Wertvolle Fresken werden renoviert

Knifflige Aufgaben in der Kilianskirche − Friedhof folgt 2011

Von Stefanie Pfäffle

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Pfarrer Johannes Adolph (links) und Architekt Michael Scheerle schauen sich die Fresken vor der Renovierung noch einmal an. Foto: Stefanie Pfäffle

Talheim - Gestern Morgen zog der Dreck in die Talheimer Kilianskirche ein. Mit dem Bohren vier großer Öffnungen in die Kassettendecke, die später zur Entlüftung dienen sollen, begann die Renovierung der inneren Schätze des Gotteshauses − der früh- und spätgotischen sowie romanischen Fresken.

Im nächsten Jahr steht außerdem die Neugestaltung rund um die Kirche auf dem Programm. Mit rund 306 000 Euro sind das zwei kostspielige Vorhaben, die am Samstag quasi als offizieller Baubeginn noch einmal vorgestellt wurden.

Die Friedhofsplanung schien eine unendliche Geschichte zu werden. Bereits seit 2002 befasst sich der Kirchengemeinderat mit diesem Thema. Die alten Wege bröckeln nach allen Seiten und wurden immer nur notdürftig wieder geflickt. Viele Treppenstufen halten Rollstuhlfahrer fern. Es musste sich dringend etwas ändern.

Planungen 2003 wurde ein Fachbüro mit einbezogen, Studenten der Fachhochschule Nürtingen legten Ideen vor. Die langen Planungen wurden durch noch längere Genehmigungsverfahren ergänzt, doch Ende des Jahres sollen die Arbeiten nun voraussichtlich ausgeschrieben werden. Alles in allem wird der Weg um die Kirche herum auf drei bis vier Meter verbreitert. Im Norden entsteht eine Sitzmauer, im Süden wird die vorhandene Mauer abgebrochen. Stattdessen wird eine Böschung entstehen, damit das Gotteshaus auch von dieser Seite freier wirkt. Nur auf der Westseite wird es weiterhin noch Treppen geben.

Bei der Verbreiterung werden abgelaufene Gräber entfernt, der alte Baumbestand soll erhalten werden. Dadurch erhält der Friedhof einen parkähnlichen Charakter. "Wir rechnen bei den Arbeiten mit Spuren menschlicher Knochen, für die wir bereits eine Beinkiste bereit gestellt haben", erklärt Pfarrer Johannes Adolph. Am Ende der Umgestaltung wird die Kiste schließlich feierlich beerdigt.

Vor dem Friedhof kommen allerdings die Fresken dran. Beim Kirchenputz 2005 stellten die Mitarbeiter fest, dass diese dringend entstaubt gehören. Ein Jahr später folgten Raumklimamessungen. "Wir mussten uns etwas einfallen lassen, um schnelle Verschmutzungen zu verhindern." Denn, so Adolph, das Kircheninnere hänge klimatechnisch der Außenwelt immer um drei Monate hinterher. Dazu komme die museale Heizung. Staub bleibe an den feuchten Wänden hängen.

Deswegen wird nun am Fenster neben der Kanzel eine automatische Lüftung eingerichtet. Mit den vier verschließbaren Öffnungen in der Kassettendecke wird das Raumklima dann steuerbar sein.

Gottesdienst Am 25. Juli findet der letzte Gottesdienst in der Kilianskirche statt. Während die Gläubigen dann im Gemeindehaus oder Vereinszelt in der katholischen Kirche feiern, wird Restaurator Thomas Wieck aus Stuttgart die Wände abstauben. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn die Hilfsmittel des Fachmannes sind ein Pinsel und ein Staubsauger.

Architekt Michael Scheerle dämpfte die Erwartungen. "Die Kirche wird vermutlich nur minimal anders aussehen als vorher." Dem Landesdenkmalamt gehe es mehr um die Erhaltung der Originalsubstanz als um die Schönheit, deswegen wird weder feucht abgewischt noch großflächig retuschiert. Nur so würden die Farben aber wieder deutlicher werden. Bei diesen Worten machte sich merkliche Enttäuschung breit. Bis zum 25. September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.