Bildungscampus Heilbronn: Nachspiel im Landtag

Heilbronn  Ein bayerischer Universitätsstandort mitten in Baden-Württemberg? Die Technische Universität München interessiert sich für Heilbronn. Das wundert die SPD-Fraktion. Jetzt soll darüber im Landtagsausschuss gesprochen werden.

Von Iris Baars-Werner

Die Technische Universität München interessiert sich für Heilbronn: Die TU kooperiert mit der Dieter-Schwarz-Stiftung und will sich auf dem Bildungscampus niederlassen. Foto: Archiv/Veigel

Die TU München (TUM) kooperiert mit der Dieter-Schwarz-Stiftung (DSS) und will sich auf dem Bildungscampus Heilbronn niederlassen. Heilbronn träumt seit der Bekanntgabe dieser Kooperation am 6. Juni 2017 davon, Uni-Stadt zu werden. Die Universität Mannheim, mit der die Stiftung zuvor über eine Kooperation mit der Mannheim Business School verhandelte, aber schaut in die Röhre.

Die Landtagsfraktion der SPD spricht bei diesem Vorgang von einem Novum – und fragte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) nach den möglichen Konsequenzen. Jetzt legte das Ministerium seine Antwort vor. Im September soll darüber im zuständigen Landtagsausschuss gesprochen werden.

Unglückliche Kooperation 

Gabi Rolland, die hochschulpolitische Sprecherin der Landtags-SPD, nennt es „unglücklich, dass eine derartige Kooperation nicht mit einer baden-württembergischen Universität zu Stand kommen konnte“. Allerdings hat auch Rolland Verständnis für die Freude in Heilbronn. Sie vermutet aber, dass dem Land dadurch „der Zugang zur Finanzierung von Stiftungsprofessuren sowie vermutlich weitere Gelder verloren gehen“.

Das Ministerium weist in seiner Antwort darauf hin, „dass der ganz überwiegende Teil der Stiftungsmittel ohnehin der Region Heilbronn zugutekomme“. Chancen und Risiken des Engagements der TUM ließen sich noch nicht abschätzen. Dazu fehlen die Details des erst zu schließenden Kooperationsvertrages zwischen der TUM und der DSS, an dem derzeit gearbeitet wird.

Die Vermutung in Stuttgarter Medien, dass die „kurze Leine des Hochschulministeriums“ dazu geführt habe, dass die Uni Mannheim die Verhandlungen nicht erfolgreich zu Ende führte, weist das Ministerium zurück.

Die Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen sei eine Selbstverständlichkeit, hieß es. Dazu hatte das Ministerium am 7. April 2017 den Mannheimer Verhandlungsführern „die zu beachtenden Rahmenbedingungen“ sowie „hochschulpolitische Erwägungen“ übermittelt. Die Vermutung, dass Baden-Württemberg in Zukunft womöglich für Folgekosten der Niederlassung der bayerischen Universität im Land aufkommen müsse, schließt das Ministerium aus.

Gespräche mit Mannheim 

Die zeitliche Abfolge der Verhandlungen und Informationen schildert das Ministerium so: Am 28. November 2016 fand ein Gespräch der Mannheim Business School und der Dieter-Schwarz-Stiftung mit dem Ministerium statt. „Dabei wurden erste Überlegungen vorgestellt.“ Der Rektor der Uni Mannheim legte am 21. Februar 2017 eine Absichtserklärung vor, am 31. März berichtete er über den neuesten Stand, in der Folge erhielt er die rechtlichen Informationen aus dem Ministerium. Ende Mai 2017 informierte die Schwarz-Stiftung das Ministerium von Theresia Bauer „über Verhandlungen mit weiteren potenziellen Hochschulpartnern, die bereits sehr weit fortgeschritten und entscheidungsreif seien“. Am 31. Mai fand ein Gespräch der Beteiligten im Ministerium statt. Am 6. Juni gab die Stiftung in einer Pressemitteilung die Kooperation mit der TU München bekannt.

Am 21. Oktober 2016 hatte die Heilbronner Stimme über die Gespräche zwischen der Unniversität Mannheim und der Schwarz-Stiftung berichtet. Dabei war es auch um eine personelle Konsequenz aus diesen Gesprächen gegangen: Dirk Zupancic, der Präsident der privaten GGS hatte diese verlassen, „im gegenseitigen Einvernehmen“ habe man sich getrennt, hieß es damals offiziell.
 

Was die TU München auf dem Bildungscampus plant

Die Technische Universität München (TUM) und ihre TUM School of Management wollen auf dem Bildungscampus Heilbronn eine eigene Lehr- und Forschungseinheit aufbauen. Laut Dieter-Schwarz-Stiftung sind Schwerpunkte das Management digitaler Technologien, Entrepreneurship und Familienunternehmen. Die Stiftung setzt darauf, dass damit ihr Campus international auf sich aufmerksam macht. Neben einem Doktorandenprogramm und weiterbildenden MBA-Programmen soll ein grundständiger Bachelor- und Masterstudiengang angeboten werden. Geplant ist, mit 200 Erstsemestern zu beginnen und die Studierendenzahl auf 1000 auszudehnen.

Die Unternehmen der Region und die Wissenschaftler sollen gemeinsam an industrieller Forschung und Entwicklung arbeiten. Die private, von der Schwarz-Stiftung finanzierte German Graduate School of Management and Law (GGS), die seit zehn Jahren in Heilbronn aktiv ist, soll ab 2021 im TUM Campus Heilbronn aufgehen. Um „die Errichtung einer eigenen Lehr- und Forschungseinheit auf international höchstem Niveau am Standort Heilbronn“ zu erreichen, wird die Stiftung 20 neue Professuren finanzieren, 13 davon in Heilbronn.  Für die Kooperation mit der TUM sprachen aus Sicht der Gesellschafter der Stiftung „die Alleinstellungsmerkmale der Einrichtung, ihr international exzellentes Renomée in Forschung und Lehre sowie nachgewiesene Erfolge im Hochschul-Management“.

Die TUM School of Management gehört zu den forschungsstärksten Wirtschaftsfakultäten im deutschsprachigen Raum. Im Handelsblatt-Ranking ist sie die nationale Nummer 1, im CHE-Ranking (Bachelor) erreicht sie Spitzenplatzierungen. Die TUM unterhält einen Auslandscampus in Singapur, aktuell mit 530 Studenten. Gelehrt wird nach deutschem Curriculum.


 

Lachender Dritter
Ein Kommentar von  Iris Baars-Werner

Iris Baars-Werner
Iris Baars-Werner. Foto: Mario Berger

Dass die Dieter-Schwarz-Stiftung ihren wachsenden Bildungscampus Heilbronn um ein universitäres Standbein vervollständigen will, hat stets auch die Gerüchte befeuert. Seit der Bestätigung, dass die Stiftung in Zukunft mit der TU München kooperieren wird, schießen sie ins Kraut. Einige der Mutmaßungen transportiert die SPD in ihrer Anfrage, etwa die von der „kurzen Leine“, mit der Ministerin Theresia Bauer die Ambitionen der Mannheimer zunichte gemacht haben könnte. (Partei-)politisch angegriffen wird die erfolgreiche Grüne seit längerem.

Klar ist, dass eine Landesregierung nicht einfach zustimmt, wenn eine Universität einen neuen Standort in einer anderen Stadt aufbaut. Aber ob sie das verhindern würde, zumal wenn dafür langfristig private Millionen fließen? Offensichtlich ist auch, dass sich in der Hochschullandschaft Universitäten, (Fach-)Hochschulen und private Einrichtungen misstrauisch beäugen – Neid über vermutete Bevorzugungen ist nicht selten. Um das Promotionsrecht wird gerungen.

Bauers Vorgänger als Hochschulminister, der CDU-Politiker Peter Frankenberg, hätte die Kooperation mit Mannheim anfangs gerne gesehen. Er war dort einst Rektor, ist im Uni-Förderverein aktiv. Als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Dieter-Schwarz-Stiftung aber macht er nun keinen Hehl daraus, dass die Kooperation mit München sogar die attraktivere Lösung für den Campus ist.

Dass Mannheims Uni-Rektor Ernst-Ludwig von Thadden nicht klug genug verhandelt, damit das Scheitern verursacht habe, weshalb er nun keine Chance auf eine Wiederwahl sehe, ergänzt nur die vielen Gerüchte. Die müssen hier nicht interessieren. Der gewiefte und sehr erfolgreiche Münchner TU-Präsident Wolfgang Herrmann sah die gegenseitigen Chancen und griff zu. Stadt und Region bekommen den Uni-Stützpunkt. Das zählt.

Ihre Meinung? iris.baars-werner@stimme.de