Neue Gedanken über Vergangenes tauchen auf

Untergruppenbach - Bekannter Burgenkundler und Pädagoge Karl-Hein Dähn feiert heute seinen 85. Geburtstag

Von Angela Groß

Untergruppenbach - Das hohe Alter redet im Alltag ein gewichtiges Wort mit: Mal sind es die Gelenke, die gelegentlich Probleme bereiten, dann nimmt der Tod wieder einen der Freunde fort. Karl-Heinz Dähn aus Untergruppenbach, der einst für andere Bildungsreisen in den Osten organisiert hat, ist im Vergleich zu früher nicht mehr so viel unterwegs.

"Aber", sagt Dähn, "man ist gut beraten, sich nicht auf die faule Haut zu legen. Man muss froh sein, wenn man benützt wird." Heute hat Dähn Geburtstag, er wird 85 Jahre alt. An seiner Seite seine Frau Dorothea, der Sohn (57) lebt in Tübingen, die Tochter (54) in Münster.

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Nicht nur einmal, sondern mehrmals am Tag steigt Dähn in seinem Untergruppenbacher Haus die Treppen zu seiner "Studierstube" hoch, Stufe für Stufe. "Das ist mein Turm", lässt der 85-Jährige auf dem Weg nach oben eine Anspielung fallen. Erinnert daran, was ihn seit jeher beschäftigt und berührt hat: Burgen. Ihnen, den Zeugen der Vergangenheit, hat Dähn viel Lebenszeit gewidmet. Unter anderem hat er die Ausgrabung der Burg Löwenstein angeleitet, und wer will kann sich am 6. Oktober von ihm durch die Burg Stettenfels führen lassen.

Für sein großes und vielfältiges Engagement in Sachen Heimatgeschichte bekam Karl-Heinz Dähn im April 2011 die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen. "Ich bezeichne mich bewusst als Preuße", sagt Dähn, geboren in Kupferzell, mit Verweis auf die typischen preußischen Eigenschaften und die Geburtslandschaften seiner Eltern. "Ich bin aber furchtbar gerne Württemberger. Für dieses Land tue ich, was ich kann."

Immer noch liebt der ehemalige Lehrer und ehrenamtliche Stadtarchivar von Löwenstein, der Schulamtsdirektor, Autor und Wissenszutageförderer den genauen Blick, daran ändert das hohe Alter nichts. "Streng genommen" sei er kein Burgenforscher, sondern ein Burgenkundler, diese Information ist ihm wichtig. Und genauso wenig will der 85-Jährige als Manfred-Kyber-Forscher, sondern maximal als dessen Kenner bezeichnet werden. Über den baltischen Dichter, der in Löwenstein lebte, schrieb Dähn zuletzt das Buch "Ein Ort der Sehnsucht". Er habe ihn, ein "zartes Männlein", zwar nie kennen gelernt, sei aber mit dieser Person auf Du und Du. Dann schwärmt Dähn von dessen Energie, seiner Menschlichkeit und seiner Haltung im Tierschutz.

Nachdenken In seiner Studierstube ist der Belesene umgeben von tausenden Büchern, darunter die "köstlichen" literarischen Vertreter der Heimat, die Schillers, Goethes, Mörikes, Hölderlins. Im 20. Jahr des Ruhestands angekommen, sagt Dähn, er habe sich nie auf die faule Haut gelegt, gibt aber zu Bedenken, dass jetzt die "große Zeit des Nachdenkens und Wiederholens" gekommen sei − mit so manchem "Aha-Effekt". Die Erinnerungen an die Reisen, ins "köstliche Elsass", schaut sich der alte Herr gerne auf Bildern an, macht sich Gedanken über all das Erlebte. Er ist dankbar, "phänomenale Lehrer" gehabt zu haben, genießt die langen Gespräche an Sommerabenden draußen mit seiner Frau und freut sich an der Katze. Die bekomme immer als erstes Frühstück, "noch vor uns". Der Blick zurück auf das Leben fördert eine "erfüllte Zeit" zutage: "Ich versuche, zufrieden zu sein."