Fulminante und sanfte Interpretationen

Akkordeon-Orchester und Handörgler zeigen ihre klassische Seite

Von Ute Knödler

Fulminante und sanfte Interpretationen
Mit klassischer Musik begeisterte der Harmonika-Club Ilsfeld in der evangelischen Bartholomäuskirche.Foto: Ute Knödler

Ilsfeld - "Die Akustik reizt uns", sagte Dirigent Siegmund Riedinger. Schon seit Jahren gibt der Harmonika-Club Ilsfeld sein Jahreskonzert abwechselnd in der Gemeindehalle und in der Bartholomäuskirche. In diesem Jahr war die Kirche wieder dran. Die Musikstücke würden hier viel besser zur Wirkung kommen, freute sich Riedinger.

Zahlreiche Besucher ließen sich die Musikaufführung von Handörglern und Akkordeon-Orchester nicht entgehen. Auch die Musikstücke sind im sakralen Bauwerk andere. "In der Kirche spielen wir keine normale Unterhaltungsmusik", erklärte der Dirigent. So hatten die Handörgler nach dem Auftakt "Ein Tag beginnt" von Ernst-Thilo Kalke, das weltweit bekannte "Amazing Grace" sowie verschiedene Gospels, vom Dirigenten arrangiert, auf dem Programm.

Klangwelt Eine Klangwelt werde sich dem auftun, der sich darauf einlasse, versprach Riedinger nicht zu viel. Von den zarten Tönen mit Schlagzeug sanft untermalt, die zum Entspannen einluden, bis zu fulminanten Klängen boten beide Kapellen ihren Zuhörern ein abwechslungsreiches Programm.

Nach einer ganz kurzen Umbauphase entführte das erste Orchester mit 24 Akkordeonspielern, Keyboard und Schlagzeug das Publikum mit einem "Trumpet Voluntary" von Jeremiah Clarke in die Barockzeit. "Seit 300 Jahren ist es die typische Musik zur Eröffnung eines Gottesdienstes", erklärte Riedinger.

Üblicherweise werde das Akkordeon eher mit volkstümlicher Musik verbunden, so Elke Pfleiderer. Deshalb ist es auch der Vereinsvorsitzenden ein Anliegen, das Instrument mit klassischer Musik darstellen zu können. Mit "Pavane" von Maurice Ravel nahm das Orchester seine Zuhörer mit in die Zeit des Impressionismus Ende des 19. Jahrhunderts. An einen Tango erinnerte "Tanti anni prima". Der Komponist Astor Piazzolla vertonte jedoch ein Ave Maria.

Facettenreich Für die viersätzige "L"Arlésienne Suite II" von Georges Bizet erhielten die Musiker viel Beifall. Sehr facettenreich lud die Musik ein, sich den Charakter der Provence mit Lavendelduft vorzustellen und zu genießen. Nach einem gewaltigen Auftakt regte der dritte Satz zum Entspannen an, um kurze Zeit darauf wieder daraus entrissen zu werden. "Die Abwechslung ist wichtig", erklärte Riedinger. Das Publikum soll mit der Musik vom Alltag abschalten können, so wie das den Musikern schon bei der Probe nach kurzer Zeit gelinge.

"Gabriels Oboe" von Ennio Morricone, die Oboenstimme wurde von drei elektronischen Akkordeons und dem Keyboard nachgeahmt, erinnerte an den Film "Mission" von Roland Joffé. Nach zwei Zugaben, die sich das Publikum mit Applaus erbat, waren viele Komplimente und lobende Worte zu hören. Ob "schön war"s", "toll" oder "prima".