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Ein rechtes Missverständnis

Geschäft im Kaufhof verbannt fremdenfeindliche Zeitungen aus den Regalen

Von Werner Tewes
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Lesezeit  1 Min

Heilbronn - Links: Avril Lavigne, spärlich bekleidet auf dem Cover der Maxim. Rechts: die Sonderausgabe des Spiegels über China. Und in der Mitte? Schauen die NPD-Postille Deutsche Stimme und das DVU-Blättchen National-Zeitung hervor. Zwei Blätter, die der Verfassungsschutz explizit als rechtsextrem einstuft, gab es – zumindest bis Ende Mai – in Heilbronn zu kaufen. Nicht irgendwo versteckt im Hinterhof, sondern ganz offen im Pressefachgeschäft im Kaufhof, in der Innenstadt, mitten im Wollhaus.

Exponierte Stelle Das überrascht, denn der Großteil der jeweils rund 35 000 Exemplare, die pro Ausgabe bundesweit verkauft werden, gehen per Abo an die Leser. „An so exponierter Stelle, mitten in der Stadt, in einem Kaufhof, ist so etwas bislang eigentlich nicht zu beobachten gewesen“, sagt ein Sprecher des Landesamtes für Verfassungsschutz in Stuttgart. Schließlich betrieben beide Zeitungen teils kaschierte, überwiegend jedoch offene antisemitische, rassistische Propaganda. Seit den Wahlerfolgen rechtsradikaler Parteien habe seine Behörde allerdings auch beobachtet, dass es vor allem die Deutsche Stimme verstärkt in den Einzelhandel ziehe.

Nicht bestellt Im Wollhaus war die Situation etwas anders. Reinhold Petyan, der Besitzer des selbstständigen Pressefachgeschäfts, sagt, dass es keine Nachfrage nach den Titeln gegeben habe. „Das ist alles ein großes Missverständnis.“ Der Pressegroßhandel ändere sein Angebot regelmäßig. Petyan ordert, wie die meisten Einzelhändler, ein Rundum-Paket. In der jüngsten Lieferung seien wohl auch die beiden rechtsradikalen Zeitungen gewesen, ohne dass er sie bewusst bestellt habe.

Dass in den Ausgaben Schlagzeilen prangen wie „Moslems haben in Europa die gleiche Existenzberechtigung wie Juden in Palästina, nämlich gar keine“, habe er nicht gesehen, entschuldigt Petyan: „Ich verkaufe zig verschiedene Titel. Ich kann nicht alles durchblättern, bevor ich es in die Regale einräume.“

Die beiden rechtsextremen Zeitungen hat er nach einem Gespräch mit der Kaufhof-Leitung wieder aus seinem Sortiment entfernt. „Wir machen unseren Mietern keine Artikelvorgaben, aber so etwas möchten wir in unseren Räumen natürlich nicht sehen“, betont ein Kaufhof-Verantwortlicher. Reinhold Petyan stimmt zu: „Ich will damit nichts zu tun haben.“

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