„Die Polarisierung muss raus“

Die große Regional-Lösung ist noch weit weg - aber Gespräche laufen

Von Ralf Reichert

Wie geht es weiter mit den Kliniken im Landkreis Hall? Und: Welche Strategie verfolgt das Haller Diakonie-Krankenhaus? Während der Hohenlohekreis und die Heilbronner SLK-Kliniken an einem Strang ziehen und in einer Gesundheitsholding nach vorn marschieren, ist im Nachbarkreis noch vieles im Fluss. Keiner weiß, wohin die Reise geht.

Klar ist: Die Krankenhäuser in Crailsheim und Gaildorf müssen sich einer gründlichen Rosskur unterziehen und können ohne einen größeren Partner nicht überleben. Das Haller Diak ist zwar stark genug, streckt aber ebenfalls die Fühler nach potenziellen Partnern aus. Die Erkenntnis ist nicht neu: Ohne Kooperationen läuft in der regionalen Klinik-Landschaft nichts mehr. Fragt sich nur, wer mit wem was macht. Zurzeit laufen im Hintergrund viele Gespräche, doch ernsthaft verhandelt wird noch nicht. Nachdem in der Vergangenheit die Emotionen hoch geschlagen waren, bemüht man sich jetzt um Vertrauensbildung - und setzt gegenüber der Öffentlichkeit auf Stillschweigen. Eine große Regional-Lösung: Das spricht zwar keiner offen aus, doch sie liegt nach wie vor im Bereich des Möglichen.

Gesundheitsholding Dr. Susanne Schlichtner, designierte Geschäftsführerin der Gesundheitsholding, hält an einer abgestimmten regionalen Patientenversorgung fest. Das heißt: Sie möchte am liebsten alle Krankenhausträger in einem Boot haben. „Wir müssen aber jeder Strömung so viel Zeit geben, dass die Erkenntnis reift: Wir machen den großen Schulterschluss.“ Die Geschäftsführerin der SLK-Kliniken hat das Bild einer „großen Familie“ vor Augen, „in der jeder überlebt und jeder profitiert“. Sie setzt große Hoffnungen in Dieter Geitz, den neuen Geschäftsführer der Haller Kreiskliniken: „Er hat ein unwahrscheinliches Fachwissen und das nötige Rückgrat.“

Auch von Markus Bachmann, dem neuen Geschäftsführer des Diaks, hat Susanne Schlichtner einen guten Eindruck gewonnen: „Er geht die Dinge sachlich und zukunftsorientiert an.“ In Gesprächen mit beiden Trägern geht es vor allem darum, Vertrauen zu bilden. Schlichtner: „Die Polarisierung muss raus.“

Diak „Wir führen viele Gespräche, aber es sind noch keine Verhandlungen“, windet sich Diak-Direktor Stephan Zilker um eine klare Antwort. So viel lässt er aber erkennen: „Wir haben ein massives Interesse, eine Vor-Ort-Lösung in der Region zu finden. Wenn es möglich wäre, in inhaltliche Gespräche zu kommen, werden wir diese forcieren.“ Zilker bestätigt, mit den Trägern der regionalen Gesundheitsholding und den Haller Kreiskliniken gesprochen zu haben. „Es geht derzeit aber nicht um den Eintritt in die Holding, sondern um Kooperationen - nicht weil wir Angst hätten vor der Holding, sondern weil wir keine Holding wollen, die zu schwach ist.“

Auch mit kirchlichen Trägern wurde verhandelt. Mit dem Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim will man in der Pathologie kooperieren.

Landkreis Hall Sparen, sparen, sparen: Dieter Geitz, Geschäftsführer der Schwäbisch Haller Kreiskliniken, fährt einen knallharten Kurs. Bei der Kreistagssitzung in Gaildorf protestierten dieser Tage über 100 Beschäftigte, als er den Sanierungsplan vorstellte. Trotz aller Kürzungen, Kündigungen und Stellenstreichungen: „Weder Cailsheim noch Gaildorf können ohne starke Partner überleben.“ Doch wer wird dieser starke Partner sein? Das Diak? Die Holding? Gespräche laufen, mehr will Geitz nicht verraten. Noch steht der Kreistags-Beschluss vom 25. Juli, mit den Hohenloher Kliniken zu fusionieren (was längst nicht mehr zur Debatte steht) und Verhandlungen über den Beitritt in die Gesundheitsholding zu führen (was unter den neuen Voraussetzungen auch getan wird).