Einst deutsche Nationalfrucht

Streuobstsorte des Jahres 2010 haben Gemeinde sowie Obst- und Gartenbauer gepflanzt

Von Sabine Friedrich

Einst deutsche Nationalfrucht

"Das ist eine sehr schöne Nachricht und sicher Werbung für Flein."

Hartmut Winkler

Flein - Der ist gut gewachsen", schaut Ernst Kuder bei seinem Spaziergang unterhalb des Eselsbergs auf das noch zarte Bäumchen mit einem dünnen Stamm und einer kleinen Blätterkrone. Er hegt und pflegt es, jätet Unkraut und düngt es auch ab und zu. "Es braucht noch drei Jahre", ergänzt Erich Kern, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Flein. Dann trägt der Kleine Fleiner, der im Frühjahr gepflanzt worden ist, erstmals Früchte. Nicht erst durch die Auszeichnung zur Streuobstsorte des Jahres 2010 durch den Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft (wir berichteten) kommt der selten gewordene Apfel wieder zu Ehren. Der örtliche Verein und auch die Gemeinde machen die alte Sorte hier, wo sie ihren Ursprung hat, wieder heimisch.

"Das ist eine sehr schöne Nachricht und sicher Werbung für Flein", erklärt Bauamtsleiter Hartmut Winkler, als er davon hört, dass der Kleine Fleiner gekürt worden ist. "Ja, man freut sich", bestätigt Kern. Und auch Helmut Eberle, Vize-Vorsitzender des Bauernverbandes Heilbronn-Ludwigsburg, befürwortet das Bemühen, alte Sorten zu erhalten. Gleichzeitig mahnt er jedoch, nicht weiter Streuobstwiesen als Ausgleichsflächen auszuweisen, sondern den Bestand zu pflegen.

"Wir haben uns bemüht, dass die Sorte erhalten bleibt und wieder auf der Gemarkung wächst", sagt Winkler zum Apfel aus Flein. So hat der Bauhof im Sommer im kleinen Park des neuen Alten- und Pflegeheims einige Kleine Fleiner gesetzt und mit einer Tafel gekennzeichnet. Der OGV gar hat ein auffälliges Holzschild vom Fleiner Kettensäger Helmut Trölsch neben seinem Exemplar an der Neubrunnenstraße aufgestellt.

"Wir haben 20 Jahr lang mehr oder weniger gesucht. Ich habe tatsächlich den Fleiner Apfel gefunden", erzählt OGV-Vorsitzender Kern. Ob auf einer der zahlreichen Streuobstwiesen noch Exemplare stehen, weiß er nicht. Kern ist fast schon ein Experte, was diese Besonderheit anbelangt. Und weil er kein so besonderer Apfel gewesen sei, sei er verschwunden. "Der taugt nicht zum Saftmachen und nicht als Most, und als Tafelapfel schon gleich zweimal nicht", gibt Kern die Aussage von Erich Harst wieder, der deshalb seinen letzten Kleinen Fleiner herausgerissen habe.

Eine Meinung, die Pomologe Friedrich Renner von den Landwirtschaftlichen Lehranstalten im mittelfränkischen Triesdorf nicht teile. "Die Geschmäcker seien verschieden", habe er ihm erzählt. Kern weiß, dass der Kleine Fleiner einst einen guten Ruf gehabt hat. 1760 sei er als Mostapfel empfohlen, 1775 gar als deutsche Nationalfrucht bezeichnet worden. "Das war die Hochsaison", sagt der Obst- und Gartenbauer. Selbst Johann Caspar Schiller, Vater von Friedrich Schiller, habe 1795 von einem Welschen Fleiner geschrieben.

Manchmal entpuppt sich das Original als "Fälschung". So wie bei einer Frau aus Wäschenbeuren, die ganz begeistert von den Äpfeln mit Weingeschmack ihres Nachbarn gewesen ist. Kern hat sie besucht und einen Apfel mitgenommen. Ein Pomologe hat dann festgestellt, dass es kein Fleiner ist.