Talheimer Katholiken mussten um Grab bitten

Einst durfte der katholische Pfarrer den evangelischen Friedhof nicht betreten - Dieter Gaa spürte Interessantes aus Geschichte auf

Von Luzia Grimm

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Diese interessante und bisher völlig unbekannte Geschichte aus 1000 Jahren Friedhof hat der Talheimer Hobby-Heimatforscher Dietrich Gaa ausgegraben. Und auch die einer konfessionellen Spaltung. Die

Der katholische Pfarrer durfte den evangelischen Friedhof nicht betreten. Es war der katholische Lehrer, der eine kurze Leichenrede halten durfte. Am Grab gesungen haben die evangelischen Schüler. Die holten auch den Toten katholischen Glaubens zusammen mit dem evangelischen Lehrer vom Haus ab und begleiteten ihn zum evangelischen Friedhof. So geschehen nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) bis zum Jahr 1806.

Bis zum Dreißigjährigen Krieg war das mit dem Kirchhof um die reformierte Kilianskirche in Talheim überhaupt kein Problem, denn bis dato gab es keine katholischen Einwohner, die Protestanten waren unter sich.

Diese Details aus der Historie der Kirchengeschichte sind das Ergebnis aufwändiger Recherchen von Dietrich Gaa - vor seiner Pensionierung unterrichtete er Englisch und Geschichte - im Staatsarchiv, Gemeinde- und Kirchenarchiv. Ein Besuch im Archiv derer von Gemmingen auf Schloss Gutenberg steht noch aus. Und man darf gespannt sein, was Gaa dort noch alles über Talheims Vergangenheit entdeckt.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg kaufte sich der Deutschorden in Talheim ein. In diesem Zug kamen die Katholiken ins Dorf. Betreut wurden sie vom Sontheimer Pfarrer. Die katholischen Kinder wurden im Lyher Schlösschen, das war dort, wo heute die katholische Kirche steht, unterrichtet. Im Schlösschen war auch der Betsaal der Katholiken untergebracht. Noch heute heißt die Gegend um die katholische Kirche "katholischer Buckel".

Kurz nach dem Krieg gingen die Talheimer auch noch in verschiedene Läden einkaufen, zum katholischen Bäcker oder zum evangelischen Metzger.

Der katholischen Buckel spielte zwischen 1806 und 1809 eine große Rolle. In den Jahren 1805/1806 wurde Talheim württembergisch und damit kam ein Edikt zur Religionsfreiheit und Gleichberechtigung