Rainer Gräßle zufrieden

96,6 Prozent für den Schultes - Wahlbeteiligung nur knapp über 40 Prozent

Von Sabine Friedrich

Rainer Gräßle zufrieden
Stimmabgabe im Rathaus bei Gabriele Schlag (links). Susanne Schubert macht ihr Kreuzchen, die Kinder bekommen den traditionellen Wahlapfel.Fotos: Dittmar Dirks

Talheim - Auf zum Start" gibt der Musikverein Talheim mit einem schwungvollen Marsch Rainer Gräßle mit auf den Weg für die zweite Amtsperiode. "Let it shine", let it shine" erklingt der Refrain der Happy Voices, die sich gesanglich den vielen Gratulanten am Sonntagabend im Foyer des Rathauses anschließen.

"Schaffenskraft und den nötigen Weitblick" wünscht Bürgermeister-Stellvertreter Erhard Schoch dem wiedergewählten Schultes. Mit 96,6 Prozent der gültigen Stimmen habe Gräßle, einziger Bewerber, eine Bestätigung seiner Arbeit erfahren. Vielleicht seien die Talheimer im Superwahljahr 2009 wahlmüde gewesen, meint Schoch zur Wahlbeteiligung von nur 37,7 Prozent. Als er die um 19 Uhr verkündet, geht ein Raunen durchs Rathaus-Foyer. Mancher ist enttäuscht über diese Zahl, andere haben es nicht anders erwartet. Dass der Wert gegen 21 Uhr auf 40,5 Prozent revidiert wird, spielt für die Feiernden keine Rolle mehr.

Feierlaune "Ich kann zufrieden sein", sagt Gräßle zu den 1515 Talheimern, die zur Urne gegangen sind. Über sein Votum freut er sich. Die schlechtere Wahlbeteiligung als 2001 (53 Prozent) verdirbt ihm nicht die Freude am Feiern.

Die niedrigere Resonanz hat sich schon am Morgen abgezeichnet, der für die Gräßles kurios beginnt. Schon vor 8 Uhr klingelt das Telefon. Quasi ein "Notruf", hat doch der Bürgermeister - wie immer - seine Bürotür zum Foyer hin abgeschlossen. Damit ist das Wahllokal I nicht direkt, sondern nur über das Vorzimmer zugänglich. Dem ist schnell abgeholfen. Auf dem Weg zum Bäcker bringt Julia Gräßle rechtzeitig den Generalschlüssel im Rathaus vorbei und gibt auch gleich ihre Stimme ab.

Ein Schreck am Morgen? "Da bin ich völlig entspannt. Wir haben ja noch eine Tür", hat Bürgermeister-Sekretärin und Wahlhelferin Gabriele Schlag es gelassen genommen. "Das ist eine schöne, amüsante Geschichte drumrum", sagt der Schultes lachend, als er nach 11 Uhr in seinem Amtszimmer zur Urne geht. "Eine gewisse Nervosität gehört dazu", ist er schon ein bisschen aufgeregt.

Schleppend "Zäh" sei es angelaufen. Petra Seehaus und die anderen drei Wahlhelferinnen im Kindergarten Wart haben nicht viel zu tun. Gerade mal 49 der hier 881 Wahlberechtigten haben bis 10.30 Uhr den Stimmzettel eingeworfen. Auch in der Schule ist es ruhig, während im Rathaus vor der Mittagszeit etwas mehr los ist. "Die Jungen schlafen noch", erklärt Stephanie Danner-Schmidt, die den Kinderwagen ins Wahllokal schiebt, dass vor allem mittlere und ältere Jahrgänge zu sehen sind.

"Ha, weil das einfach dazugehört", ist für Seniorin Elsbeth Allmendinger das Wählen Bürgerpflicht. "Wer nicht wählen geht, kann hinterher nicht meckern", meint Manfred Wächter. Da es keine Auswahl gebe, hätten viele Talheimer auch kein Interesse am Wahlkampf gezeigt, sagt Oliver Kurz. "Ich bin mit Herrn Gräßle zufrieden. Er hat viel gemacht, vor allem für junge Familien", ergänzt er. Auch Manuel Brabender bekennt sich zur Bürgerpflicht. "Ich bin in der Feuerwehr, und wir sind vom Bürgermeister unterstützt worden. Jetzt unterstütze ich ihn", so der 25-Jährige.

Kommentar "Unbefriedigend"

Rainer Gräßle zufrieden
Blumen für die ganze Familie und Süßigkeiten für die Kinder (von links): Charlotte (5), Theresa (9), Julia Gräßle mit Luise (3) und Rainer Gräßle.