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Verschlossene Türen im Annaseehaus

Beilstein - Mit traurigem Blick schließt Paul Hennige die Eingangstür auf. Die Stühle stehen auf den Tischen, der Küchenbereich ist blitzblank, die Töpfe bleiben kalt. "Es tut sehr weh, aber es geht nicht mehr", bedauert der 77-Jährige aus Ellhofen. Seit dieser Saison ist das Annaseehaus der Naturfreunde Sontheim in Beilstein-Gagernberg geschlossen.

Von Joachim Kinzinger
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Beilstein - Mit traurigem Blick schließt Paul Hennige die Eingangstür auf. Die Stühle stehen auf den Tischen, der Küchenbereich ist blitzblank, die Töpfe bleiben kalt. "Es tut sehr weh, aber es geht nicht mehr", bedauert der 77-Jährige aus Ellhofen. Seit dieser Saison ist das Annaseehaus der Naturfreunde Sontheim in Beilstein-Gagernberg geschlossen. Der Verein zählt gerade noch sieben Mitglieder im Alter von 55 bis 77. Damit ist der regelmäßige Hausdienst an Sonntagen nicht mehr möglich. Zumal einige Leute gesundheitlich angeschlagen seien, so der Vereinschef.

Im Aushang steht es draußen am Haus schwarz auf weiß, dass die Wanderer, Mountainbiker und Radler sonntags keine kalten Getränke, keine heiße Rote und keinen Erbseneintopf mehr bei ihrer Rast erhalten. Weil das Anwesen nicht mehr bewirtschaftet wird.

Bauhütte

Eigentlich wollten die Sontheimer Naturfreunde am Waldrand ein Haus bauen. "Das ist nicht genehmigt worden", weiß der in Ellhofen lebende Senior. Auf dem Staatsgelände in Nähe des Annasees ist es möglich. Zunächst entsteht 1946 die Bauhütte, 1956 folgt der Anbau. Seit 1975 gibt es fließend Wasser. Hennige kehrt hier vor rund 50 Jahren nach einem Maifest erstmals ein. Vor 30 Jahren tritt der gelernte Silberschmied den Sontheimer Naturfreunden bei und steht seit mehr als 20 Jahren an deren Spitze. Unzählige Sonntage haben er und die Mitglieder in Vierer-Teams von 9 bis 18 Uhr im Haus die Gäste bedient.

Der Ellhofener erinnert sich an einige Anekdoten. So liegen an einem eisigen Karfreitag sieben Zentimeter Schnee auf den Bänken. Nur sechs Wanderer machen an diesem Eröffnungstag Rast. Es gibt "gute Stammkunden" wie Leute aus Bietigheim, die sich sogar abmelden, "wenn sie einmal nicht kommen können". Oder die Karfreitagswanderer, die Jahr für Jahr am runden Tisch sitzen. Ein Ehepaar findet stets "heiße Landjäger" köstlich. Die üblichen Renner sind Erbseneintopf und heiße Rote. An guten Tagen kehren hier über 60 Leute ein.

Für das Essen und Trinken hat Kassier Klaus Scheitterlein (73) aus Heilbronn-Böckingen gesorgt: "Wir hatten keine Vollkonzession. Es musste alles unter Verschluss sein." Also nur Würstchen aus Dosen, die Landjäger in Folie verschweißt, Gäste müssen die kleine Dosenwurst selbst öffnen, der Fertigeintopf stammt ebenso aus der Konserve. Den hungrigen Gästen hat es geschmeckt.

Vor zehn Jahren zählt der Verein noch 25 Mitglieder, ohne Nachwuchs siecht er dahin. Im Herbst 2010 entscheidet die kleine Gruppe aus Sontheim, Heilbronn und Ellhofen: "Es geht nicht mehr weiter am Annaseehaus", so Hennige. Denn: "Schon in den Vorjahren hatten wir immer zu kämpfen."

Verkauf

Statt sonntags hinter den Tresen zu stehen, machen die Naturfreunde jetzt noch Wanderungen in der Region. Was wird aus dem Anwesen? "Wir wollen das Gebäude verkaufen", hofft Hennige, der auch in der Versicherungsbranche gearbeitet hat, auf eine Nachnutzung von anderen Vereinen oder Institutionen. "Es ist sehr bedauerlich, viele Wanderer und Ausflügler werden es vermissen", meint der Beilsteiner Bürgermeister Günter Henzler zur Schließung. "An typischen Wandertagen war viel Betrieb", weiß auch Hauptamtsleiter Hermann Harst.

Verschlossene Türen im Annaseehaus
Die Hütte (links) entstand 1946, der Anbau wurde ab 1956 realisiert. Jetzt wollen die Naturfreunde Sontheim das gesamte Gebäude veräußern.Fotos: Joachim Kinzinger
Verschlossene Türen im Annaseehaus
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