Langeweile kennt er nicht

Hansjörg Apprich feiert am 24. Dezember seinen 65. Geburtstag

Von Sabine Friedrich

Langeweile kennt er nicht
Das Schild mit den Daten seiner (Wieder-)Wahlen haben die Rathausmitarbeiter Hansjörg Apprich einmal geschenkt. Es hängt an seiner Garage.Foto: Friedrich

Talheim - Im November war Bürgermeisterwahl in Talheim. Wurden da Erinnerungen wach? "Absolut keine", kommt die Antwort von Hansjörg Apprich prompt, der an Heiligabend 65 Jahre alt ist. Bis 2002 leitete er die Geschicke der Gemeinde. "Das war für mich ein Lebensabschnitt, in dem ich für das Brot meiner Familie gesorgt habe und der mir Spaß gemacht hat. Und als es keinen Spaß mehr gemacht hat, habe ich aufgehört." Nüchtern, ohne Wehmut blickt er auf diese 24 Jahre zurück.

Außer Dienst Seinen Entschluss, mit 58 Jahren "Bürgermeister außer Dienst" zu werden, als die "innere Spannung" verloren ging, hat er nicht bereut. Klar verfolgt der Talheimer Ehrenbürger die Kommunalpolitik. Ratschläge oder Kommentare sind ihm nicht zu entlocken. "Das wird nicht aus dem Haus getragen", sagt seine Frau Evelyn.

Mit 65 Jahren sollte Schluss sein mit den Ehrenämtern. Das nahm sich der Vater einer erwachsenen Tochter an seinem 60. vor. Geschafft hat er es nicht ganz. Den Vorsitz der Union Böckingen, der er seit 53 Jahren angehört, gab er im August ab. Altershalber scheidet er 2010 als Aufsichtsratschef der Volksbank Flein-Talheim aus. Bleibt noch der Vorsitz der Wohnungs- und Arbeitslosenhilfe Heilbronn-Franken.

"Seit Menschengedenken" ist er schon im Vorstand. Ist ihm diese Aufgabe besonders ans Herz gewachsen? "Das kann man so sagen", stimmt der gebürtige Böckinger zu. "Die Zahl derer, die wohnungslos werden, wird steigen", sorgt er sich angesichts der Wirtschaftskrise. Apprich kritisiert die Hartz-IV-Reform. Dass man immer noch versuche, die Leute zu qualifizieren und zu bilden, obwohl man wisse, es habe keinen Wert. Stattdessen sollte Arbeit vermittelt werden. "Das machen wir seit 25 Jahren in der Aufbaugilde, und es funktioniert", sagt der Mann mit dem großem sozialen Gewissen und Engagement.

Reisen Die Apprichs reisen gerne, vor allem nach Kanada, der Weite des Landes und der netten Leute wegen. 2010 werden die USA wohl das Ziel sein. "Im Auto sich ohne Stress fortbewegen zu können", das genießt Hansjörg Apprich. Gesundheitlich geht es ihm zwar gut. "Aber die Beweglichkeit hat schwer gelitten." Nach Hüft- und Knieoperationen ist es für ihn am schlimmsten, dass er nicht mehr Ski fahren kann.

Langeweile kennt der ehemalige FWV/FDP-Kreisrat trotzdem nicht. Er zeigt auf dicke Schmöker, die er liest. Und: "Es gibt Veranstaltungen, bei denen es selbstverständlich ist, hinzugehen", sagt er. Allerdings: "Ich bin deshalb in Ruhestand gegangen, dass ich entscheiden kann, zu welchen." Typisch Apprich.