Kräuter, Kittelschürzen und Kapellen beim Ilsfelder Holzmarkt

Vier Tage lang ticken die Uhren im Ort anders

Von Ute Knödler

Kräuter, Kittelschürzen und Kapellen
Ein Universalquirl gefällig? An den Ständen auf dem Krämermarkt konnte man so manchen Haushaltsartikel ausprobieren. Foto: Ute Knödler

Ilsfeld - Als Ilsfelder kann man nicht früh genug anfangen, beim Holzmarkt dabei zu sein", meinte eine junge Mutter mit ihrem müden Nachwuchs auf den Armen bei der Eröffnung des viertägigen Festes mit Fassanstich durch Bürgermeister Thomas Knödler am Freitagabend. Obwohl das Wetter nur verhalten war, zuweilen kühl oder regnerisch und nur vereinzelt Sonnenschein und auch noch die Zufahrt durch den Umbau der König-Wilhelm-Straße erschwert war, blieben die Ilsfelder ihrer Tradition treu.

Musik

Schon seit drei Tagen wird gefeiert, wenn auch mit einem bedauerlichen Zwischenfall (siehe Seite 29). Heute geht es weiter. Musikalisch sorgten für eine richtig gute Stimmung eigene Kapellen wie der Musikverein Ilsfeld oder die Handörgler des Harmonika-Clubs, aber auch die Original Nattheimer Blasmusik, Sontheims Trollige Lemberger oder die Gruppen Purple Sun, Fairway und Sixpäc. Der Sonntag, auch die Kirchweih der Ilsfelder, begann mit einem Gottesdienst.

"Beim Holzmarkt fühlt man sich richtig als Ilsfelder", meinte Werner Lutz. Vor allem, wenn man sich auch selbst engagiere. Er und seine Frau Petra halfen beim antiquarischen Bücherstand und beteiligten sich am Festumzug. "Ein bisschen Holzmarktluft schnuppern", wollte eine ehemalige Ilsfelderin beim Gang über den Krämermarkt. Dort blieb kaum ein Wunsch offen. Schon in den frühen Morgenstunden wurden Haushaltsartikel, Socken, auch handgestrickte, Taschen, Gürtel, Besen oder Süßigkeiten, Bernsteinketten, Spielwaren, Gewürze, Käse oder Wachstischdecken verkauft. Auch die gute alte Kittelschürze gab es noch − obwohl es immer weniger Trägerinnen gibt, wie ein Anbieter meinte. Der 63-jährige Händler, der seit 30 Jahren nach Ilsfeld kommt, bot außerdem Berufskleidung und verschiedene Socken an. "Es wird jedes Jahr weniger", bedauerte er. Es rechne sich nicht mehr. Deshalb steht sein Entschluss fest: 2010 ist er das letzte Mal auf dem Markt in Ilsfeld vertreten. Auch ein weiterer Textilhändler war nicht zufrieden. Seine Familie kommt schon in zweiter Generation mit Socken ins Schozachtal. Der 45-jährige, der die allgemeine Wirtschaftslage beklagt, will ungenannt bleiben und meinte: "Nur wenn ich nächstes Jahr noch existiere, bin ich wieder dabei".

Zufrieden zeigte sich dagegen Robert Haas aus Balingen, der mit Haushaltsartikeln und kleinem Werkzeug mit von der Partie war. Er könne auf seine Stammkundschaft zählen, meinte er, sagte aber auch: "Die guten Zeiten sind vorbei." Auffallend war, dass es etliche Artikel gleich an fünf oder sechs Ständen gab. Eine Nische hatte Maik Schellmann aus Widdern gefunden, der mit Kinderbüchern vertreten war. "Die Ilsfelder kommen zum Einkaufen", war er überzeugt. Selbst seine Weihnachtsware fand Absatz.

Marktwache

Als das Marktgeschehen schon drei Stunden im Gange war, zogen um 9 Uhr in historischen Gewändern die Bartholomäusreiter, die Marktwache und der Musikverein zur Proklamation ein. Nach dem Gang über den Markt mit Kräuter- oder Käseduft und mit Marktschreiern gönnten sich die kleinen Besucher eine Fahrt mit dem Karussell oder im Boxauto, die großen saßen im Festzelt, für das in diesem Jahr die Festgemeinschaft Musikverein und Harmonika-Club verantwortlich zeichnen.