Behelfsbrücke am Heilbronner Saarlandkreisel ist errichtet

Heilbronn - Auf der Großbaustelle wurde nach über acht Stunden Bauzeit eine Behelfsbrücke installiert. Ende Juni soll sie für den Verkehr geöffnet werden. Das Bauwerk ist angemietet und kostet 150.000 Euro. Die Kosten für die Erneuerung des Saarlandkreisels betragen insgesamt 8,9 Millionen Euro.

Von Werner Tewes




Heilbronn - Blickkontakt ist wichtig. Sehr wichtig. Christiane Hirsch wandert mit ihren Augen zu den Bauarbeitern, die gut sechs Meter über dem Grund am Abhang stehen. Dann schaut die Frau in der Signalweste hinunter zum Kranfahrer. Ein Nicken. Es ist soweit: Sanft schwebt der Stahlkoloss ein. 30 Meter lang ist der Brückenträger, 19 Tonnen schwer. Langsam rastet er ein. Die Arbeiter an den Hängen ziehen die Schrauben an, verbolzen alles miteinander. Es sitzt. „Konzentration ist das A und O“, sagt Hirsch. „Wir verrichten hier Millimeterarbeit.“ Hier, das ist der Saarlandkreisel in Heilbronn, Dienstag- auf Mittwochnacht. Und Christiane Hirsch, das ist die Bauleiterin, die für die Errichtung der Behelfsbrücke verantwortlich zeichnet.

Bedeutend

Eine wichtige Aufgabe, bei der alles stimmig sein muss. Schließlich handelt es sich um ein bedeutendes Projekt. Die Behelfsbrücke markiert den Start der umfangreichsten Straßenbauarbeiten in Heilbronn in den nächsten Jahren: denen an der Saarlandstraße. Bevor die Trasse im weiteren Verlauf der Straße tiefer gelegt wird und die Verbindung nach Leingarten entsteht, ist der Kreisel an der Reihe: Die rund 50 Jahre alten Brücken sollen eingerissen und durch neue ersetzt werden. Je eine Fahrspur soll auf beiden Seiten hinzukommen.

Damit die gut 40.000 Fahrzeuge, die pro Tag den Knotenpunkt passieren, während der Bauphase nicht allzu oft im Stau stehen, installieren Hirsch und ihr Team die Behelfsbrücke. Dank ihr wird der Verkehr weiterhin vierspurig durch den Saarlandkreisel rollen können.

Entlastung

Helfen soll die Behelfsbrücke, Entlastung soll sie bringen. Die Bauarbeiten an diesem Abend scheinen einige Autofahrer ein wenig zu irritieren. Immer wieder fahren Fahrzeuge falsch in den Kreisel. Ob der 30 Meter hohe Kran, der die Brückenteile hochzieht, sie verwirrt? Oder die grellen Flutlichter, die in den dunklen Nachthimmel scheinen und die Blickkontakte zwischen Bauleiterin Hirsch und ihrem Team erst ermöglichen?

Natürlich: Trotz später Stunde hat sich auch eine Handvoll Schaulustiger auf den Gehwegen rund um die Baustelle versammelt. Blitzlichtgewitter, während inzwischen auch der zweite Brückenträger befestigt ist. Die Platten sind an der Reihe. Stück für Stück zurren, schrauben und bolzen die Bauarbeiter die Fahrbahnteile aus Stahl fest.

Herausforderung

Sie haben sich die Nacht ausgesucht, um in Ruhe arbeiten zu können, um den Verkehr möglichst nicht zu beeinträchtigen. Ganz wird sich das ohnehin nicht verhindern lassen. An diesem Abend nicht, an dem die Neckartalstraße gesperrt ist, und auch nicht während der Folgearbeiten. Vieles wird ohne Vollsperrung bewältigt werden müssen. Als „Herausforderung“ bezeichnet Hirsch als Bauleiterin des Bauunternehmens Leonhard Weiss deshalb das Projekt. Dasselbe Wort benutzt auch Thomas Bender, Abteilungsleiter des Heilbronner Amts für Straßenwesen. In dieser Nacht freilich verläuft alles glatt. Keine Probleme. Null Komplikationen.

Nach über acht Stunden Bauzeit steht die Brücke. Ende Juni soll sie für den Verkehr geöffnet werden. Konzentriert bleiben müssen Hirsch und ihr Team aber weiterhin. Denn die Behelfsbrücke, sie bildet nur den Auftakt der Bauarbeiten.

Erster Bauabschnitt: Saarlandstraße

Die Behelfsbrücke bleibt stehen, bis beide Brücken am Saarlandkreisel erneuert sind. Die Miete für die Brücke beläuft sich auf 150.000 Euro. Die Kosten für die Erneuerung des Saarlandkreisels betragen insgesamt 8,9 Millionen Euro. In den nächsten Jahren soll die Saarlandstraße zudem ausgebaut und tiefer gelegt werden, hinzu kommt eine Verbindungstrasse zur B293.

Zweiter Bauabschnitt: Ausbau der Alt-Trasse

Der zweite Bauabschnitt sieht für etwa 20,2 Millionen Euro die Tieferlegung der bereits bestehenden Saarlandstraße zwischen der Kreuzung Römerstraße/Neckargartacher Straße und der Kreuzung Heidelberger Straße / Saarbrückener Straße vor. Zur Zeit läuft hier ein Bebauungsplanverfahren. Den Baubeginn des 1500 Meter langen Abschnitts plant das Amt für Straßenwesen nach dem Inkrafttreten des Bebauungsplans im Frühjahr 2010, Mitte 2012 kann der Verkehr dann rollen.

Dritter Bauabschnitt: Weiterführung bis B293

Der dritte Bauabschnitt stellt für 16,5 Millionen Euro die komplett neue Verbindung zwischen der Kreuzung Heidelberger Straße/Saarbrückener Straße und der B293 bereits auf Leingartener Gemarkung her.

Der Bebauungsplan für den zweiten Abschnitt umfasst auch den dritten Abschnitt auf städtischem Gebiet, so dass auch für diesen Bereich im Frühjahr 2010 Planungsrecht geschaffen ist. Für den Abschnitt auf Leingartener Gemarkung erstellt parallel die Nachbargemeinde einen Bebauungsplan.

Momentan läuft der Grunderwerb für die quer durch die Felder verlaufende 2,9 Kilometer lange Trasse. Baubeginn soll hier zum Jahreswechsel 2010/2011 sein, Verkehrsfreigabe Ende 2012. Damit ist dann die Gesamtstrecke befahrbar, zumal Ende 2012 auch die an die Saarlandstraße anschließende Südostumfahrung Leingarten fertiggestellt sein soll. Parallel dazu werden die erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Landschaft realisiert.

Steigende Zahlen, sinkende Zahlen

Die Bündelung des Verkehrs aus Richtung Südwesten auf der neuen Saarlandstraße entlastet mit insgesamt 15.000 Fahrzeuge pro Tag die Ortsdurchfahrten einiger Stadtteile deutlich:

  • Am stärksten profitiert der Stadtteil Klingenberg, hier wird erwartet, dass sich in der Theodor-Heuss-Straße die Anzahl der heute täglich rund 17.000 durchfahrenden Autos halbieren wird.

  • In Frankenbach wird die Anzahl der Fahrzeuge in der Ortsdurchfahrt von derzeit zirka 18.000 auf unter 16.000 pro Tag zurückgehen. Eine klare Verbesserung wird es für die Anwohner der Leintalstraße geben: Nachdem die Kreisstraße zwischen Leingarten und Frankenbach zu einem asphaltierten Feldweg zurückgebaut ist, werden hier statt bis zu 12.000 nur noch maximal 2.000 Fahrzeuge pro Tag verkehren.

  • Ruhiger wird es auch auf der Großgartacher Straße im Stadtteil Böckingen, hier werden nach dem Ausbau der Saarlandstraße nur noch gut 16.000 Fahrzeuge statt aktuell rund 20.000 Fahrzeuge pro Tag gezählt werden.

  • Auf der Saarlandstraße werden langfristig bis zu 28.700 Fahrzeuge täglich unterwegs sein, derzeit sind es auf der Alt-Trasse 18.000 Kraftfahrzeuge pro Tag. Die Tieferlegung dieser Trasse und erstmalige umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen werden für die meisten Anwohner auch hier die Situation trotz des höheren Verkehrsaufkommens im Vergleich zu heute deutlich verbessern.



Anschluss an die Peter-Bruckmann-Brücke

Östlich schließt die Peter-Bruckmann-Brücke an die Saarlandstraße an, die in den nächsten Jahren ebenfalls saniert wird. Für zunächst ein ergänzendes Parallelbauwerk hat im vergangenen Herbst ein Ingenieurwettbewerb stattgefunden. Für die Siegerentwürfe werden derzeit die Kosten berechnet, der Gemeinderat soll im Sommer darüber entscheiden, welcher Entwurf verwirklicht wird. Das Amt für Straßenwesen strebt an, die neue Peter-Bruckmann-Brücke baldmöglichst mit Verkehrsfreigabe der Saarlandstraße Ende 2012 ebenfalls eröffnen zu können.
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