Mit Gleichgesinnten Erinnerungen teilen

Bei der Ostrockparty lassen die Puhdys über 1000 Fans nostalgisch werden

Von Stefanie Pfäffle

Email
Die Puhdys begeistern auch nach 39 Jahren Bühnenerfahrung ihre Fans in der Stettenfelshalle und sorgen für jede Menge Nostalgie.Foto: Stefanie Pfäffle

Untergruppenbach - Thüringer Rostbratwürste und Spreewälder Gurken aus dem Fass. Das sind die wichtigsten Produkte seines Sortiments, erzählt Andreas Müller, Inhaber des gleichnamigen Ossiprodukte-Ladens in Ettlingen. „Richtig gut und original sind aber auch Fiba Nugat, Zetti Bambina und Halloren Kugeln aus der ältesten deutschen Schokoladenfabrik.“ All das und noch viel mehr hatten er und seine Frau Steffi am Samstagabend nach Untergruppenbach gekarrt. Dort fand bereits die sechste Ostrockparty statt, und da durften so einige Originale nicht fehlen.

Jubel Das wichtigste Ostprodukt des Abends aber waren die Musiker. Die Puhdys, bereits jahrzehntelang in der DDR erfolgreich, ziehen auch heute noch scharenweise Leute an. Über 1000 Menschen jubelten ihnen in der voll gepackten Stettenfelshalle zu, sangen lautstark „Melanie“ und klatschten in die Hände.

Hier waren echte Fans der Rockveteranen am Werk, viele davon mit Fan-T-Shirt ausgestattet, kennen sie jede Zeile ihrer Lieblingsband. „Ich war vor 23 Jahren schon auf einem Konzert in Leipzig, das musste man einfach wiederholen“, erklärt Constanze Lesch. Die Leipzigerin wohnt inzwischen in Bad Friedrichshall und findet die Puhdys immer noch gut, wenn sie auch ganz schön in die Jahre gekommen sind. „Mit denen sind wir aufgewachsen.“ Gemeinsam mit Arbeitskollegin Kathrin Pietzsch, einer ehemaligen Dresdenerin, schwelgt sie gerne in Erinnerungen. „Das geht mit den anderen halt nicht“, meinen beide. Hier finden sie viele andere, mit denen sie die Vergangenheit teilen.

Ausverkauft Das hält Veranstalter Ingo Kraske für den Hauptgrund, warum auch die sechste Ostrockparty wieder ein voller Erfolg ist. Zwei Wochen im Voraus waren die Karten restlos ausverkauft. „Die Leute wollen sich mit jemandem unterhalten, der das gleiche Schicksal hatte, dazu kommt noch die Musik und dass sie hier ihre Thüringer und Fassbrause bekommen.“ Auf 60: 40 schätzt der Abstatter die Ost-West-Verteilung, tippt aber beim nächsten Mal schon auf 50:50.

Denn nicht nur ehemalige DDR-Bürger stehen auf die Puhdys und das ganze Drumherum. Walter Schafhausen ist gar extra aus Wien angeflogen, um bei dem Konzert dabei zu sein. „Die sind einfach ein Erlebnis“, findet der Österreicher. Bei einer Radtour durch die DDR habe er erstmals in einer Disco das Eisbärenlied für die Berliner Eishockeymannschaft gehört, „und damit ging es los“. Eigentlich sehr kritische Texte seien gut verpackt worden in einer Zeit, als man nicht offen seine Meinung sagen durfte.

Zweieinhalb Stunden spielten die älteren Herren alle ihre Hits, ihre Fans schwitzen und verloren die Stimme, aber vollkommen egal. Kaum war das Ende erreicht, stürmten sie die Verkaufsstände vor der Halle, mit Thüringer und Brockensplitter ließ es sich noch viel besser in Erinnerungen schwelgen.