Puddinghirn und Augäpfel aus der Schlossküche

Schaurige Horrornacht auf Burg Stettenfels − Gruseln im stockdunklen Gewölbekeller

Von Simone Möndel

Puddinghirn und Augäpfel aus der Schlossküche
Der Vampir beißt zu. Er kann den Hals nicht voll genug kriegen. Eine der schaurigen Szenen bei der nächtlichen Veranstaltung.Foto: Simone Möndel

Untergruppenbach - Während draußen vor dem Burgtor die Besucher in Gruppen erwartungsvoll auf Einlass ins Grusellabyrinth warten und noch fröhlich gekichert wird, herrscht drinnen hinter den alten Mauern gespenstige Betriebsamkeit. Die letzten Blutstropfen werden mit Gesichtsschminke aufgemalt, jeder Akteur bezieht seinen Posten. Der geballte Horror kann beginnen, nach drei Tagen Aufbauzeit und Vorbereitung. 70 Bauzäune weisen den Weg, 25 Baugerüste sind errichtet, 100 Liter Nebelfluid verdampfen bis Sonntagnachmittag, zwei Kilometer Kabel sind verlegt.

Premiere Es ist Premiere für die Horrornacht auf Burg Stettenfels, das Gruselevent für Erwachsene genauso wie in abgeschwächter Form bei Tageslicht das Familiengruseln für die Kinder. Per Walkie-Talkie steht Chef-Grusler Noel Ebhart aus Künzelsau mit seinen 25 Hobby-Darstellern, die aus ganz Deutschland, der Schweiz und Florida angereist sind, in Verbindung, gibt Anweisung und organisiert. "Eine Burg ist Neuland für uns, wir mussten alles frisch planen", sagt der 23-Jährige. Im zivilen Leben ist der Horror-Fan Student für Freizeit- und Kulturevent. Seit vier Jahren bespukt er mit seinem Verein Mais-Maze das Maislabyrinth in Ditzingen. Und jetzt auch eine echte Burg. "Die Anlage bietet sich perfekt dafür an. Wir sind zwar ein kleiner Verein, haben aber eine große Leidenschaft für den Horror. Viele von uns nehmen sogar Urlaub, um dabei sein zu können." Einen Gewinn will der Verein nicht machen, "nur die Kosten müssen gedeckt werden". Sagt"s und springt selbst ins Kostüm, um gegen Abgabe von Wegegeld − Schokogoldtalern, die die Besucher beim Start ins Labyrinth mitbekommen − die schwere Burgtür zu öffnen.

Begrüßt wird der Gast vom Hofnarr mit schwarzem Gesicht und verzerrtem, roten Mund. Der schleppt die Gruppe vorbei an einem blässlichen Kartenspieler, dem die schwarze Kreuz-Zehn in der blutenden Backe steckt. Kleine Aufmerksamkeiten, die man nicht unterschätzen sollte, gibt"s in der Küche: Puddinghirn und Augäpfel, Würstchen mit Fingernägeln.

Noch lachen die Gäste über fantastische Vampire und blutende Burgfräuleins, die mit rosaroten Plüschteddys erschrecken. Doch dann wird es dunkel und ernst. Nach verwinkelten Burgzimmern und einem Sammelsurium an selbstauslösenden Effekten kommt der Höhepunkt: Im Gewölbekeller tastet sich die Gruppe bei völliger Dunkelheit durch ein weiteres Labyrinth, um sich von einer finsteren Kreatur mit röhrender Motor-Kettensäge ungeheuerlich erschrecken zu lassen. Es ist erstaunlich, wie wenig es zum echten Gruseln braucht: Völlige Dunkelheit und unbekannte Geräusche. Nur gut, dass alle Darsteller den Ehrenkodex der Gruselbranche beherzigen: Kein Gast wird berührt.