Aus einer Kirchenruine wurde ein Wanderheim

Magdalenenkirche in Beilstein ist seit 50 Jahren Jugend- und Freizeitheim der Christlichen Pfadfinder des VCP Gaus Unterland

Von Wolfgang Seybold

Aus einer Kirchenruine wurde ein Wanderheim

Die Magdalenenkirche ist eines der Wahrzeichen von Beilstein. Sie steht heute unter der Obhut des Verwaltungsrats der Christlichen Pfadfinder in Württemberg. (Foto: Werner Kuhnle)

Mit einem Festprogramm wird am Samstag, 11. Juni, das 50-jährige Bestehen des beliebten Jugendheims Magdalenenkirche gefeiert. An Pfingsten 1955 wurde diese Begegnungsstätte nach zweijähriger Bauzeit mit einem Festgottesdienst, gehalten vom damaligen Jugendpfarrer und späteren evangelischen Landesbischof Claß, seiner Bestimmung übergeben.

Wolfram Rudolph, Vorsitzender der Älterenschaft der Christlichen Pfadfinder (VCP) in Heilbronn, erinnert an die "Wahnsinnsleistung", die die Pfadfinder damals erbracht haben. Aus einer vormals als Turnraum, Lagerhalle, Heuschober, Wäschetrockenplatz und Stall genutzten Magdalenenkirche schufen sie das heutige schmucke Jugendheim.

Unter der Leitung von Oberbaurat Hermann Wurster, Günther Zott, dem späteren Architekten der Kirchengemeinde Heilbronn, Georg Ott von den Christlichen Pfadfindern und Oberbaudirektor Heinrich Röhm bauten alte und junge Pfadfinder mit Baumaterial, das zum Teil aus dem Schutt von kriegszerstörten Heilbronner Häusern gewonnen wurde, die Magdalenenkirche wieder auf.

Die 1967 gestorbene Maria Wurster hat die Entstehung des Wanderheimes in einem detaillierten Bericht festgehalten. Darin ist zu lesen, dass die Pfadfinder auf der Suche nach einer in der Nähe von Heilbronn gelegenen Übernachtungsmöglichkeit waren. Beim Gaulager 1953 im Burghof von Hohenbeilstein fiel das Augenmerk auf das halb verfallene Kirchlein. Mit dem damaligen Beilsteiner Stadtpfarrer Werner Spellenberger einigten sich die Pfadfinder schnell und erhielten einen Erbpachtvertrag auf 99 Jahre.

"Was immer wir in eigener Arbeit leisten können, wird getan. So entsteht eine wirkliche Gemeinschaftsarbeit", schrieb Maria Wurster weiter. Es ist aber auch von einer großen, schier grenzenlosen Spendenfreudigkeit zu lesen. So stellte die Stadt Beilstein das erforderliche Bauholz kostenlos zur Verfügung. Das schöne Emporefenster stiftete ein ehemaliger Beilsteiner. Und den "Heiligen Georg", der als Wandschmuck den Rittersaal ziert, fertigte ein Künstlerehepaar aus Waldsee als Spende. Das kunstvoll gearbeitete schmiedeeiserne Tor am Turmeingang erschuf der spätere Gauführer Georg "Schorsch" Ott mit seinen Meisterschülern der Heilbronner Berufsschule, natürlich kostenlos.

Zwei Jahre lang zu Fuß oder mit dem Fahrrad nach Beilstein zu "pilgern", erforderte, so berichtete Maria Wurster, "nicht nur flammende Begeisterung, sondern es muss einiges an Zähigkeit, Opferwilligkeit und Pflichtbewusstsein dazu kommen".

Die Magdalenenkirche wird heute vom Verwaltungsrat des VCP Württemberg sowie durch den Heimausschuss Beilstein des VCP-Gaus Unterland verantwortet. Geleitet wird das 36 Betten große Jugendheim seit 1994 von Rosmarie Weber, die ihren meist jugendlichen Gästen eine "familiäre Atmosphäre" mit einer "Rundum-Versorgung" bieten kann. Das Festprogramm beginnt am Samstag um 14 Uhr mit Kaffee und Kuchen und wird um 16 Uhr mit einem Gottesdienst im Hof fortgesetzt. Um 19.30 Uhr lässt dann ein festlich-gemütlicher Abend, gestaltet von den Pfadfindern des VCP-Gaus Unterland, das Jubiläum ausklingen.