Bach spielt und die Schüler tanzen

„Klaviertheater Santa“ in Oberstenfeld - Kinder lernen Komponisten kennen

Von Tillmann Schwörer

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Johann Sebastian Bach spielt am Klavier wie der Teufel. Schüler aus Oberstenfeld lernten beim Auftritt vom Klaviertheater Santa den großen deutschen Komponisten kennen. (Foto: Tillmann Schwörer)

Von Tillmann Schwörer

Mucksmäuschenstill sitzen die 150 Erst- und Zweitklässler auf den Bänken und ausgelegten Matten der Turnhalle. Der große Klaviermeister und Komponist Johann Sebastian Bach ist zu Besuch und zeigt seine Künste. Mit wallender Perücke, Kleid und Gamaschen sitzt er hinter seiner Orgel und die flinken Finger rasen über die Tasten. Fuge, Kantate, Präludium - er beherrscht sie alle. Und das schöne dabei ist: Die Kinder lieben es. Auch die Dritt- und Viertklässler, die die erste Aufführung sahen.

In dem Stück „Den Bachen geziemet Lachen“ geht es um das Werk und das Leben der Familie Bach. Eine Hälfte davon ist Theater und die andere ist Musik, Bewegung und Tanz - Klaviertheater haben Balint Santa und Bärbel Ganster ihre Mischung genannt. Damit holen sie die jungen Zuschauer genau dort ab, wo sie sind. Der Titel des Stücks ist für die Kinder zwar ziemlich kompliziert, aber nach den ersten Takten ist die Botschaft verstanden. Sie dürfen mitsingen und mitsummen, Grimassen schneiden und herumhüpfen.

Allerdings nur, wenn Familie Bach es erlaubt. An anderer Stelle müssen sie auch mal einfach still sitzen und zuhören. Und wenn das nicht klappt, werden die Bachs auch manchmal ziemlich streng. Darf man im Theater lachen und weinen? Und darf man auch lachen, wenn das Stück traurig ist? Die Spielregeln werden gleich zu Beginn festgelegt. „Wir lassen ihnen Freiräume, aber fangen sie auch wieder ein“, erklärt Bärbel Ganster das Konzept.

Die beiden Künstler, die noch bis vor zwölf Jahren als Lehrer arbeiteten, möchten den Schülern die Person Johann Sebastian Bach näher bringen. Sie wollen Spaß an der Musik vermitteln und ein Gefühl für Rhythmus und Melodie. Deshalb animieren sie die Kinder, sich passend zu der Musik zu bewegen. So schweben die Kinder mal als Engel durch die Halle, mal setzen sie sich mit den Fingern Teufelshörner auf den Kopf und schneiden Fratzen.

Bei der Bauernkantate dürfen die Schüler sogar mitsingen. Schon seit ein paar Wochen hatten sie das Lied in ihren Klassen geprobt. :„Mir han e neue Oberkeet“, lautet der schwere Titel. Für die Schüler ist das ungewohnte Altdeutsch aber kein Problem. Seit der Welle an Rechtschreibreformen überrascht sie gar nichts mehr. „Wir haben jede Woche zwei Mal geübt“, meint der achtjährge Timo Leonhardt. Die Bauernkantate und die vielen schnellen Klavierstücke haben ihm am besten gefallen.

Drei Zugaben erklatschen sich die begeisterten Zuschauer. Und eine weitere wartet noch auf sie, denn mit der Aufführung ist das Programm noch nicht beendet. Wer Fragen zur Musik oder der Geschichte hat, kann einen Brief an Bärbel Ganster und Balint Santa schreiben. 50 000 Briefe haben sie schon beantwortet - als Bach, Beethoven, Mozart und Schubert.