Beim Klosterhof sind sich alle einig

Der neue Kaufhaus-Komplex soll die Wurzeln der Stadt ins Gedächtnis rufen

Von Bärbel Kistner

Beim Klosterhof sind sich alle einig
Zweitplazierte im Wettbewerb: Lederer, Ragnarsdóttir und Oei.

Was beim Landerer-Areal unvorstellbar ist, gerät beim Klosterhof zur Selbstverständlichkeit. Egal, welcher politischen Fraktion man sich zurechnet, das Areal im Herzen der Stadt eint die Gemüter: keine endlosen Debatten, kein zähes Ringen um Kompromisse, keine Empörung der Bürgerschaft. Alle Heilbronner wollen den Klosterhof. In nichts erinnert das Ganze an die Bebauung der Brachfläche beim Deutschhof.

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Sieger-Entwurf von Mattes: Sandstein soll an das alte Heilbronn erinnern.
Die Sandstein-Hülle, die der neue Kaufhaus-Komplex erhalten soll, weckt im Heilbronner Gemeinderat so einmütige Begeisterung, dass niemand die im Wettbewerb unterlegenen anderen drei Entwürfe sehen will - wir zeigen sie hier erstmals im Bild.

Beim Klosterhof sind sich alle einig
Mit dem Entwurf für den Klosterhof möchte das Heilbronner Architekturbüro Mattes und Partner dem verwundeten Heilbronn ein Stück Seele zurückgeben.
Anders das Landerer. Am Plan für die ECE-Stadtgalerie scheiden sich die Geister, alle Entwürfe wurden heftig diskutiert. Beim Klosterhof nimmt das Heilbronner Architekturbüro Mattes und Partner bewusst Bezug zu historischen Gebäuden. „Aus dem Ort heraus denken, auf die verwundete Seele der Stadt reagieren“, beschreibt Franz-Josef Mattes Gedanken, die die Baumeister geleitet haben. Insofern sieht Mattes auch einen Heimvorteil für sein ortsansässiges Büro: „Man hört, lebt und spürt, wo die Wurzeln Heilbronns sind.“

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Konnte sich nicht durchsetzen: Das Büro Schulz & Schulz aus Leipzig.
Ein Gebäude, mit dem sich die Heilbronner gerne identifizieren werden“, charakterisiert Stadträtin Helga Drauz-Oertel (CDU) den Bau. Mit Argusaugen will das Gremium darüber wachen, dass der Mattes-Entwurf genauso und nicht anders vom Investor ITG umgesetzt wird. Dafür muss der städtebauliche Vertrag mit der Stadt Heilbronn sorgen. Er soll noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden. Auf Frühjahr 2007 terminiert die Verwaltung den Baubeginn, Eröffnung soll Anfang 2009 sein.

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Unterlegener Entwurf vom Stuttgarter Büro Auer + Weber + Assoziierte.
Der Vertrag birgt einige Brisanz, denn auch die Qualität des Einzelhandelsbesatzes soll gesichert werden. Der Einfluss der Stadt begrenzt sich hier auf Wünsche und Empfehlungen: „Bei den Branchen haben wir keine Möglichkeit, etwas vorzuschreiben, das ist unrealistisch“, sagt Erste Bürgermeisterin Margret Mergen.

Bislang wenig thematisiert ist die Durststrecke für Klosterhof-Anrainer in der Bauzeit, verschärft durch die Schließung vom Modehaus Krauß. Ratsfrau Sibylle Mösse-Hagen (SPD) beantragt, dass man zumindest mit der Teilsanierung des Kiliansplatzes nicht wartet, bis die Baustelle weg ist.