Agenda startet Architekur-Hilfsaktion

Heilbronn - Unter dem Motto „Verlust und Bewahren“ startet die Lokale Agenda 21 eine Kampagne, mit der sie der viel zitierten „zweite Zerstörung Heilbronns“ Einhalt gebieten will. Bürger und Entscheidungsträger sollen über Veranstaltungen und Rundgänge für teils verborgenen architektonische Besonderheiten sensibilisiert werden.

Von Kilian Krauth


Heilbronn - Unter dem Motto „Verlust und Bewahren“ startet die Lokale Agenda 21 eine Kampagne, mit der sie der viel zitierten „zweite Zerstörung Heilbronns“ Einhalt gebieten will. Bürger und Entscheidungsträger sollen über Veranstaltungen und Rundgänge für teils verborgenen architektonische Besonderheiten sensibilisiert werden.

Auftakt zu der Architektur-Hilfs-Aktion ist am Samstag, 9. Mai. Dabei informiert die Bürgerbewegung an einem Stand in der Sülmer City/Ecke Falkenstraße über ihre Arbeit. Sechs Arbeitskreise zeigen, was sie seit ihrer Gründung in den vergangen zehn Jahren unter dem Anspruch einer nachhaltigen Kommunalentwicklung alles auf die Beine gestellt haben.

Der Agenda-Arbeitskreis Wohnen und Bauen hat sich den Erhalt historischer Bauten auf die Fahnen geschrieben. Dass die Bemühungen nicht ins Leere laufen, zeigen einige vor dem Verfall oder vor Abbruchbirnen gerettete Kulturdenkmale: vom ehemaligen Lebensmittelkontor Kaiser Otto in der Südstadt bis zum Laubenganghaus in der Bahnhofsvorstadt. Durch das ständige Nachbohren habe die Agenda auch einen Anteil daran, dass die Stadt inzwischen für die Ex-Metro-Bar am Rathenauplatzeinen einen Investor gefunden hat, heißt es.

Nicht zuletzt durch ihre Arbeit habe sich in Heilbronn inzwischen tatsächlich eine neue Sensibilität im Umgang mit der Historie breit gemacht, konstatieren Agenda-Aktivposten wie die Juristin Julia Bauer sowie Architekt Claus Kohout und dessen Berufskollege Erich Esch. Nach wie vor sehen sie aber Handlungsbedarf. Dies zeige der sang- und klanglose Abbruch der 50er-Jahre-Konzertmuschel im Stadtgarten. Aber auch Projekte wie der Neubau eines Design-Hotels anstelle des Ex-Altena (einst Elefanten) an der Bahnhofstraße. Hauptprojekt ist derzeit der Schaeuffelen-Bau an der Mannheimer Straße, der einem Bildungscampus Platz machen soll.

Zum Erhalt dieses Zeugen der reichen Heilbronner Industriegeschichte startet die Agenda am Samstag eine Unterschriftenaktion.

Auch auf den Bauherrn, die Dieter-Schwarz-Stiftung, und die Stadt ist man schon zugegangen. Die Einbeziehung des markanten ehemaligen Möbel-Fritsch sei im Vorfeld eines Architektenwettbwerbs tatsächlich geprüft worden, erklärt Wirtschaftsdezernentin Margarete Krug.

Es sei allerdings in die Flächenanforderungen der drei Bildungseinrichtungen HBS, AIM und BA Mosbach „nicht schlüssig in ein Gesamtkonzept zu integrieren“ gewesen. Dabei sei es „ganz wichtig, in der Mitte einen Campus zu schaffen, genau dort, wo das Backsteingebäude steht“, so Stiftungs-Geschäftsfüherer Erhard Klotz. Aber: „Wir sind mit der Planung noch nicht am Ende, wir haben erst das Planungsbüro gefunden. In die schwierigen Überlegungen“ wolle man aber die Anregungen der Agenda einbeziehen - „ohne, dass ich etwas versprechen kann“.


Papierfabrik Schaeuffelen

Im 19. Jahrhundert war die Papierfabrik der Familie Schaeuffelen zeitweise der größte Heilbronner Industriebetrieb – und die modernste Papierfabrik Deutschlands. Die Papiermühle stand, von Neckar und „Fabrik-Canal“ umgeben, auf einer Insel beim Bollwerksturm. 1927 ging die Firma in Konkurs, die Stadt kaufte das Areal. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Wasserläufe mit Schutt aufgefüllt, die Mannheimer Straße entstand. Unter anderem Möbelhäuser waren dort untergebracht. Das Gebäude, das die Eisenhandlung Schedler vorne an der Mannheimer Straße beherbergte, wurde 1979 abgebrochen.