50 Jahre Abkühlung im Freibad Gesundbrunnen

Heilbronn  Das Freibad Gesundbrunnen wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. In seiner Geschichte gab es die eine oder andere Auseinandersetzung - schon in der Entstehungszeit.

Von Joachim Friedl

Email

Am 12. Mai 1967 wird das Bad nach knapp zweijähriger Bauzeit eingeweiht. Nach der Neckarhalde hat Heilbronn jetzt zwei Freibäder. Kirchhausen mit seinem Freibad ist zu jener Zeit noch selbstständig; die Eingemeindung zu Heilbronn erfolgt erst 1972.

Erste Überlegungen für den Bau des Freibades werden 1963 angestellt. Anlass sind Hochrechnungen für eine erwartete Bevölkerungszahl von 140.000 Einwohnern, eine Zahl, die Heilbronn bis heute nicht erreicht hat. Gebaut werden sollte das Bad, das später den Arbeitstitel "Freibad West" erhält, auf einer 7,5 Hektar großen Fläche zwischen Neckartal- und Römerstraße. Den Auftrag für einen Vorentwurf erhält die Karlsruher Petunia GmbH. Ihr Kostenvoranschlag liegt bei knapp zwei Millionen Mark. Im April 1965 genehmigt der Gemeinderat das Projekt, dessen Kosten sich trotz Reduzierungen auf 2,9 Millionen Mark verteuert haben.

Ein Enteignungsverfahren droht

Schwierig gestalten sich die Grundstückverhandlungen. Drei Hektar fehlen der Stadt, um das Freibad bauen zu können. Benötigt werden auch Flächen der Großgärtnerei Hugo Kölle, die dort eine Rosenzucht betreibt. Für den Quadratmeter bietet die Stadt zwölf Mark, die Grundstücksbesitzer wollen zwischen 18 und 25 Mark. Es droht das größte Enteignungsverfahren in der Heilbronner Nachkriegsgeschichte. Das Regierungspräsidium Nordwürttemberg wird in den Fall eingebunden. Doch es kommt zu einem Kompromiss: Die Stadt erhöht ihr Angebot auf 15 Mark.

Und so kann am 16. August 1965 die Firma Knobloch & Volz mit dem Bau des Freibades mit einem Sole-Massagebrunnen als besondere Attraktion beginnen. Es werden 23.000 Kubikmeter Erde bewegt, das Hanggelände teilweise abgeflacht und die Mulde im Eingangsbereich an der Saarlandstraße um eineinhalb Meter aufgefüllt. Es werden 1700 Kubikmeter Beton und 62 Tonnen Betonstahl verbaut.

Einweihung mit den Stadtoberen

Am 12. Mai 1967 ist es dann soweit: Das Freibad Gesundbrunnen wird von Oberbürgermeister Paul Meyle und einer stattlichen Delegation, bestehend aus Stadträten und Ämtervertretern, eingeweiht. Als erster wagt CDU-Stadtrat Reinhold Fyrnys den Sprung ins kühle Nass. Pächterin des Kiosks ist die Bahnhofswirtin Marga Bühler.

Noch im Einweihungsjahr gibt es richtig Ärger: Um Wasser zu sparen, läuft der Sole-Massagebrunnen alle Stunde nur zehn Minuten lang. Auch bei großer Hitze und starkem Besuch. Ungewöhnlich scharf reagiert Bürgermeister Adolf Gebhardt: "Wenn der Brunnen nicht wieder ununterbrochen läuft, wird man mich kennenlernen." Mehr als 122.000 Besucher kommen im ersten Jahr in den Gesundbrunnen. Beim ersten Hitzetag 1976 beispielsweise strömen 10.000 Menschen in das Freibad.

Geplante Überdachung wird nicht gebaut

Diskutiert wird im Jahr der Eröffnung bereits der Gedanke einer Freibad-Überdachung. Doch der von der Heilbronner Firma Losberger ausgearbeitete Plan fand im Gemeinderat keine Mehrheit. Die überspannte Fläche hätte 52,5 auf 52,5 Meter betragen. Das sieben Meter hohe und 610.000 Mark teure Dach war so geplant, dass es harmonikaartig auf vier Meter zusammenschiebbar gewesen wäre. Der Tenor damals: Wir sparen lieber auf ein Hallenbad. 1972 wird das Stadtbad am Bollwerksturm eröffnet. 2000 wird es in Soleo umbenannt.

1988/1989 wird das Gesundbrunnen-Freibad für rund 3,2 Millionen Mark modernisiert. Kalkuliert waren 2,6 Millionen Mark. Doch die Bauarbeiten kommen nur schleppend voran. Schlechtes Wetter und eine komplizierte Badtechnik werden von der Verwaltung als Hauptgründe angeführt. Erst Mitte Juli kann das Freibad geöffnet werden.

In den Folgejahren investieren die Stadtwerke Heilbronn regelmäßig in den Gesundbrunnen. Zuletzt kamen immer wieder Gerüchte auf, das Freibad unterhalb des Klinikums werde geschlossen. Regelmäßig folgte das Dementi durch die Bäderverwaltung.