Niedriger Schreibtisch ermöglicht den Überblick

Kantige Holzmöbel im Amtszimmer von Bürgermeister Rainer Gräßle

Von Sabine Friedrich

Niedriger Schreibtisch ermöglicht den Überblick
Groß, lichtdurchflutet, dafür im Sommer aber auch sehr heiß, ist das Büro von Bürgermeister Rainer Gräßle im ersten Stock des Rathauses.Foto: Dittmar Dirks

Talheim - Dass er so viel Platz hat, ist ihm bisher nicht bewusst gewesen. Auf 25 Quadratmeter hat er den Raum geschätzt. Nun misst er ihn mit Meter-Schritten ab - und siehe da, auf etwa 35 Quadratmeter kann Bürgermeister Rainer Gräßle seines Amtes walten. Hinter einem großen rechteckigen Schreibtisch. „Es ist ein warmes Holz“, streicht der 39-Jährige über die helle Oberfläche. „Ich mag es gerne, wenn der Schreibtisch niedrig ist, dann hat man den größeren Überblick“, sagt er vieldeutig.

Gediegen ist die Amtsstube, in der es im Sommer brütend heiß wird, eingerichtet, fast unverändert, seit dem Rathaus-Neubau 1983. Die lange Wand zum Flur ist voller Einbauschränke, die Wand zum Sekretariat ebenfalls holzvertäfelt. Kantig auch der Besprechungstisch mit fünf Stühlen. Unter der Fensterfront zum Rathausplatz befinden sich ein Sideboard und ein Beistelltisch, an dem Gräßle zum Diktieren gerne steht.

„Da ist nichts drin“, sagt er zur Kommode, schaut zur Sicherheit nach. Viel verändert hat der Schultes bei seinem Einzug am 21. Januar 2002 nicht. Den gepolsterten schwarzen Schreibtischstuhl mit gestreifter Rückenlehne hat er aus seinem Kämmerer-Büro mitgenommen. Die einzige freie Wand ist neu gestrichen worden. Ein Überbleibsel seines Vorgängers Hansjörg Apprich ist eine weiß-lackierte Lampe mit pilzförmigem Schirm. „Die sieht schön aus. Ich möchte sie nicht missen“, meint Gräßle und überlegt: Hat er sie je angeschaltet?

„Es ist ein helles, freundliches Zimmer. Es passt vom Stil her zum geschichtsträchtigen Gebäude“, erinnert er daran, dass der Neubau auf den Grundmauern der Alten Kelter errichtet worden ist. „Das hat irgendwie Charme. “ Das gilt auch für den Standort, mitten im Ort, im Rücken die Talheimer Burg. Bei geöffnetem Fenster hört man das Wasser im Jahreszeiten-Brunnen sanft plätschern. Vom Eckzimmer im ersten Stock des Rathauses aus kann Gräßle sehen, „dass Talheim lebt, die Leute hin und her laufen.“ Durch das gaubenhohe schlanke Mittelfenster zeichnet sich der Turm der Kilianskirche in voller Größe ab. Die Geräuschkulisse an der Ortsdurchfahrt stört den Bürgermeister nicht. „Wenn ich arbeite, höre ich ohnehin nicht viel, dann bin ich so vertieft“, sagt der Mann, der sich als ordentlich, vor allem was Pünktlichkeit anbelangt, charakterisiert.

Das Talheimer Chefbüro hat so gar nichts von dem modernen Stil, in dem die Familie Gräßle selbst eingerichtet ist. „Aber ich lebe hier ja nicht, kann hier aber echt gut arbeiten“, sagt der dreifache Vater. Ein Stück Familie hat er sich an seinen Arbeitsplatz geholt mit Fotos von den Töchtern. „Das ist schon wichtig, wenn man seine Kinder irgendwo ins Büro reinbringen kann.“ Die private Ecke wird ergänzt durch Geschenke zur Amtseinsetzung: eine eingegossene Rose vom Gemeinderat, Wasserwaage und Lot von den Sprengelkollegen und dem Gemeindetag-Kreisverband. Ein kleiner Steinbrocken vom Alten Rathaus, zwei alte Winzermesser auf einem Ziegel - vermutlich von der Alten Kelter - eine Keramikstehvase, das Gastgeschenk von Soultzmatt zum 40. Partnerschaftsjubiläum, gehören ebenfalls zum Sammelsurium auf dem Board über dem Kabelkanal.

Ein Gemälde des Talheimer Ehrenbürgers, Kunstmaler Hanns Reger, darf im Amtszimmer nicht fehlen. Das Motiv ein Muss: die Burg in Erdfarben. Das Wahrzeichen präsentiert sich farbenfroh in einem Aquarell von Stefanie Gebauer, ein Wettbewerbs-Beitrag für ein neues Gassenfest-Plakat. Noch ein Kontrapunkt an der Wand: Kräftige Farben und schwungvolle Pinselstriche zeichnen das abstrahierte Bild von Malerin Brunhilde Hofmann aus. Das „Velo“ - ein Schiff, das in Sturm gerät - hat für Gräßle Symbolkraft: Auch in einer Gemeinde gebe es manches zu überstehen.