Entschlossene Gewerkschafter

Heilbronn - Der Demonstrationszug des Deutschen Gewerkschaftsbundes gehört zum 1. Mai wie der Maibaum. In Heilbronn zogen 800 bis 1000 Menschen mit Fahnen und Transparenten um für gerechte Löhne und soziale Sicherheit zu demonstrieren.

Von unserem Redakteur Jürgen Paul

Entschlossene Gewerkschafter
Bei der Maidemo waren viele Kapitalismuskritiker unterwegs.Foto: Mario Berger

Heilbronn - Der Demonstrationszug des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gehört zum 1. Mai wie der Maibaum. Auch gestern zogen in Heilbronn 800 (Polizeiangaben) bis 1000 (Gewerkschaftsangaben) Menschen mit Fahnen und Transparenten vom Gewerkschaftshaus in der Gartenstraße über die Allee, um für gerechte Löhne und soziale Sicherheit zu demonstrieren.

Klartext

Besondere Brisanz erhielt der diesjährige Tag der Arbeit durch die laufenden schwierigen Tarifrunden in der Metall- und Elektroindustrie, im Kfz-Handwerk und bei der Deutschen Telekom. Der Unterländer IG-Metall-Sekretär Michael Unser sprach bei seiner Begrüßung Klartext: "Wir haben einen kräftigen Schluck aus der Pulle verdient", verteidigte er die Forderung seiner Gewerkschaft nach 6,5 Prozent mehr Lohn. Auch die beiden weiteren Kernforderungen nach unbefristeter Übernahme der Auszubildenden und nach mehr Mitbestimmung bei Leiharbeitern will die IG Metall ohne Abstriche durchsetzen − notfalls auch mit Streiks.

Gerechtigkeit

Festrednerin Dagmar Schorsch-Brandt, stellvertretende Verdi-Landeschefin, legte ihren Schwerpunkt auf das Thema soziale Gerechtigkeit. Sie stellte dem 16-Millionen-Euro-Gehalt von VW-Chef Martin Winterkorn die gekündigten Schlecker-Frauen gegenüber, um auf die ihrer Ansicht nach größer werdende Gerechtigkeitslücke im Land hinzuweisen.

Es sei "ein gesellschaftspolitischer Skandal ersten Ranges", so Schorsch-Brandt, dass zwei Drittel aller Auszubildenden nicht wüssten, ob sie von ihrem Betrieb übernommen werden. Trauriger Fakt sei mittlerweile auch, dass gute Bildung nicht vor schlechter Arbeit schütze. "Wir brauchen ein Verbot von Praktika nach abgeschlossener Ausbildung oder Studium", forderte die Gewerkschafterin.

Über die Landesregierung, Steuerforderungen und Eurokrise schlug Schorsch-Brandt den weiten Bogen zum Rechtsextremismus. "Die Rechten gehören weg, die NDP gehört verboten", sagte sie unter dem Beifall des Publikums vor dem Gewerkschaftshaus.

Bei der Mai-Kundgebung in Schwäbisch Hall forderte IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann laut Redemanuskript einen "europäischen Solidarpakt für Wachstum und Innovation", einen "Marshall-Plan für Europa". Dieser sei angesichts der Rekordarbeitslosigkeit von 25 Millionen Menschen seit Einführung des Euros in der Europäischen Union dringend notwendig.

Negativbeispiel

Auch in der Region, die insgesamt ohne große Arbeitsplatzstreichungen durch die Krise gekommen sei, gebe es durchaus Probleme. Hofmann nannte exemplarisch die Öhringer Firma Huber, bei der "40 Arbeitsplätze vernichtet werden sollen".