Vom Staub befreit

Talheim - Der Dreck ist weg", sagte Pfarrer Johannes Adolph. Viel heller erstrahlt die Kilianskirche in Talheim jetzt. Nach zehn Wochen Renovierungsarbeiten findet der sonntägliche Gottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde Talheim wieder in der Kilianskirche statt.

Von Ute Knödler

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Die Malereien in der Kilianskirche sind vom Staub befreit worden. Pfarrer Johannes Adolph zeigt auf Krüge, die die Wandlung von Wasser in Wein zeigen.Foto: Ute Knödler

Talheim - Der Dreck ist weg", sagte Pfarrer Johannes Adolph. Viel heller erstrahlt die Kilianskirche in Talheim jetzt. Nach zehn Wochen Renovierungsarbeiten findet der sonntägliche Gottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde Talheim wieder in der Kilianskirche statt. Beim Erntedankgottesdienst am Sonntag nahmen die Christen die Kirche mit den Wandmalereien aus der Zeit der Romantik und Gotik nach der Sanierung erstmals wieder in Betrieb.

Malereien

In frischem, altem Glanz erstrahle die Kirche nun, sagte Pfarrer. In wochenlanger Arbeit wurden die Malereien von Zentimeter dicken Staubschichten entfernt. "Mit einem ganz feinen, weichen Pinsel in der einen und dem Sauger mit Feinstaubfilter in der anderen Hand, wurden die Fresken Stück um Stück von den Staubpartikeln befreit", erklärte Restaurator Thomas Wieck aus Stuttgart. Zum Beispiel die Szene mit den Krügen, die die Geschichte von der Wandlung des Wassers in Wein zeigt. Oder Adolphs Lieblingsbild aus der Heilsgeschichte, die Geburt Jesu. "Sehen Sie den verdutzten Joseph an der Seite und Ochs und Esel, die dem Jesuskind die Füße zum Wärmen lecken?", freute er sich.

Genaugenommen handle es sich aber nicht um Fresken, also in frischen noch feuchten Kalkputz gemalte Bilder, sondern um Seccomalereien. "Dabei wird die Farbe auf den trockenen Putz aufgebracht", erklärte Wieck. Außer der Reinigung wurde die Struktur des Putzgewebes hinter den Bildern verbessert. "Da waren Hohlräume entstanden, die wir verfüllt haben", so der Restaurator. Im Chorraum wurde zudem eine mutmaßliche Versalzung mit einem besonderen Verfahren abgetragen. Der Chorbogen sei mit einer ganz dünnen Lasur überarbeitet worden. Um die Verschmutzung künftig deutlich zu reduzieren, hat die Kirchengemeinde eine automatische Lüftung eingebaut. Wenn das Klima draußen besser sei, öffneten sich die Fenster, so dass sich nicht mehr so viel Kondenswasser bildet. Humorvoll nannte das der evangelische Seelsorger so: "Der Kirchenmief zieht dann raus." Tatsächlich gebe es jetzt schon Stimmen, die einen deutlich angenehmeren Geruch in der Kirche wahrnehmen würden.

Kirchengemeinderat Gunter Weber ist froh, dass der Kostenrahmen für die gesamte Maßnahme mit 50 000 Euro eingehalten werden konnte. Zum Erntedank war der Altar mit Lebensmittelspenden für den Tafelladen in Heilbronn, sowie Blumen und Erntegaben wie Kürbis, Kartoffeln, Karotten und Zwiebeln reichlich geschmückt. "Knister, Knusper Knäckebrot, keiner leide Not", sangen die Kinder vom evangelischen Kindergarten den Gottesdienstbesuchern zu. Sie brachten mit Lebensmittel gefüllte kleine Körbchen mit. Um Einsicht, mit Gottes Gaben so umzugehen, dass sich möglichst viele daran freuen könnten, bat Adolph im Gebet.

Sämann

Zu Worten aus dem zweiten Korintherbrief sprach er über Gott als Sämann. Im Blick auf den Tag der deutschen Einheit sagte er: "1989 säte Gott in Leipzig, und der Montagszug entstand." Auch in die Herzen der Regierenden habe er gesät, so dass kein Blutvergießen entstand. Also sei Gott nicht tot, das Kreuz nicht das Ende. "Gott wandelt immer noch über die Erde. Doch wir müssen aufmerksam sein, er nimmt gerne die Hintertür", betonte der Seelsorger in seiner Predigt. Musikalisch umrahmten der Kirchenchor und der Posaunenchor den Erntedankgottesdienst.