Ebbe in der Schleusenkammer

Heilbronn - Nicht nur die historische Schleuse am Heilbronner Wilhelmskanal muss gepflegt werden. Auch in Horkheim sind zurzeit Arbeiter zugange. „Die Schütze waren kaputt“, erklärt Manfred Gruber. Das sind die Löcher, durch die das Wasser abgelassen wird, wenn die Schleuse geleert wird.

Von Manfred Stockburger


Heilbronn -  Nicht nur die historische Schleuse am Heilbronner Wilhelmskanal muss gepflegt werden. Auch in Horkheim sind zurzeit Arbeiter zugange. „Die Schütze waren kaputt“, erklärt Manfred Gruber. Das sind die Löcher, durch die das Wasser abgelassen wird, wenn die Schleuse geleert wird. „Dadurch verliert die Kammer Wasser, und außerdem vibriert das ganze Tor“, sagt der Schichtleiter an der Horkheimer Schleuse. Im Heilbronner Bauhof des Stuttgarter Wasser- und Schifffahrtsamts werden die Schützer zurzeit überholt, während vor Ort Bauhofmitarbeiter verrostete Schrauben auswechseln.

Wasser darf während dieser Zeit nicht in der zwölf Meter hohen und 120 Meter langen Kammer sein. Deswegen kann man die 12.000.000 Liter fassende Betonbadewanne zurzeit in ihrer vollen Größe bewundern.

Verlängerung

Die Untertore, die in diesen Tagen repariert werden, bleiben auch dann drin, wenn die Schleusen wie geplant verlängert werden. Nur die Obertore werden neu gemacht, erklärt Gruber, der seit 1997 auf verschiedenen Schleusen arbeitet. Beim Wasser- und Schifffahrtsamt ist er aber schon seit 1974. Die ersten zweieinhalb Jahrzehnte seiner Dienstzeit war er als Taucher beschäftigt.
Schichtdienst Normalerweise ist Manfred Grube, der übrigens in Bad Friedrichshall wohnt, alleine, wenn er an der Schleuse Horkheim auf Schicht ist. Wegen der Bauarbeiten hat er Gesellschaft: Kleinere Reparaturarbeiten führen er und seinen Kollegen nämlich selbst aus. Mit leuchtend gelber Farbe werden unter anderem Poller und Einstiegshilfen markiert, damit die Neckarkapitäne sofort sehen, wo sie dran sind. Nachts ist die Schleuse übrigens nicht immer besetzt. Da kommen die Schleusenwärter nur raus, wenn Schiffe angemeldet sind.

Schleusen-Tüv

Walter Braun ist Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamt Stuttgart. „Die Schleuse ist gerade beim Tüv“, ist seine Erklärung für die Bauarbeiten. Allein die Personalkosten für die Routineüberprüfung schätzt er auf 75.000 Euro. Je nachdem, wie groß die festgestellten Schäden sind, wird die Horkheimer Kammer schon in zwei Wochen wieder in Betrieb gehen. „Wir haben keine größeren Schäden festgestellt“, sagt er. Muss aber ein Tor ersetzt werden, dann kann das schon mal ein halbes Jahr dauern. So lange müssen die Schiffe mit einer Kammer auskommen. „Stau wie auf der A5 gibt es aber nicht“, sagt er. Pro Tag werden in Horkheim 15 bis 20 Schiffe geschleust, erzählt Gruber. Per Telefon werden die Schiffe avisiert, damit die Kammern entsprechend vorbereitet werden können.

Opa und Enkel Jörn Baumbusch und sein fünf Jahre alter Enkel Daniel warten an der Schleuse vergeblich auf ein Schiff. Der Fünfjährige hat sich mit seinem Opa von Klingenberg her auf die Suche gemacht. Auf Baumbuschs Schreibtisch steht nämlich ein Foto aus den 1960er Jahren, auf dem er mit seinem Großvater am Neckar zu sehen ist.


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