten an. Etliche der prunkvollen Gründerzeit-Villen haben den Krieg heil überstanden und zeugen vom Glanz des alten Heilbronn.

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Wie neu: Die meisten Türbeschläge mussten nur abgestrahlt werden.
Wie die von Hans Maute im Stil der Neorenaissance erbaute Villa Dittmar in den Besitz der Stadt überging, weiß heute keiner mehr. Manche Nachbarn erinnern sich noch dunkel, dass hier nach dem Krieg die Polizei residierte. Quasi über eine Generation hinweg wurde das Gebäude bis 2005 von der städtischen Beratungsstelle für Familien und Erziehung genutzt.