Buga-Seen in Heilbronn werden geflutet

Heilbronn  Wie gebannt blickt ein großer Tross aus Offiziellen, Buga-Mitarbeitern und Medienvertretern am Donnerstagmittag auf die beiden Heilbronner Buga-Seen. Sie werden jetzt geflutet. Wasser marsch! rief allen voran OB Harry Mergel.

Von Kilian Krauth

Genau 30 Liter in der Sekunde, gut 100 Kubikmeter in der Stunde und 2600 Kubikmeter pro Tag schießen durch ein 150 Millimeter starkes Rohr, das über 120 Meter vom Altneckar zum Karlssee – und später von dort weiter zum Floßhafen. Wohl Ende Juni sollen die beiden zwei und ein Hektar großen künstlichen Gewässer geflutet sein.

Mit der Befüllung der Seen bekommt das Gelände der Bundesgartenschau Heilbronn 2019 zwei markante Wasserflächen. 70 Jahre nachdem dort betriebene Hafenbecken zugeschüttet worden sind, erinnern jetzt der Karlssee (bisheriger Arbeitstitel Freizeitsee) und der Floßhafen (bisheriger Arbeitstitel Stadtsee) an die Geschichte des Areals als ehemals bedeutender Güterumschlagsplatz. 

Erholungsraum im Stadtquartier Neckarbogen

Die heutige Funktion der Wasserflächen ist allerdings eine andere: Mitten im späteren Stadtquartier Neckarbogen gelegen, sind sie wesentliches Element eines urbanen Erholungsraums, der mit dem Motor Bundesgartenschau Heilbronn 2019 entsteht. Darüber hinaus wird mit ihnen im Neckarbogen eine langfristig nachhaltige Entwicklung im Umgang mit Oberflächenwasser realisiert. Statt es über die Kanalisation in den Neckar abzuleiten, wird es in den Seen gesammelt und gereinigt.

Die Anlage zur Behandlung des Oberflächenwassers, ein sogenannter Retentionsbodenfilter, ist darüber hinaus auf ökologische Weise ins naturnah gestaltete Seeufer und damit in die Parklandschaft integriert. Zusätzliche Bauwerke oder Flächen werden nicht gebraucht.

Für Oberbürgermeister Harry Mergel ist die Befüllung der Seen „ein weiterer emotionaler Moment auf dem Weg zur BUGA, so wie die erste Baumpflanzung im Oktober 2015 oder der Spatenstich für die Stadtausstellung im vergangenen Jahr“, sagte er heute bei einem Baustellentermin vor der Presse. „Die Seen sind ein wichtiger Teil der nachhaltigen Entwicklung eines Erholungsraums im künftigen Stadtteil Neckarbogen, der nach der Bundesgartenschau 2019 allen Bürgern dauerhaft zur Verfügung stehen wird.“ 

Auch Bundesgartenschau-Geschäftsführer Hanspeter Faas ist von der Umsetzung überzeugt: „Es ist eine kluge Lösung, die das Thema Nachhaltigkeit kompetent und außergewöhnlich kombiniert.“ Alle Beteiligten hätten engagiert daran mitgewirkt. 

Befüllung dauert bis Mitte Juni

Etwa 35.000 Kubikmeter Neckarwasser werden zur Befüllung in den Karlssee gepumpt, der mit dem Floßhafen über eine unterirdische Leitung verbunden ist. Das wird voraussichtlich bis zur zweiten Junihälfte dauern. Für Wasserbeprobungen sowie Pflanzarbeiten in Unterwasser- und Uferzonen wird die Befüllung mehrmals unterbrochen. 

Um von Anfang an hohe Wasserqualität zu garantieren, läuft das Flusswasser über einen Filter, der Nährstoffe ausfällt. Während der Befüllung übernimmt das vorübergehend eine externe Einrichtung, nach der Befüllung der Retentionsbodenfilter. Er ist das Herzstück des gesamten Entwässerungs-systems im Neckarbogen. „Er ist eine Oberflächenwasser- und Seewasser-Reinigungsanlage, wie es sie in Deutschland bisher nur ein weiteres Mal gibt, am Berliner Halensee“, sagt Bürgermeister Wilfried Hajek. Der Retentionsbodenfilter ist als eigenes Becken in den Karlssee integriert und in mehreren Schichten unterschiedlicher Granulate aufgebaut. Seine Oberfläche wird mit Schilf bepflanzt. Einen großen Anteil an der Realisierung des Projekts tragen die Heilbronner Versorgungs GmbH mit den Entsorgungsbetrieben der Stadt Heilbronn, insbesondere Kurt Latzel, Leiter der Abteilung Abwasser.

Seen sollen beliebter Anziehungspunkt werden 

Eine Verbindung mit dem Neckar besteht lediglich bei der Erstbefüllung. Später bilden beide Seen samt der Wassertreppe zwischen Karlssee und Neckar einen eigenen Kreislauf, in dem das Wasser zirkuliert. Oberflächenwasser aus dem Quartier speist den See.

Der Karlssee und der Floßhafen sind in Größe und Lage an die ehemaligen Hafenbecken angepasst. Nach dem Bau des Neckarkanals waren sie überflüssig und wurden zugeschüttet. Hanspeter Faas: „Die Seen werden mit einem Wasser- und einem Strandspielplatz und Sitzgelegenheiten rundherum bei der Bundesgartenschau und danach ein beliebter Anziehungspunkt sein.“