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Den Ort so sehen, wie er nicht mehr ist

Ausflügler haben viele Postkarten der Langhansstadt verschickt

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Den Ort so sehen, wie er nicht mehr ist
Der See diente der Brauerei Cluss aus Heilbronn, um Eis herzustellen. Verschickt wurde diese Karte nach London.

Beilstein - Wandrer, der du Einkehr hältst, Gast, der du dies Plätzchen wählst, Beilstein, das soviel gepriesen, will mit edlem Trunk dich grüßen.“ Ein idyllisches Foto der Burg Langhans und ein Gedicht - mit selbstverlegten Postkarten preist Hermann Blume die „Perle“ im Bottwartal. Blume war ein kriegsversehrter Violinist, der in Beilstein lebte und Lieder und Gedichte schrieb. Nicht nur der Dichter auch viele andere Menschen entdeckten die Schönheit des kleinen Ortes für sich. Postkarten gibt es von der Langhansstadt rund um 1900 aber auch aus späteren Jahren genug. „Beilstein war ein beliebtes Ausflugsziel“, erzählt Hauptamtsleiter Hermann Harst. Mit der württembergischen Bottwartalbahn seien die Touristen aus Stuttgart gekommen und stiegen an der Endstation in Beilstein aus, so Harst.

Viele Verlage, aber auch etliche Privatleute ließen Postkarten drucken, weiß Oliver Kämpf. Durch einen Zufall entdeckte der Beilsteiner Stadtrat eine Ansichtskarte, die sein Ur-Großvater Adolf Kämpf verlegt hatte. Der Konditor hatte sein Café auf einer Postkarte abgebildet - eine beliebte Methode von Gastwirten oder Café-Betreibern, um für sich und den Ort zu werben.

Sammlerstücke Den Urenkel packte die Forschungslust. Inzwischen kann der Hobbyhistoriker auf eine stattliche Sammlung von Ansichtskarten blicken. Auf Flohmärkten, im Internet bei Postkartenbörsen sind die Raritäten zu finden, die auch einen gewissen Wert haben. Bis zu 30 Euro hat der Sammler für ein besonders schönes Exemplar schon gezahlt. Kämpf entdeckte einige seiner Schätze auch auf dem Dachboden des Elternhauses.

„Mich interessiert der Vergleich von damals und heute“, erklärt der 36-Jährige, warum er in einem Album frühe Postkarten aktuellen Ortsansichten gegenüberstellt. Stolz zieht Kämpf ein exotisches Stück aus dem Album. Die Karte hatte Hans Purrmann 1919 vermutlich bei einem Besuch in Beilstein nach Berlin verschickt. Purrmann lebte von 1914 bis 1916 in der Langhansstadt.

„Das Zeitgeschichtliche interessiert mich fast mehr als die Motive“, sagt Kämpf. Er freut sich, wenn er auf den Karten bekannte Namen entdeckt, etwa „von Familien, die es schon immer in Beilstein gibt“.

Fundus Die Stadt hat ebenfalls einen reichen Fundus an Ansichtskarten. Leidenschaftlich sammeln auch die Beilsteiner Rudi und Jochen Brenner Ortsansichten - Beilstein, die Landeshauptstadt Stuttgart und viele andere.

Oft tauchen die gleichen Motive auf, mal schwarz-weiß, dann eingefärbt: Zu sehen ist meist die Burg, umgeben von viel Grün liegt darunter der Ort. Gern wird auch die gleiche Ansicht genommen und ein kleines Bild, etwa von einem Gasthaus, rechts oder links in der Ecke eingeblendet.

„Irgendwann hatte Alt-Bürgermeister Otto Rohn angefangen, die Postkarten zu sortieren“, erzählt Hermann Harst und blickt auf das Sammelalbum. Auch in dicken Ordnern sind die Ortsansichten neben alten Fotos abgelegt.

Auf vielen Postkarten sieht man Beilstein so, wie es heute nicht mehr ist. Ein Windrad auf einer Karte um 1900 macht stutzig. Warum steht das hier? Harst weiß eine Antwort. „Damit wurde Strom erzeugt, damit Wasser hoch auf die Burg gepumpt werden konnte.“ Eine andere Karte zeigt mitten in Beilstein einen rechteckig angelegten See. „Hier hat die Heilbronner Brauerei Cluss Eis hergestellt“, erklärt Hobbyhistoriker Kämpf.

Den Ort so sehen, wie er nicht mehr ist
Nicht immer waren die Straßen leergefegt. Die Bürger legten zum Beispiel Reisig auf den Gehwegen ab.
Den Ort so sehen, wie er nicht mehr ist
Die Prägekarte mit dem Landeswappen gibt es nicht nur mit Beilstein, sondern mit sämtlichen Orten.
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1959 verschickte eine Besucherin im Haus der Kinderkirche das Luftbild von Beilstein.Postkartensammlung: Oliver Kämpf
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Mit dem Windrad (rechts) wurde um 1900 Strom erzeugt, damit Wasser hoch auf die Burg gepumpt werden konnte.
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Eine Feldpostkarte, die im Oktober 1939 von Soldaten an ihren Kameraden in Stuttgart versendet wurde.
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