Attackierter Polizist: "In so brutaler Weise habe ich das noch nie erlebt"

Heilbronn - Er kann das Geschehene nicht begreifen. Einer auf dem Boden liegenden Frau wollte ein 39-jähriger Polizist auf dem Parkplatz des Weipertzentrums helfen. Am Ende landete er selbst im Krankenhaus. Nach Faustschlägen und Tritten eines 20-jährigen Türken, der aus heiterem Himmel auf ihn losgegangen sein soll.

Von Carsten Friese

Heilbronn - Er kann das Geschehene nicht begreifen. Einer auf dem Boden liegenden Frau wollte ein 39-jähriger Polizist auf dem Parkplatz des Weipertzentrums helfen. Am Ende landete er selbst wie berichtet im Krankenhaus. Nach Faustschlägen und Tritten eines 20-jährigen Türken, der aus heiterem Himmel auf ihn losgegangen sein soll.

„Soweit geht es mir wieder gut“, sagt der Polizeihundeführer aus dem nördlichen Landkreis im Gespräch mit der Stimme. Kopfschmerzen hat er noch, der Ellenbogen tut weiter weh. Mit drei Beulen am Kopf, Schwindelgefühlen, Schürfwunden und Schädelprellungen kam er ins Krankenhaus. Nach einer Attacke bei einem Hilfseinsatz für einen anderen Menschen in Not. „In so brutaler Weise habe ich das noch nicht erlebt“, sagt der Beamte nach 21 Jahren Dienst.

Auf Nachtstreife war er mit einem Kollegen unterwegs. Die junge Frau lag auf dem Steinboden des Weipert-Parkplatzes, reagierte nicht auf Fragen und hatte sich erbrochen. Die Polizisten leisteten Erste Hilfe und alarmierten einen Rettungswagen.

Als ein 20-Jähriger sich immer wieder über die Frau lustig machte und sie nach Angaben der Streifenbeamten an Busen und Po begrapschte, schoben die Polizisten den Mann energisch weg.

Über Details des weiteren Geschehens darf der Beamte mit Blick auf das laufende Verfahren nichts sagen. Dem 20-Jährigen wird vorgeworfen, urplötzlich auf den Beamten losgerannt zu sein und ihm einen Faustschlag an die Schläfe versetzt zu haben. Als die zwei Polizisten den Täter festnehmen wollten, sollen andere aus einer etwa sechsköpfigen Gruppe den zweiten Beamten mit Gewalt zurückgezogen haben. Weitere Schläge des Tatverdächtigen prasselten auf den 39-jährigen Polizisten ein. Er fiel zu Boden und spürte Tritte gegen Kopf, Körper, Arme. „Es ging alles so schnell. Dass die Situation so eskaliert, damit rechneten wir nicht.“ Zum Einsatz von Pfefferspray seien sie gar nicht gekommen. Schusswaffe ziehen? „Da waren überall Betonwände. Da können durch Querschläger Unbeteiligte verletzt werden“ – auch bei einem Warnschuss in die Luft.

Mulmiges Gefühl

Security-Personal überwältigte schließlich den flüchtenden 20-Jährigen. Als alles zu Ende war, hatte der verletzte Beamte ein mulmiges Gefühl. „Da hätte auch noch mehr passieren können“, ging ihm durch den Kopf. Seine erste Konsequenz: Nachts wird er bei Einsätzen jetzt öfter seinen Dienst-Schäferhund zur Sicherheit gleich mit aus dem Wagen nehmen.
Der Beschuldigte sitzt in Haft. Er ist arbeitslos und mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung. Auch gegen die jungen Männer, die den zweiten Polizisten weggezogen haben sollen, wird ermittelt. Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung.

Bis Freitag ist der Beamte dienstunfähig geschrieben. Seine Frau und seine zwei kleinen Kinder waren jedenfalls froh, „dass der Papa einigermaßen gesund nach Hause gekommen ist“.

 
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