Jungstar in der Dirigentenszene

Helen Volz hat die Kapelle gut im Griff – Deutscher Jugendorchesterpreis 2007

Von Karin Freudenberger

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Ganz locker und trotzdem diszipliniert geht es bei den Proben der Jugendkapelle zu, wenn Helen Volz dirigiert.Foto: Karin Freudenberger

Lehrensteinsfeld - „Im Jahr 1927 fanden sich neun Lehrensteinsfelder zusammen, um einen Musikverein zu gründen. Sie konnten weder Noten lesen noch hatten sie Instrumente.“ Wer diese Sätze auf der Homepage des Musikvereins Eintracht Lehrensteinsfeld liest und Vergleiche zur derzeitigen Jugendkapelle zieht, erkennt frappierende Unterschiede. Die Jugendlichen erreichten beim Deutschen Jugendorchesterpreis 2006/2007 den ersten Preis. Die „Mutter“ dieses Erfolgs heißt Helen Volz und könnte eigentlich selbst noch in der Jugendkapelle spielen: „Die Ältesten sind in meinem Alter.“

Erfolgreich Über 50 Mitglieder zählt die Formation, alle sind begeistert von ihrer „Frontfrau“. „Bei ihr macht’s einfach Spaß“, meint Moritz. Und Johanna fügt hinzu: „Sie ist nicht streng, trotzdem sehr diszipliniert und vor allem humorvoll.“

Seit Januar 2006 leitet sie das Ensemble, in dem sie vorher als Saxofonistin aktiv war. „Ich habe mich einfach aus Begeisterung vorne hingestellt und geguckt, was passiert“, beschreibt sie die eigene Courage. Ohne Dirigentenausbildung.

Angefangen hat ihre Musikerlaufbahn an der Musikschule Obersulm. Bei Florentin Chirita und Gerald Dorsch erhielt sie Instrumentalunterricht, bei Renate von Raven eine Gesangsausbildung. Derzeit nimmt sie Stunden beim Heilbronner Musiker Jörg Linke. Erste Ensembleerfahrungen sammelte sie beim Saxophonquartett der Obersulmer Musikschule und in der Lehrensteinsfelder Jugendkapelle. Dann folgten eine Jazzcombo, die Heilbronner Polizei-Bigband.

Natürlich wurden auch die Lehrer des Weinsberger Justinus-Kerner-Gymnasiums auf das Riesentalent aufmerksam, das sich in Ensembles und im Chor profilierte. Der Höhepunkt für die Abiturientin war das JKG-Sommerkonzert. Volz bestach nicht nur durch ein gefühlvolles Gesangssolo im großen Chor. Frenetischen Applaus gab es vor allem, als Pädagogin Frederike Diener ihr den Dirigentenstab für das große Jazz-Sinfonieorchester überreichte. Im Bigband-Sound mit über 60 Musikern faszinierte die junge Frau das Publikum, welches das Glenn Miller Medley mit Ovationen feierte.

Riesentalent Musiklehrer Wilfried Bendel attestiert der Abiturientin, die jetzt Musik fürs Lehrfach studieren will, ein Riesentalent. Nicht nur musikalisch, sondern auch organisatorisch. „Trotzdem ist sie bodenständig“, unterstreicht er ein weiteres Plus. Besonders schätzt er ihre präzisen Einsätze beim Dirigat und ihren gesunden Ehrgeiz. „Sie hätte das Zeug zum Kapellmeister“, resümiert Wilfried Bendel.

Da ist es nicht verwunderlich, dass die viel Gelobte als größte Vorbilder Herbert von Karajan nennt, danach den Saxophonisten Charly Parker und den Jazzpianisten Herbie Hancock.

Als nächste Ziele für die Jugendkapelle hat sich Helen Volz die Aufführung der fünften Sinfonie von Beethoven in poppiger Version und Saga-Ballettmusik gesetzt. Das nächste Konzert ist im Dezember geplant. 2009 beginnt wieder mit einem Wertungsspiel. Wer die Begeisterung der Jugendlichen in Lehrensteinsfeld für ihre Dirigentin bei einer Musikprobe erlebt hat, weiß, dass dabei Bestnoten herauskommen „müssen“.