Sulm als grünes Band ist Programm

Vision eines großen erlebbaren Erholungsraums − Eisvogel und Libellen heimisch

Von Sabine Friedrich

Sulm als grünes Band ist Programm
Für die Grünanlage ist die Sulm aufgeweitet, eine Insel angelegt worden.

Obersulm - Bedeutung Welche Bedeutung hat die Sulm? Der Schultes überlegt. "Mit den Seitenbächen ist sie ein wichtiger Teil unseres Naturraumes. Wasser bedeutet ja Leben, und Wasserläufe bereichern eine Landschaft." Und die Sulm sei ein prägender Bestandteil davon. Heute ist sie eher von "dekorativem" Charakter, in früheren Jahrhunderten hatte sie auch eine wirtschaftliche Funktion.

Als Antriebskraft für Wasserräder der Heuser-Mühle in Affaltrach oder der Mühle des Klosters Lichtenstern in Sülzbach. Auch die Seitenbäche speisten Getreidemühlen, der Hambach in Willsbach oder der Wilhelmsbach in Eschenau. Der Bürgermeister zählt die weiteren Nebenarme auf: Sülzbach, Mäusebach, Aubach, Michelbach, Schlierbach, Nonnenbach, Seebächle. Teils sind diese in den Ortslagen verdolt, das ist bei der "großen Schwester" in Obersulm nicht der Fall.

"Die Sulm als grünes Band", der Name einer Agenda-Gruppe ist Programm. Murso benennt seine große Vision: "Dass eines Tages vom Breitenauer See bis zur Gemarkungsgrenze es den Bach als erlebbaren Erholungsraum und trotzdem als geschützte Talaue gibt. Fußwege, lockere Bepflanzung sind für Murso, der diesen durchgängigen Landschaftspark in seiner Amtszeit nicht mehr verwirklichen kann, einfache Mittel, um das umzusetzen.

Das langfristige Projekt, die Sulmaue durch Bebauungspläne zu schützen, ist zwischen Affaltrach und Willsbach verwirklicht. Hier hat die Gemeinde im Uferbereich Grundstücke erworben. Ein Bebauungsplan entlang des Bachs zwischen Sülzbach und Willsbach ist in Vorbereitung. "Diese großen Grünflächen sind ein wichtiger Bestandteil der Siedlungsstruktur", betont Murso deren Schutz vor einer Bebauung.

Naturerlebnisraum für Jung und Alt ist der Sulmpark in Willsbach, von der Agenda-Gruppe mitinitiiert. Das 1,1 Hektar große Gelände wurde vor einem Jahr eingeweiht.

Wem gehört eigentlich die Sulm? "Gewässer zweiter Ordnung sind im Eigentum der Gemeinde, das heißt, wir sind auch unterhaltungspflichtig", antwortet Murso. In Sülzbach, Willsbach und Eschenau ist das Fischwasser ebenfalls im Besitz der Kommune, auf der Markung in Affaltrach jedoch dem Land. Das hat historische Gründe. "Bis 1806 gehörte das Fischrecht den Johannitern, mit der Säkularisierung ging es an das Königreich Württemberg über", ruft Murso sein großes Wissen aus der Ortsgeschichte ab. In Sülzbach ist das Fischwasser an einen Privatmann verpachtet, in Willsbach an den Naturschutzbund.

Am und im Bach Forellen, die der Fischereiverein Sülzbach einsetzt, lassen sich hier angeln. Viele kleine seltene Fische wie Mühlkoppe oder Bachschmerlen sind in einem guten Bestand in der Sulm vorhanden. Sie sind ein leckeres Mahl für den Eisvogel. Diplom-Biologe Dieter Viele weiß, was im Bach mit seiner sehr guten Wasserqualität kreucht und fleucht − wasserliebende Insekten wie Köcher-Eintags- oder Steinfliegen. Dort, wo die Sulm aufgeweitet ist, fühlen sich viele Libellenarten heimisch. Hier entwickelt sich eine artenreiche Krautschicht mit feuchtigkeitsliebenden Stauden: Mädesüß, Blutweiderich oder Wasserschwertlilie. "In den Nebenbächen findet man unheimlich viele Krebse", sagt Veile. Schmackhafte.

Sulm als grünes Band ist Programm
Der Sulmpark, 2009 eingeweiht, ist nicht nur ein Natur-Klassenzimmer für die Real- und Hauptschüler, die beim Anlegen geholfen haben und in die Pflege eingebunden sind. Er ist auch eine Oase der Ruhe für die Einwohner.Fotos: Brian Bailey
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