Ein Lotse und Impulsgeber wird Ehrenbürger

Talheim verleiht Bürgermeister a. D. Hansjörg Apprich höchste Auszeichnung - Unter ihm ist leistungsfähige Gemeinde entstanden

Von Sabine Friedrich

Nach Kunstmaler Hanns Reeger und Apprichs Vorgänger Robert Ehrenfried ist der 60-Jährige nun der Dritte im Bunde mit der höchsten Auszeichnung, die eine Kommune vergeben kann. Dieses seltene Ereignis lassen sich über 150 Talheimer und andere Wegbegleiter Apprichs am Montagabend nicht entgehen, drücken ihre Anerkennung mit herzlichem Applaus aus.

Stilvoll mit roten Wachsrosen, drapiert in zartem Tüll, sind die Tische im Kulturtreff dekoriert, festlich ertönt der "Opening Marsch" des Musikvereins unter Paul Hofmann. Keck singt der "Liederkranz" vom "kleinen grünen Kaktus". Harry Brunnet, Vorsitzender des Gemeindetag-Kreisverbandes Heilbronn, zieht prompt eine Parallele zum Geehrten: Ein Kaktus steche, blühe aber auch. Er rühmt seinen einstigen Stellvertreter im Kreisverband und Ex-Kreistags-Kollegen als Mann, der eigene Positionen vertreten hat: "Lieber ein eckiges Etwas als ein ruhiges Nichts", charakterisiert er Apprich, der die Ehrenbürgerschaft "mehr als verdient hat".

Gewaltig habe sich Apprich für Talheim ins Zeug gelegt, großes Engagement und Fleiß gezeigt. Rainer Gräßle würdigt ihn in seiner Laudation als Impulsgeber, Triebfeder und Vordenker, der mit Intelligenz, Pioniergeist und weiser Voraussicht Talheim zu einem leistungsfähigen und lebenden Gemeinwesen geformt habe. Gräßle belegt das mit "beeindruckenden Zahlen" und einem "beeindruckenden Ergebnis": Unter Apprichs sind von 1978 bis 2002 rund 28 Millionen Euro in Projekte investiert worden. Gräßle erinnert an die großen Veränderungen in der Ortsmitte mit dem Rathaus-Neubau und der Ortskern-Sanierung, neue Wohn- und Gewerbegebiete, an einen neuen Sportplatz und Bauhof, an Erweiterungen von Schule und Feuerwehrmagazin oder zusätzliche Kindergartenplätze.

Dem Menschen Apprich widmet sich Bürgermeister-Stellvertreter Dr. Michael Gantner in seinem Grußwort im Namen des Gemeinderats. "Gedient" hätten diese unter Apprich, für sich selbst spricht er von "Lehrjahren". Der einstige Schultes, heute noch Vorsitzender der Heilbronner Aufbaugilde, sei Manager und Ideengeber gewesen, der Gemeinderat eine Art Verwaltungsrat und Umsetzer. Apprich habe ein Ziel vor Augen gehabt, auf dem Weg dahin sei der Mensch gefragt gewesen: der Taktiker, Spurenleser, Fährtenleger und Lotse. Der Gemeinderat sollte ihm nicht einfach nur folgen, sondern erkennen, wo das Ziel liege. "Diese Erziehung des Gemeinderats zum Denken und Planen über den Tellerrand hinaus war Ihnen ein Anliegen."

Die Ehrenbürgerschaft macht Apprich schon ein bisschen stolz. Als Fundament der erfolgreichen Tätigkeit zählt er vier Säulen auf: Die Bürger, die ihn auch kritisch begleitet hätten, die Mitarbeiter, mit denen er großes Glück gehabt habe, ebenso wie mit wie Architekten, Planern oder Behörden. Als vierte Säule nennt er den Gemeinderat. Neben der Ehrenurkunde erhält Apprich Wein, seine Frau Evelyn Blumen.