An Ostern sollen Ufos kommen (18.03.08)

Die große Mehrheit der Meldungen, die zurzeit bei Ufo-Forschern eingehen, beschäftigen sich mit Partyballons. Auch in der Region fallen diese Himmelkörper immer öfter auf. Roland Gehardt klärt auf

Von Adrian Hoffmann

Region Heilbronn - Roland Gehardt aus Heilbronn würde ja selbst gerne einmal mit Außerirdischen zusammentreffen. Aber die merkwürdigen, grellrot leuchtenden Lichtkörper, die viele Leute bei dem Spezialisten für Ufo-Phänomene melden, erweisen sich immer wieder nur als harmlose Mini-Heißluftballons. Ein Trendprodukt, dass auf Partys gut ankommt – und Menschen, denen es unbekannt ist, gehörig erschrecken kann. „Manchen hört man das Zittern in der Stimme an“, sagt Gehardt, 48. Er ist beim Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene aktiv, CENAP.

Zweifel am Verstand Die große Mehrheit der Meldungen, die zurzeit bei dem Ufo-Forscher eingehen, beschäftigen sich mit eben diesen Partyballons, auch bekannt als asiatische Himmelslaternen oder Skylaternen. Allein in diesem Jahr haben sich im deutschsprachigen Raum Gehardts Angaben zufolge rund 130 Menschen wegen der schwebenden Lichtkörper bei ihm und seinen Kollegen aus Mannheim gemeldet. Immer mehr kämen auch aus der Region. „Das ist die erste Ufo-Sichtungswelle seit 1947, die wir in Deutschland erleben“, sagt Roland Gehardt. Für ihn ist es zwar ein wenig lästig, wenn die Leute an Wochenenden gelegentlich um zwei Uhr nachts anrufen, aber er hat dafür Verständnis. „Wer das nicht kennt und zum ersten Mal sieht, der zweifelt an seinem Verstand.“

Anfang Januar erging es Ingeborg Thurner-Dierolf aus Eberstadt so ähnlich. Als sie freitagabends gegen 22 Uhr aus dem Fenster blickte, sah sie am Himmel rund 20 Flugobjekte schweben, die gelb-orange leuchteten. In gleichbleibender Geschwindigkeit seien sie in Richtung Öhringen gezogen. „Hat da jemand Luftballons zum Leuchten gebracht?“, fragte sie sich. Ihr war die Sache unerklärlich. Weil sie beruflich den Gerontopsychiatrischen Schwerpunkt leitet, eine Kooperation zwischen Landkreis Heilbronn und Klinikum am Weissenhof, sei sie im Anschluss diversen Kommentaren ausgesetzt gewesen, sagt Thurner-Dierolf und lacht. Ob Patienten auf sie abgefärbt hätten, sei sie gefragt worden. Heute weiß sie mehr: Es müssen solche asiatischen Miniballons gewesen sein. Auch andere Menschen in Eberstadt hatten die geheimnisvollen Lichter in der Januarnacht beobachtet.

Gutes Geschäft Häufig werden diese unbekannten Flugobjekte irgendwo in Baden-Württemberg gesichtet. In Gehardts Meldeliste finden sich spannende Auszüge: Ein Ehepaar aus Walldorf sah im Februar vom SAP-Gelände her eine Art flammende Kugel herbei schweben, über das Haus ziehen und auf der anderen Seite hervorkommen. Das „Ding“ schwebte weiter gegen Nordosten und zog nach oben hin weg. Aus Obrigheim meldete sich kürzlich ein Mann, weil er rot glühende Lichtgestalten – drei Mal so groß und hell wie Sterne – geräuschlos am Himmel vorbeigleiten sah.

„Seitdem die Dinger so billig sind, fliegen ganze Flotten davon herum“, sagt Roland Gehardt und lacht. „Es sieht aber auch fantastisch aus.“ Für die Hersteller stellt sich der Ufo-Vergleich als unerwartet gutes Marketinginstrument heraus. Er vertreibe diesen Nischenartikel seit 20 Jahren, vor allem übers Internet, sagt Patrick Christopher, einer von mittlerweile mehreren Produzenten in Deutschland. Seit die Ufo-Sichtungen regelmäßig in den Medien thematisiert würde, entwickle sich das Geschäft explosionsartig.

Über Ostern erwartet Roland Gehardt die nächste Welle an Ufo-Sichtungen. Ein weiterer Hersteller habe zuletzt die Himmelslaternen für zwei Euro das Stück verkauft.