Ein vergessenes römisches Dorf

Landesdenkmalamt spricht von kleiner Sensation − Weitere Messungen in Steinäckern

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Barth

Ein vergessenes römisches Dorf
Mittels einer geoelektrischen Widerstandsmessung spürt Harald Scherzer römische Mauerreste im Boden auf.Foto: Barbara Barth

Talheim - Regenjacke und Gummistiefel, Maßband und Pflöcke, Kabeltrommel und ein rechteckiger Rohrrahmen mit zwei Sonden und einem piependen Messgerät: Das ist Harald Scherzers Ausrüstung. Der Diplom-Geologe steht auf einer nassen Wiese in den Steinäckern, macht Messungen. Dort, wo ursprünglich das neue Talheimer Feuerwehrhaus gebaut werden sollte. Meter für Meter arbeitet sich Scherzer voran, sticht sein geoelektrisches Gerät in den Boden. Wartet, bis es piepst, tritt auf ein Fußpedal, der Wert ist dann gespeichert.

Neue Erkenntnis Im vergangenen Jahr hatte es sich bestätigt, dass im Boden neben der Horkheimer Straße Reste eines römischen Straßenvicus liegen. Erste Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalschutz förderten "eine kleine Sensation" zutage, wie Dr. Andreas Thiel berichtete. Das Messbild zeigte nicht einen einzelnen Gutshof, der auf Grund früherer Funde vermutet wurde, sondern den Ausschnitt eines ganzen römischen Dorfes.

Deutlich ist ein massiver dunkler Streifen zu erkennen, der eine breite Straße darstellt. Davon zweigen rechtwinklig feinere dunkle Linien ab. Das sind Fundamente oder Mauersockel von römischen Häusern. Auch Keller sind zu erkennen. "Eine antike Autobahn-Raststätte mit Pferdewechsel", so nennt es der Geologe scherzhaft.

Schon die ersten Messungen führten dazu, dass die Gemeinde ihre Baupläne in den Steinäckern fallen ließ und einen neuen Standort für das Feuerwehrhaus einige hundert Meter weiter in den Straßenäckern festlegte. Inzwischen sind die Pläne dort so weit gediehen, dass der Gemeinderat einen Architektenwettbewerb beschloss (wir berichteten).

In der neuesten Ausgabe des Nachrichtenblattes der Landesdenkmalpflege schreibt Andreas Thiel: "Es bewährte sich, dass die Gemeinde Talheim sehr früh im Planungsstadium den Kontakt mit der Denkmalpflege suchte." Jetzt werde es möglich sein, die römische Siedlung dauerhaft zu erhalten. Weitere zerstörungsfreie Untersuchungen würden das Wissen um das "vergessene römische Dorf" mehren. In "geeigneter Form" soll es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Deshalb untersucht Harald Scherzer jetzt ein größeres Gebiet zwischen Horkheimer und Lauffener Straße.

Widerstandskartierung nennt sich, was der Teilhaber der Mössinger Firma Terrana Geophysik im Auftrag des Denkmalpflege macht. "Zwei Kabel messen die elektrische Leitfähigkeit im Boden", erklärt er. Steine sind schlechte Leiter. Sobald sein Gerät auf Mauerreste oder Fundamente stößt, erhöht sich der elektrische Widerstand. Dann werden nicht mehr 50 Ohmmeter angezeigt, sondern 60. "Au, da ist was", ruft er. Auf einer Obstbaumwiese misst er 64 Ohmmeter, ein sicheres Indiz dafür, dass da was im Boden liegt.

Ein anderes Verfahren zum Aufspüren von archäologischen Objekten ist die Geomagnetik. Sie wird bei der Erkundung von steinzeitlichen und keltischen Siedlungen eingesetzt. "Für die Römer ist aber die elektrische Widerstandsmessung besser", meint Scherzer. "Weil sie richtige Streifenfundamente für ihre Häuser hatten."

Schutzgebiet Je nach dem, was nach der Auswertung aller Messdaten in Talheim herauskommt, würde die Fläche als Grabungsschutzgebiet erklärt, allerdings immer in Abstimmung mit den Eigentümern, wie Andreas Thiel klar stellt. Wenn sich am Zustand des Grundstücks nichts ändert, passiert gar nichts, dann bleibt das Denkmal unangetastet im Boden. "Erst wenn gebaut werden sollte, ist Gesprächsbedarf, aber nicht brutal, niemand wird enteignet."

"Es gibt verschiedene Wege, Kulturdenkmale zu schützen", so Thiel, "immer vorausgesetzt, dass der Eigentümer mitmacht."