In Zuneigung aneinander geschmiedet

Untergruppenbach - Im Rathaus sind Werke von Willus Brenner und Martial Herbst ausgestellt

Von Simone Möndel

In Zuneigung aneinander geschmiedet

"Ich sah die Bilder und wusste sofort: Die muss ich in Stahl schmieden."

Martial Herbst

Untergruppenbach - Es gibt künstlerisch tätige Menschen, deren Werke, deren Biographie dem Gang der Geschichte etwas entgegensetzen wollen, ein fantasievolles, buntes "Dennoch". Willus Brenner, 1902 in Abstatt geboren und 1984 in Heinriet gestorben, war vielleicht so ein Mensch, der mit ungebremster Energie - und trotz Ausstellungsverbot durch die Nationalsozialisten - unterschiedlichste Werke geschaffen hat, Zeichnungen, Batiken, Akte und Porträts, mit dem Buntstift oder auch dem Kugelschreiber.

Jetzt sind einige seiner Gemälde wieder zu sehen, im Rathaus von Untergruppenbach. Die Ausstellung dauert bis 28. Februar. Doch dort stehen sie nicht alleine. Durch eine glückliche Fügung oder den Wink des Schicksals lernte der Beilsteiner Schmiedemeister und Metallgestalter Martial Herbst den jüngsten Sohn von Brenner, Daniel Brenner, vor sechs Jahren kennen und die Arbeiten des verstorbenen Vaters schätzen. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erklärt Martial Herbst diese folgenreiche Beziehung. "Ich sah die Bilder und wusste sofort: Die muss ich in Stahl schmieden."

Trilogie

So entstand als erstes Werk die "Trilogie". Drei zum Himmel strebende, gerostete Stahlobjekte, welche die exakte dreidimensionale Wiedergabe der Zeichnungen aus den 60er Jahren sind. Martial Herbst hat das auf 1200 Grad erhitzte Metall, die "Brennschnitte", mit Hammer und Amboss bearbeitet, bis alles exakt den Vorgaben entsprach. Diese Werke empfangen den Ausstellungsbesucher zuerst.

Später entstanden die sogenannten "Adaptionen", die auf Batikvorlagen von Brenner zurückgehen. Bunte, aus Edelstahl und Kupferblech geformte und emaillierte Objekte. Farbexplosionen, die in allen Regenbogenfarben schimmern, teils geschmiedet, teils geschweißt, das größte Werk misst im Rathaus 1,20 auf 1,70 Meter. Immer neue Fantasiewelten aus Farbe, Licht und Schatten sind so entstanden, ein dreidimensionales Traumreich.

Seit Anfang Februar sind die 52 gemeinsamen Werke im Foyer und im Sitzungssaal des Rathauses ausgestellt, am Wochenende war in der Stettenfelsgemeinde Halbzeit, und die wurde mit einer wortreichen Midissage begangen.

Midissage

Eingeladen war Literatur-Performer Gerald Friese aus Stuttgart, der in einer fast einstündigen One-man-Show mit geübtem Zungenschlag durch die Literatur und Poesie führte, und sich auf diese Weise den ausgestellten Werken zu nähern versuchte. Da wurde Albert Einstein zitiert: "Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt." Oder Kaspar David Friedrich bemüht: "Die einzig wahre Quelle der Kunst ist unser Herz." Michelangelo kam vor und auch Picasso: "Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit erkennen lässt." Ein Märchen der Gebrüder Grimm oder auch Axel Hacke wurde zum Besten gegeben, gekonnt in Gestik und Mimik, gelungen in der Darbietung, aber leider mit wenig Bezug zu den ausgestellten Künstlern in Untergruppenbach.

Der Untergruppenbacher Bürgermeister Joachim Weller, der die Ausstellung mit ermöglichte, berichtete den mehr als 50 Midissage-Gästen von "vielen Besuchern, die sehr beeindruckt waren". Viele ehemalige Schüler von Brenner seien darunter gewesen. Denn Willus Brenner war mit Herz und Seele über 30 Jahre lang auch Kunstlehrer am Heilbronner Robert-Mayer-Gymnasium gewesen.

"Der Kunstsaal war gleichzeitig sein Atelier", erzählt ruhig Sohn Daniel, der den Nachlass des Vater verwaltet und der nicht vor den Besuchern sprechen will. "Mein Vater hat viel gemacht und ausprobiert. Er ist in keine Schublade zu stecken und hat nach dem Leitsatz gelebt: Werde der, der du bist."