Bürgerumfrage: Heilbronner leben gerne in ihrer Stadt

Heilbronn  Laut einer Bürgerumfrage leben 82 Prozent der Befragten gerne in Heilbronn. Zufrieden sind sie mit der Autobahnanbindung, unzufrieden mit der Parkplatzsituation.

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Nur sechs Prozent der Bürgerinnen und Bürger würden laut Umfrageergebnis lieber im Umland wohnen, teil die Stadt mit. „Dies ist ein eindrucksvoller Beweis für die Attraktivität Heilbronns als Wohn- und Arbeitsort“, sagte Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach bei der Vorstellung der Ergebnisse. Am Donnerstag, 23. Januar, wird sich der Gemeinderat mit dem Thema befassen.

Zum zweiten Mal nach 2006 hatte die kommunale Statistikstelle von Juni bis August 2013 eine Bürgerumfrage zum „Leben in Heilbronn“ gestartet. Von den über 3800 angeschriebenen Einwohnern im Alter von 16 Jahren und älter haben 2091 den umfangreichen Fragebogen beantwortet. „Dies entspricht einer Rücklaufquote von 54,7 Prozent, einem auch im interkommunalen Vergleich hohen Wert“, so der Leiter der Stabsstelle Strategie, Bernd Berggötz.

Die Umfrageergebnisse geben laut Berggötz Gemeinderat und Stadtverwaltung wertvolle Hinweise darüber, mit welchen kommunalen Angeboten die Bürgerinnen und Bürger zufrieden sind, aber auch darüber, wo nach ihrer Auffassung Defizite und Verbesserungsbedarfe bestehen: „Ein solches Meinungsbild lässt sich aus keinen amtlichen Statistiken gewinnen.“ Die Befragungsergebnisse sollen in die praktischen Verwaltungsarbeit einfließen.

Image im Wandel

In den Augen der Befragten ist Heilbronn vor allem wirtschaftskräftig, lebenswert, international, familien- und kinderfreundlich. Zurückgefallen im Vergleich zu 2006 sind Attribute wie traditionsverbunden und gemütlich.

„Das Befragungsergebnis deutet auf einen Imagewandel von der gemütlichen, kleinen Großstadt hin zum dynamischen Wirtschaftsstandort mit einem Herz für Familien und Kinder hin“, meint OB Himmelsbach. Damit prägten aktuelle Entwicklungen wie die Audi-Ansiedlung, der Zukunftspark, der Ausbau der Heilbronner Hochschulen, aber auch der Verzicht auf die Erhebung von Kindergartenbeiträgen das Bild der Stadt Heilbronn in der Öffentlichkeit. Unter 50 Prozent Zustimmung erhält, wie bereits bei der Befragung 2006, die Eigenschaft „modern“, ebenso die neu aufgenommenen Attribute „behindertenfreundlich“ und „sicher“.

Spitzenreiter Autobahnanschluss

Womit sind die Befragten in Heilbronn zufrieden und womit unzufrieden? Den mit 94 Prozent höchsten Zufriedenheitswert aus 42 Angeboten und Lebensbereichen erreichte die Autobahnanbindung. Aber auch die Abfallbeseitigung, das Angebot der Stadtbibliothek, die Sportangebote und die Schwimmbäder in der Stadt kommen bei über 80 Prozent der Befragten gut an. Weniger als ein Drittel der Befragten waren jedoch mit dem Bauplatzangebot, dem Zustand der Straßen und den Parkmöglichkeiten in der Innenstadt zufrieden.

Für die Bereiche „Eigenschaften“ und „Zufriedenheit“ liegen auch Vergleichsdaten aus Stuttgart vor: Während die Heilbronner die Kinderfreundlichkeit und Familienfreundlichkeit ihrer Stadt deutlich höher bewerten als die Stuttgarter, erhalten die Eigenschaften sicher, wirtschaftkräftig und modern bei den Befragten in der Landeshauptstadt mehr Zuspruch. Bei der Zufriedenheit bewerten die Heilbronner Kindergärten, Kindertagesstätten und das Wohnungsangebot deutlich besser als die Stuttgarter, während die Stuttgarter mit der öffentlichen Sicherheit und den Einkaufsmöglichkeiten in ihrer Stadt zufriedener sind.

experimenta und Krankenhausneubau

Wichtige Projekte der Stadtentwicklung haben einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung: Über 60 Prozent der Befragten hat in der Summe die Note „gut“ oder „sehr gut“ vergeben.  Bei den bereits fertig gestellten Projekten erhält die experimenta mit 94 Prozent die höchste Zustimmung, auf den Plätzen zwei und drei folgen der Bildungscampus der Dieter Schwarz Stiftung und das Haus der Stadtgeschichte. Bei den aktuellen Vorhaben liegt der Krankenhausneubau am Gesundbrunnen mit 88 Prozent an der Spitze.

Es folgen die Umgestaltung der Unteren Neckarstraße sowie die Erweiterung des Bildungscampus. „Dies belegt den hohen Stellenwert, den die Bereiche Bildung und Gesundheit in der Bevölkerung haben“, so Himmelsbach. Die breite allgemeine Zustimmung sei auch eine Bestätigung für das kommunalpolitische Handeln von Gemeinderat und Verwaltungsspitze.

Subjektives Sicherheitsgefühl

Erstmals sollten die Befragten angeben, wie sicher sie sich in ihrer Nachbarschaft, ihrem Stadtteil, in der Heilbronner Innenstadt, an Haltestellen, in Bussen und Bahnen sowie in Parks und Grünanlagen fühlen. In unmittelbarem Umfeld ihrer Wohnung, also in der Nachbarschaft, fühlt sich mit 85 Prozent ein sehr hoher Prozentsatz  der Heilbronner Bürgerschaft sicher. Etwa jeder Fünfte fühlt sich jedoch in Parks und Grünanlagen sowie an Haltestellen von Bus und Stadtbahn unsicher.

Die Auswertung nach Stadtteilen zeigt, dass die Klingenberger sich in ihrem Stadtteil am sichersten fühlen. Gleichzeitig haben sie auch am wenigsten Angst, Opfer einer Straftat zu werden. Am anderen Ende der Skala ist der Stadtteil Böckingen angesiedelt. Insgesamt zeigt das Befragungs-ergebnis, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Heilbronner Bürgerinnen und Bürger in einzelnen Bereichen nicht so gut ist, wie es nach Ansicht von Stabsstellenleiter Berggötz unter Berücksichtigung der Daten aus der Kriminalstatistik zu erwarten wäre – immerhin gehört Heilbronn seit vielen Jahren zu den sichersten Großstädten im Land. Auf die Meinungsbildung auswirken könnten sich in den nächsten Jahren gute Ansätze wie der 2012 geschaffene Kommunale Ordnungsdienst.

Stadtverwaltung

„Ein Ergebnis, mit dem ich sehr zufrieden bin“, kommentiert Oberbürgermeister Himmelsbach die Ergebnisse zum Ansehen der Stadtverwaltung bei den Heilbronner Bürgerinnen und Bürgern. Mehr als zwei Drittel der Befragten attestieren dem Rathaus die Eigenschaften „bürgerfreundlich“ und „zuverlässig“. Am Ende der Skala stehen die Eigenschaften „flexibel“ und „unbürokratisch“. Etwa ein Drittel der Befragten hält dies für die Stadtverwaltung zutreffend. Die Ergebnisse zum Ansehen und zu den Eigenschaften der Stadtverwaltung decken sich weitgehend mit denen der Bürgerumfrage 2006.

Kommunalpolitik und Bürgerbeteiligung

Etwas enttäuschend sind für OB Himmelsbach das Interesse an Kommunalpolitik und die Bereitschaft, sich für das Gemeinwesen zu engagieren: Nur knapp ein Drittel der Befragten ist an kommunalpolitischen Themen interessiert. Ein Viertel interessiert sich hierfür kaum oder gar nicht, knapp die Hälfte beschreibt sein Interesse mit „einigermaßen“.

Obwohl über die Hälfte der Befragten angibt, gut über aktuelle kommunale Projekte informiert zu werden und knapp die Hälfte der Befragten der Auffassung ist, dass die Kenntnisse der Bürgerinnen und Bürger die Planungen der Fachkräfte verbessern könnten, haben nur zwei Prozent bisher an Arbeitsgruppen zu Themen der Stadtentwicklung teilgenommen. Etwa ein Drittel kann sich vorstellen, dies zukünftig zu tun.

„Dieses Feld bearbeiten wir zurzeit intensiv gemeinsam mit der Bürgerschaft und dem Gemeinderat“, gibt sich OB Himmelsbach mit Blick auf die in 2013 erarbeiteten Leitlinien zur Bürgerbeteiligung, die der Gemeinderat im Januar beschließen soll, optimistisch. Er hofft, dass zukünftig die Befragungsergebnisse in diesem Punkt positiver ausfallen.


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