Demo gegen Castor-Transport

Region  Das Bündnis "Neckar castorfrei" macht gegen den geplanten Atommüll-Schiffstransport mobil. Heute Nachmittag ist eine Protestkundgebung in Heilbronn geplant. Am Nachmittag kann es wegen eines Demozuges zu Behinderungen und Verspätungen im öffentlichen Personennahverkehr kommen.

Von Carsten Friese

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Gegen die Pläne von Atomkraftwerkbetreiber EnBW, 15 Castoren mit hochradioaktivem Müll in mehreren Schiffstransporten von Obrigheim in das Zwischenlager Neckarwestheim zu bringen, will ein Bündnis "Neckar castorfrei" mobil machen. Zu einer Protestkundgebung haben die Veranstalter am Mittag auf dem Heilbronner Kiliansplatz aufgerufen.

Voraussichtlich zwischen 14.10 und 15.15 Uhr findet dann ein Demozug von der Kaiserstraße über die Bahnhofstraße und Weststraße zur Otto-Konz-Brücke statt. Der Stadtbahnverkehr soll nur wenig beeinträchtigt werden, trotzdem kann es in diesem Zeitraum zu Verspätungen kommen, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Heilbronn.

Je nach Lage und Standort des Demonstrationszuges wird die Polizei die entsprechenden Straßenzüge absperren. Die Bürger müssen im genannten Zeitraum mit erheblichen Behinderungen und Verspätungen der Buslinien 1, 10, 12 und 60 rechnen, da die Haltestellen „Rathaus“, „Neckarturm am Kurt-Schumacher-Platz“ und „Hauptbahnhof“, teilweise auch die Haltestelle „Karlsruher Straße“, nicht bedient werden können und eine weiträumige Umleitung der Buslinien nötig sein wird.

Organisatoren: Lagerung in Neckarwestheim keine Lösung

Bisher habe sich die EnBW um den Bau eines Standortzwischenlagers am abgeschalteten Kernkraftwerk Obrigheim "gedrückt", kritisieren die Organisatoren Herbert Würth, Jochen Stay und Franz Wagner. Sie sehen keinen Sinn in den nach ihrer Ansicht gefährlichen Schiffstransporten. Zudem sei der Steinbruch in Neckarwestheim mit seinen Hohlräumen "ganz gewiss keine Lösung für den Atommüll aus Obrigheim".

Nach Angaben des Bündnisses lagern in Obrigheim "342 hochradioaktive Brennelemente" im Nasslager, "unsicher außerhalb des Reaktorgebäudes" − obwohl sie längst gesichert in einer Castorenhalle stehen könnten. Mit Ansprachen und Aktionen sollen am Samstag die Pläne der Castortransporte beleuchtet werden. Zudem wollen die Veranstalter an den Atomunfall in Fuku-shima vor sechs Jahren erinnern.

EnBW: Transport auf dem Wasserweg unproblematischer als auf der Straße

Die EnBW verwies darauf, dass im Zuge des Rückbaus des Atomkraftwerks (KKW) in Obrigheim die Castoren nicht weiter dort verbleiben sollen. Das Gelände könne dann anderweitig genutzt werden. Der Transport auf dem Neckar sei unproblematischer als auf der Straße, hieß es. Ein Spezialunternehmen, das "unsinkbare" Schiffe einsetze, hat den Auftrag erhalten. Als Kosten für den Transport gab die EnBW einen zweistelligen Millionenbetrag an. In den vergangenen Tagen hatte der Energieversorger den Transport auf dem Wasserweg geprobt.

Im AKW Neckarwestheim, das 2022 vom Netz geht, passen die Castoren in vorhandene unterirdische Stollen. 

Weitere Infos

www.neckar-castorfrei.de