Auszeichnung für rollenden Design-Tempel

Heilbronn - 400.000 Euro hat sich die Stadt Heilbronn die rollende Bibliothek (Robi) kosten lassen. Jetzt wurde der Nachfolger des Bücherbus’ in Italien mit dem A’Design-Award für bemerkenswerte Inneneinrichtung ausgezeichnet.

Von unserem Redakteur Andreas Gugau

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Heilbronn - Endlose Regalreihen in Büchereien haben eine gewisse Anziehungskraft, mit ihrer Ordnung und Ruhe, die sie ausstrahlen, Tempel des Wissens, man traut sich kaum, laut zu atmen. Was aber, wenn nur zwölf Meter Platz sind? Dieser Frage hat sich die Stuttgarter Designerin Claudia Miller vom Büro Linie Zweii angenommen und bekannte Muster aufgebrochen. Heraus kam eine einzigartige Innenarchitektur für Heilbronns rollende Bibliothek, Nachfolger des Bücherbus’ und kurz Robi genannt. Preiswürde sei das, befand die Jury des im italienischen Como vergebenen A’Design-Awards in Silber in der Kategorie Innenarchitektur.

400.000 Euro hat die Stadt in die rollende Bibliothek investiert, für eine Lastwagen-Chassis, für den Aufbau, im Mai 2011 rollte die Bibliothek erstmals los. Bis dahin waren bereits zwei Jahre der Vorbereitung vergangen, war die Idee, einen rollenden Design-Tempel zu schaffen, geboren, gehegt und gepflegt und am Ende umgesetzt worden. Und das überaus erfolgreich, wie sich jetzt gezeigt hat.

Claudia Miller hatte Linien im Kopf, als sie das Interieur entwarf, ihren Designentwurf einreichte. Einer von gerade mal zwei Wettbewerbsbeiträgen. Es ist nicht üblich, dass Innenarchitekten das Design von Fahrzeugen entwerfen, meist machen das die Fahrzeugbauer, erklärt Miller.

Markante Linienführung

Lebenslinien und Musiklinien zählt die Designerin auf, solche, die als Buslinien Zeittakte schaffen und Linien, die Gegenwart und Zukunft miteinander verbinden. Konsequent sind diese Linien in die Regalwelt der Robi übertragen, steigen auf und fallen ab, schaffen Spannung und gleichermaßen Freiheit, eine Dynamik in der Vertikalen. Die Fenster nehmen diese Linienführung auf, das rote Sofa ebenfalls.

Die Jury sieht in den unregelmäßigen Regalen das Geheimnis einer Geschichte – wie passend für eine Bibliothek. Und die hat inzwischen auch außerhalb von Heilbronn Fans. Bei einer Tagung in Hamburg bestaunten 700 Gäste den rollenden Bücher-Tempel, der ständig mehr als 4000 Bücher, CDs und Zeitschriften an Bord hat und der viel mehr Kundschaft anlockt als der alte, konventionelle Bücherbus.

Reparaturen

Und das schadet den Regalen nicht auf Dauer. Denn die Innenausrichtung ist aus einem Mineralwerkstoff, einer Mischung aus Quarz und Kunststoff, und lässt sich später jederzeit reparieren – ohne dass man die Ansätze sieht. Auch Kratzer lassen sich durch Polieren entfernen, erklärt die Designerin.

Info

Bis 8. September sind noch Ferien. Alle Haltestellen gibt es online unter http://is.gd/robihn