Ein Ort mit Geschichte und für Geschichten

Der Wormser Bischofskeller in Talheim hat lange Zeit als Weinlager gedient - Das Gewölbe bot Schutz bei Fliegeralarm

Von Luzia Grimm

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Seit Jahren wird der große Keller nicht mehr genutzt.
"Unser Kellerteil war immer trocken", erklärt der 91 Jahre alte Josef Danner. Der Wormser Bischofskeller hat vorläufig ausgedient, seit Jahren hat ihn keiner mehr betreten. "Für 300 Reichsmark hat mein Vater vor dem Krieg den Keller gekauft", weiß Josef Danner noch genau. Er ist einer der drei Eigentümer des Wormser Bischofskellers. Ein Teil gehört Kuno Schmidt, der andere einer Erbengemeinschaft.

Josef Danner bringt den Kellerschlüssel mit zur Besichtigung, begleitet von seinem Sohn Michael. Die hölzerne Eingangstür öffnet sich in der efeubewachsenen Kirchhofmauer, ein Tonnengewölbe über neun Stufen führt in den dunklen und mit Bretterschlag und Zaun unterteilten Keller, in dem noch ein paar Strohballen an die frühere Nutzung erinnern. "Wir hatten Weinberge", sagt Josef Danner, einst auch Wagnermeister wie sein Vater in der Sonnengasse. Für den Wein wurde der Keller gekauft.

Das Aus für das Weinlager im Wormser Bischofskeller sei dann mit der Gründung der Genossenschaft gekommen, erinnert sich der 91-Jährige. Seine Mutter und Nachbarn hatten bei Fliegeralarm im Keller Schutz gesucht und nächtelang dort geschlafen. Das erzählten sie ihm, als er aus dem Krieg nach Hause kam.

Bis vor ein paar Jahren lagerten die Danners dann noch die Kartoffeln von den eigenen Äckern. Recht prall hätten sich die Kartoffeln ziemlich lange gehalten. Auf jeden Fall immer bis ins Frühjahr hinein, wenn Ursula Danner Lust auf neue Kartoffeln hatte: "Dann hieß es immer, im Keller sind noch welche, die sind wie frisch".

Das Gewölbe dürfte mindestens 400 Jahre alt sein. Bevor die Danners den Kellerteil kauften, muss ein Haus über dem Keller mit dem lehmgestampften Boden unter dem Tonnengewölbe, in dem bis heute kein Stein fehlt, gestanden haben. Es ist wohl einem Brand zum Opfer gefallen, denn Josef Danner hat noch vor Augen, dass verkohlte Balken auf dem Gelände herumlagen.

Die Lage des Wormser Bischofskellers zwischen Bürgerturm (bis 1655) und Kirchhof ist dem Band "Talheim und seine Geschichte" von Pfarrer Ernst Mayer von 1957 zu entnehmen. Mayer beschreibt damit den Bischofskeller als Teil einer bewehrten Talheimer Anlage aus Zehnthaus, Kirche, Wehrturm und Friedhof mit Gärten. Der Autor erwähnt auch ein Wormser Lehen.

Doch der Ort mit Geschichte ist auch ein Ort für Geschichten: "Die waren alle fasziniert", erzählt Ursula Danner über die Gästeschar beim Gespensterauftritt im Wormser Bischofskeller. Es ist schon über zehn Jahre her, als zum Geburtstag von Ulrike Danner - die Mutter vermutet, dass die Älteste ihrer Mädchen acht Jahre alt wurde - der Wormser Bischofskeller letzte Station eines Geländespiels durchs Dorf war.

Dort unten saß ein Gespenst im Dunkeln, in dem nur ein paar Teelichter vor sich hin leuchteten. Das Gespenst war Ulrikes zwei Jahre älterer Bruder Daniel, der dort unten mit seinen zehn Jahren eine halbe Stunde lang mutig und geduldig ausharrte, bis er seinen Auftritt mit Gespenstergeschrei und einer Gespenstergeschichte vor einem Dutzend Kinder hatte, unter denen auch die staunenden Danner-Zwillinge Cornelia und Sabine waren.

Josef Danner kennt den Wormser Bischofskeller in Talheim genau. Sein Vater hatte das Gewölbe vor dem Krieg für 300 Reichsmark gekauft. Seit Jahren wird der große Keller nicht mehr genutzt. (Fotos: Ulrike Kugler)