Kosmetikbehandlung für kostbare Fresken

Reinigung der Wandmalereien in der Kilianskirche kostet rund 35 000 Euro

Von Sabine Friedrich

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Pfarrer Johannes Adolph zeigt auf verschmutzte Stellen der Wandmalereien. Die schwarzen Staubwölkchen sind nur aus nächster Nähe zu erkennen.Foto: Friedrich

Talheim - Vom Turm bis zur Außentreppe ist gefegt und geschrubbt worden. In vier Stunden haben 17 Helfer der evangelischen Kirchengemeinde Talheim, von den Konfirmanden bis zu den Senioren, ihr Gotteshaus wieder aufpoliert. Allein, die Wandmalereien bleiben beim jährlichen Großputztag ausgespart. Hier kann nicht einfach mit dem Schwamm drüber gewischt werden. Undenkbar bei den früh- und spätgotischen Fresken. Allerdings haben die Kostbarkeiten aus dem 13. Jahrhundert eine Kosmetikbehandlung dringend nötig.

Spenden Die Kostenschätzung eines Diplom-Restaurators, den das Landesdenkmalamt beauftragt hat, liegen bereits auf dem Tisch: 35 500 Euro. Da heißt es für die Kirchengemeinde, Geldgeber zu suchen, Zuschussquellen anzuzapfen, die rund 2000 Gemeindemitglieder um Spenden zu bitten. Die Gespräche werden laut Pfarrer Johannes Adolph jetzt geführt. Der Oberkirchenrat in Stuttgart genehmige die Reinigung erst, wenn die Finanzierung gesichert sei.

Wenn man sich seitlich stellt und den Kopf nah an die Wand hält, ist zu erkennen, was von Weitem nicht sichtbar ist: Schwarze Staubflocken haften in ganzen Wolken an den Malereien. Schmutz der vergangenen Jahre, der sich hier abgelagert hat. Zuletzt 1984 seien die Motive gereinigt worden, sagt der Pfarrer. Laut David Bösinger, Sprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart, sollen die Fresken gereinigt werden, um sie für die Zukunft zu sichern. Notwendig seien auch kleinere Konservierungsarbeiten. Malschichten beginnen sich abzulösen, kleine Risse seien entstanden.

Im Vorfeld hat das Landesdenkmalamt umfangreiche bauphysikalische Untersuchungen im romanischen Gotteshaus unternommen – von Oktober 2006 bis Sommer 2007. Die Kirchengemeinde hat darum gebeten, um zu erfahren, wie sie die Fresken schützen kann. „Es gibt keine Hinweise auf ein schlechtes Raumklima“, erläutert Bösinger die Auswertung. Selbst in der Heizperiode habe es keine dramatischen Messergebnisse bei der Luftfeuchtigkeit gegeben, so dass von den Gottesdienstbesuchern keine gravierenden Belastungen für die Wandmalereien ausgingen. Marginale Schimmelbildungen müssten noch detailliert untersucht werden.

Raumklima Allerdings empfehlen die Experten, die Heizung und damit das Raumklima zu optimieren. Das Landesdenkmalamt werde ein Konzept erarbeiten, wie in den alten, dicken Mauern richtig geheizt und gelüftet wird. „Mein Anliegen ist es, dass die frisch renovierten Fresken nicht wieder in kürzester Zeit verschmutzen“, sagt der Pfarrer, der deshalb einen Zusammenhang zwischen Reinigung und Raumklimasteuerung sieht. In der Oberstenfelder Stiftskirche hat er zufällig bei einem Besuch von der Steuerungsanlage erfahren. Sobald die Luftfeuchtigkeit draußen geringer als drinnen sei, öffnen sich die Fenster.