Wunsch vieler: Friedhofscharakter muss erhalten bleiben

Professorin stellt Studenten-Entwürfe für Umgestaltung des Talheimer Kirchhofs vor - Viele interessante Visionen - Rat: Keine Leitbilder zusammenmixen

Von Sabine Friedrich

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Eine "schweißtreibende Arbeit" leisteten die angehenden Landschaftsarchitekten der Fachhochschule Nürtingen, hatten sie doch nur eine Woche Zeit, nach dem Vor-Ort-Termin im Oktober 2003 (wir berichteten) ihre Gedanken auf Papier zu zeichnen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, die Bandbreite der Ideen ist groß. 17 der 29 Entwürfe erläuterte am Dienstagabend bei der Kirchengemeinderats-Sitzung Bü Prechter, Professorin für Entwerfen, rund 40 Talheimern der mittleren und älteren Generation.

Es sei eine schwierige und komplexe Aufgabe gewesen - auch angesichts der Topografie. "Das ist keine alltägliche Arbeit, einen bestehenden Friedhof in einen kleinen Friedpark umzugestalten", sagte Prechter. Sie legte Wert darauf, dass die Konzepte eine tragende Idee hatten und von der Funktion, der Wirtschaftlichkeit, der Nutzung und Pflege stimmig waren.

Da sind die braven, zeitlosen Vorschläge, die mit einfachen Mitteln wirkungsvoll sind. Auf der anderen Seite die provokanten, fast revolutionären Entwürfe. Einmalig ist der Ansatz, die Kirche in einem Blüten- und Blumentraum versinken zu lassen. Ebenso einmalig die Ideen, mit einem Birkenwald einen neuen Friedhofstyp zu kreieren oder den Kirchhof im Stile einer Arena anzulegen. Zwei Studenten setzen auf Symbole: Der eine lässt Wasser durchs Areal schlängeln, der andere einen begehbaren Lebensweg.

Klar, dass solche Entwürfe für Talheim nicht in Frage kommen. Aber eines war Prechter wichtig: "Bitte mixen Sie nicht verschiedene Leitbilder zusammen." Der Kirchengemeinderat muss sich entscheiden zwischen weichen Linien oder strengen, geometrischen Formen. Er muss sich klar werden, ob es einen Versammlungsplatz geben soll oder mehrere, ob an der Nord- oder Südseite der Kirche, um die sich bisher schmale Wege pressen.

In der Diskussion wiesen mehrere Talheimer darauf hin, dass Gräber nicht gänzlich vom Kirchhof verschwinden dürften. Auch Pfarrer Johannes Adolph gewann den Eindruck, dass die jungen "Planer" das Thema Tod verdrängt hatten und der "Freizeitcharakter" des Areals in den Vordergrund gerückt war. "Sie haben Visionen, wir sollten sie auch haben", sprach sich eine Talheimerin für Mut zur Umgestaltung aus.

Die Professorin und der Pfarrer waren sich einig: Dass es in Talheim einen freien Blick auf die Kirche geben müsse, der Baumbestand durchforstet werden müsse. "Machen Sie etwas, was sich der Kirche unterordnet, was klassisch und neutral ist, und was man in 50 Jahren noch sehen kann ", lautete der Rat Prechters. Und: "Fallen sie nicht auf den schellen Gag herein."